Allgemeine Berichte | 24.04.2016, 09:00 Uhr

Erinnerungen an vergangene Tage am Nürburgring

„Hans-Joachim Stuck fuhr nachts mit der Dampfwalze durch Nürburg“

Der Motorsportjournalist Klaus Ridder besuchte im Rahmen der Recherche für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ die Nürburgerin Ursula Schmitz , die vieles über die berühmte Strecke und ihre Helden zu berichten weiß

In dieser Scheune schliefen 1947 bekannte Rennfahrer wie Schorsch Meier im Heu.Fotos: Archiv Schmitz und Ridder

Nürburg. „Die Eifel war karg, die Winter waren lang und kalt und meine Eltern betrieben Landwirtschaft mit einem Pferd und ein paar Kühen. Geboren wurde ich am Westwall in einem Bunker, sechs Wochen habe ich mit meiner Mutter in der Dunkelheit gelebt“, erinnert sich Schmitz.

Die ersten Rennen fanden 1947 statt.

Tausende von Menschen kamen mit dem Zug in Adenau an und zu Fuß nach Nürburg. „In unserer Scheune gab es Strohlager, draußen ein Plumpsklo und eine Wasserleitung zum Waschen. Die Hähne, das waren Stopfen in der Leitung. Die zog man raus und es gab einen Wasserstrahl zum Waschen. Waschen kostete 10 Pfennig und das Geld habe ich als Fünfjährige eingesammelt“, fährt sie fort.

„Schorsch Meier mit einer tollen BMW schlief auch bei uns im Stroh. Mein Vater setzte sich nachts auf die Maschine und rollte los, bergab geradeaus und landete in einem Teich, den es damals noch in Nürburg gab. Es ging gut, die Maschine war noch fahrbereit und Schorsch Meier gewann sogar das Rennen. Meine Tante bewirtschaftete das Hotel zur Burg und ich half dort immer wieder mal aus, zuerst in der Küche und mit zwölf Jahren durfte ich auch schon mal servieren. Ich war ganz nervös und kippte dem Rennfahrer Graf Trips die Suppe in den Nacken. Er war gar nicht mal sehr böse und nahm das Missgeschick hin. Als Kinder spielten wir auf der Burg oder im historischen Fahrerlager.

Wir kamen ohne Probleme an der Eingangskontrolle vorbei, weil die uns Kinder ja kannten. So habe ich mir Autogramme von den Rennfahrern wie Fangio und Moss geholt, die waren immer nett zu uns Kindern“ erzählt Ursula Schmitz.

Wo Schmitz´ Kinder das Rennfahren gelernt haben, will Klaus Ridder wissen.

Schmitz: „Die sind ja mit den Rennfahrern groß geworden. Sabine hat gerne auf dem Schoß von Niki Lauda gesessen. Ja, der Niki Lauda wollte immer Schnittlauch haben und den haben wir uns aus dem Garten von einer Tante geholt. Ich habe drei Töchter, die alle Rennen gefahren sind, einmal sogar alle drei mit demselben Auto. Mein Sohn Beat ist 1989 geboren, da war ich schon weit über 40“.

Es war immer eine große Familie und die Rennfahrer feierten auch gerne, auch vor den Rennen. Und dann wurde es manchmal lustig. „Stuck fuhr mal mit einer Dampfwalze nachts durch Nürburg und Clay Regazzoni war so glücklich über seine Pole Position, dass er am Abend viele Whiskys trank – und trotzdem das Rennen am nächsten Tag gewann“, weiß Schmitz zu berichten.

Und dann kann sie auch etwas zu einem größten Rennfahrer der Geschichte erzählen: „Zurückhaltend war Ayrton Senna, er war gläubig und hatte immer eine Bibel dabei.“

Auf die Frage, ob sie doch ein Buch über ihre Erlebnisse schreiben wolle, kommt prompt die Antwort: „Ja, das wollte ich schon mal – mit Luki Scheuer . Der Titel sollte lauten: ´Vom Plumpsklosett ins Internet´. Ja und dann starb Luki plötzlich und aus dem Buch wurde nichts.“

Zum Abschluss noch ein Bild. Ursula Schmitz ist medienerfahren und lächelt professionell in die Kamera – dann eilt Klaus Ridder schon zum nächsten Termin. Hans-Joachim Retterath von der Tankstelle Döttinger Höhe wartet schon.

Geschichten und Bilder gesucht!

Autor Klaus Ridder sucht für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ weitere Zeitzeugen sowie Geschichten und Bilder aus alten Nürburgring-Tagen, hier insbesondere von dem ersten Nachkriegsrennen 1947.

