Neue Dauerausstellung „Kosmos Arp“ badet in Farbe
Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp: Künstlerpaar auf Augenhöhe
Rolandseck. Die obere Ausstellungsetage im Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist den Patronen des Hauses, Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, gewidmet. Nun gehen einem dort, wie gerade beim Museumsfest einschließlich Vernissage zu erleben, die Augen auf, so viel hat sich getan: In der Neupräsentation unter dem griffigen Titel „Kosmos Arp“ erfährt der Besucher einen veränderten Zugang zu den Sammlungswerken. Um darzustellen, was die Menschen interessiert an den beiden Künstlern, was sie sich wünschen für die Ausstellung über Arp und Taeuber-Arp, wurden sie im Rahmen der Ausstellung „Unwesen und Treiben“ gefragt.
Aus der Ideensammlung haben Julia Wallner, die neue Museumsleiterin und die in Arp-Ausstellungen fachkundige Kuratorin Astrid von Asten einen neuen Ansatz destilliert. Die Künstler werden gleichwertig auf Augenhöhe und im Dialog miteinander gezeigt, und auf riesigen Erklär-Tableaus aus Text und Bild gibt es viel Biographisches und Hintergründe zu erkunden. An anderen Stellen sind die Besucher eingeladen kreativ zu werden, ein Werk auszuwählen, über das sie mehr erfahren möchten oder sich im Lesebereich mit Büchern und an Bildschirmen niederzulassen.
Was auf den ersten Blick auffällt: „Wir haben ein ganz neues Gewand geschaffen“, wie von Asten betont. Vier Farben, die Wände ausfüllen, führen als Wegweiser durch die Etage. Blau steht für die Anfänge, die Gründung von Dada 1916 in Zürich im „Cabaret Voltaire“ durch Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Tristan Tzara und Hans Arp. Dada, eine der progressivsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts, ist für Hans Arp „der Urgrund aller Kunst“.
Sophie ist gespalten zwischen der Kunst und der Kunstgewerbeschule, an der sie unterrichtet, obgleich sie ihre Schüler „vom Blumenkranz zum Quadrat führt“, so von Asten. In der Ausstellung lässt sich nachvollziehen, dass sie geometrische Elemente aus Entwürfen in Teppiche überführt. Einer zeigt so beiläufig wie selbstbewusst die Signatur „SHT“ für Sophie Henriette Taeuber. Kissen zieren abstrahierte Vögel. Auch die kleinen Perlenbeutel tragen ihre geometrische Handschrift. Sophie Taeuber, ab 1922 Taeuber-Arp, zählt zu den Pionierinnen der modernen Kunst. Als einzige Frau war sie in vielen Jurys vertreten. Als Malerin, Textilgestalterin und Architektin verband sie Kunst, Handwerk und Technik. „Was uns auszeichnet“, betont Wallner, ist, „dass wir das Kunsthandwerkliche neben die Kunst setzen“. Vor Jahren wäre dies in Museen noch nicht denkbar gewesen. Dieser universelle Ansatz sei vom Bauhaus bekannt, aber selbst Arp, der Taeubers Kunst hochhielt, habe das Textile nicht so wertgeschätzt.
Gelb grundiert sind im „Kosmos Arp“ die 30er Jahre. 1927 war das Geld beisammen, um nahe Paris in Meudon ein Atelierhaus zu beziehen. Taeuber-Arp gab ihre Tätigkeit an der Kunst- und Gewerbeschule in Zürich auf und arbeitete als freie Künstlerin mit mehr Spielraum fürs Experimentieren. Arp entwickelte die Arbeiten aus zerrissenen Papieren und seine „Konstellationen“. Als Hauptvertreter einer organisch-abstrakten Formensprache und Sprachkünstler wirkt sein Einfluss auf abstrakte Kunst, Surrealismus und dadaistische Poesie bis heute fort.
Vor markant grüner Umgebung wird die Zeit des Exils dargestellt. Im Jahr 1940 floh das das Ehepaar vor den Nazis nach Südfrankreich. Zwar litt es unter dem Mangel an Lebensmitteln und und an Arbeitsmaterial, blieb aber dennoch sehr produktiv und nahm noch an Ausstellungen in Europa teil. Die Beiden verwarfen die Emigration in die USA. Eine erneute Flucht führte in die Schweiz nach Zürich. Bei einem Besuch in Max Bills Haus starb Taeuber-Arp in der Nacht zum 13. Januar 1943 an einer Kohlenmonoxidvergiftung.
Vier Jahre war Arp „in Schockstarre“, bevor er wieder plastisch arbeitete. Sein internationaler Erfolg setzt nach dem Zweiten Weltkrieg ein.Der breite Markt ist in den 1950ern ausschlaggebend dafür, dass Arbeiten in Bronze gegossen oder in Marmor umgesetzt werden. Aber er hat auch weiter an Gipsen gearbeitet. Seinem Spätwerk wird in der Ausstellung die Farbe Rot zugeordnet.
Schließlich eröffnet das in Dämmerlicht getauchte Kabinett eine zauberhafte Marionettenwelt mit den von Sophie Taeuber-Arp entworfenen Figuren des Stücks „König Hirsch“. Die Marionetten sind in einem Schaukasten zu sehen, sie werden im Kurzfilm von Marina Rumjanzewa lebendig und als virtueller Spiegel, in dem sie die Bewegungen der vor ihnen agierenden Person nachvollziehen.
Das Museum ist dienstags bis sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
HG