Kontakt: Klaus Ridder, Tel.: (0049) 2241 1201863, Email: gefahrgutridder@t-online.de. Weitere Infos online auf www.motorsportridder.de und www.klaus-ridder.de.

Ursula Schmitz gehört seit vielen Jahren zum Nürburgring und betreibt das Hotel und Restaurant „Tiergarten/Pistenklause“.

Ursula Schmitz gehört seit vielen Jahren zum Nürburgring und betreibt das Hotel und Restaurant „Tiergarten/Pistenklause“.

Das Frikadelli-Team mit Ursula Schmitz´ Tochter Sabine steht immer wieder auf dem Podium.

Das Frikadelli-Team mit Ursula Schmitz´ Tochter Sabine steht immer wieder auf dem Podium.

In dieser Scheune schliefen 1947 bekannte Rennfahrer wie Schorsch Meier im Heu. Fotos: Archiv Schmitz und Ridder

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
kostenfreie Stellenanzeige im Rahmen der "2+1" Aktion
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Pellenzer Lehrstellenbörse
Empfohlene Artikel
(von links) Pascal Rowald, Jan Ritter und Peter Diewald im großen Sitzungssaal des Rathauses.  Foto: GS
21

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bekommt einen neuen Ersten Beigeordneten. Jan Ritter wird Peter Diewald ablösen, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Ritter wurde vor großem Publikum unter Sitzungsleitung von Bürgermeister Pascal Rowald in dessen erster Sitzung als Stadtchef im zweiten Wahlgang zum Stadt-Vize gewählt. 21 von 36 Ratsmitglieder haben für den 46-Jährigen gestimmt, der für die CDU im Kreistag von Ahrweiler sitzt.

Weiterlesen

Die Junggesellen freuen sich auf unvergessliche fünf Tage. Foto: privat
23

Bad Bodendorf. Der Sinziger Stadtteil Bad Bodendorf steht wieder ganz im Zeichen der traditionellen Kirmes. Der Junggesellenverein (JGV) Bad Bodendorf lädt von Freitag, 4. September, bis Dienstag, 8. September 2026, zu fünf abwechslungsreichen Festtagen ein. Rund um den Kirmesplatz erwartet die Besucher ein buntes Programm für Jung und Alt, musikalische Unterhaltung und zahlreiche traditionelle Höhepunkte.

Weiterlesen

5

Unkel. Offenes Mitmach-Singen veranstaltet vom Kirchenchor des Seelsorgebereichs Unkel von 19 bis 20 Uhr auf dem Gelände des Christinenstifts in Unkel – bei schlechtem Wetter in der Kapelle - als Mitgestalter eines bundesweit von hunderten Chören gemeinsam ausgerichteten Liederabends anlässlich des Einheitsfestes. Liedrepertoire von altem Volksliedgut bis zu bekannten Liedern neuerer Interpreten, die für Freiheit und Frieden stehen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor.Foto: St. Nikolaus-Stiftshospital/Holger Lindner
909

Rheinland-Pfalz bestätigt breites medizinisches Leistungsspektrum und stärkt das St. Nikolaus-Stiftshospital als wichtigen Standort

Krankenhaus Andernach geht gestärkt aus neuer Leistungsgruppenzuteilung hervor

Andernach. Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor. Durch die zugewiesenen Leistungsgruppen werden rund 99,5 Prozent des bisherigen Leistungsspektrums vollständig abgebildet. Das Krankenhaus sowie der Träger, die Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach, sehen darin die hohe medizinische Qualität und breite Expertise des Hauses bestätigt.

Weiterlesen

Öffentliche Bekanntmachung
638

Allgemeine Berichte

Öffentliche Bekanntmachung

Einladung zur nicht öffentlichen Versammlung der Jagdgenossenschaft Sinzig-Franken am Mittwoch, den 23.09.2026, um 19.00 Uhr, in der alten Schule, Maisgasse, 53489 Sinzig-Franken

Weiterlesen

Symbolbild.
524

Ulmen. Am Freitag, den 4. September 2026, ereignete sich gegen 00:10 Uhr im Einmündungsbereich der B259 und K2 in der Ortslage Ulmen ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Personenkraftwagen. Nach bisherigem Erkenntnisstand befuhr ein Autofahrer die B259 von Ulmen in Richtung Auderath. Ein anderer Fahrer befand sich auf der K2 und wollte nach links auf die B259 abbiegen. Im Einmündungsbereich kam es dann aufgrund einer Vorfahrtsmissachtung zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge.

Weiterlesen