Gesprächsangebot zweiter Koblenzerinnen in Zeiten von Corona
„Happy hour bei Augusta“
Koblenz. Kaiserin Augusta ist wohl die zurzeit meistfotografierte Frau in Koblenz. Seit sie den roten Mundschutz trägt, steigen Radfahrer ab, junge Mütter halten mit ihren Kinderwagen inne, Rentnerinnen auf ihrem Spaziergang in den Rheinanlagen setzen sich kurz hin – und alle zücken ihre Mobiltelefone, um das Denkmal abzulichten.
Die Skulptur der Kaiserin thront über einem Projekt, das seit dem 19. März zu ihren Füßen stattfindet. Jeden Tag von 13 bis 16 Uhr bieten Christiane Klein, Leiterin der Jugendbegegnungsstätte Haus Metternich und Jutta Lehnert, Pastoralreferentin im Dekanat Koblenz, hier ein Gesprächsangebot der besonderen Art an: Im Sicherheitsabstand von zwei Metern kann, wer will, Platz nehmen oder auf einen Spaziergang mitgehen. Genehmigt ist dieses Angebot von Bürgermeisterin Ulrike Mohrs höchstpersönlich. „In den ersten Wochen waren vor allem Menschen da, denen die Allgegenwärtigkeit des Themas ‚Corona‘ und dessen ständige Präsenz in den Medien Angst machte“, berichtet Initiatorin Jutta Lehnert. Dann kamen Menschen, denen der Verlust des direkten menschlichen Kontaktes auf Dauer schwer zu schaffen macht und für die auch ein Skype-Gespräch kein Ersatz für die Ausstrahlung eines Menschen im persönlichen Gespräch ist.
„Und jetzt kommen immer mehr Menschen, die politisch diskutieren wollen“, sagt Jutta Lehnert. „Was ist aus dieser Krise zu lernen? Es darf doch nicht einfach so weitergehen wie bisher. Wir müssen umsteuern: unsere Lebensmittelproduktion, unser Gesundheitswesen, die Profitgier unseres Wirtschaftssystems“, sind Anregungen und Bedenken, die in den Gesprächen eine Rolle spielen. „So kommen viele vernünftige Vorschläge zusammen“, ist Lehnert sich sicher. Die größte Sorge der Menschen, die zu ihnen kommen sei, neben den persönlichen Verlusten von Arbeitsplatz, gemeinsamer Zeit mit der Familie oder Möglichkeit des Trauerns, dass es eben nicht zu den notwendigen Veränderungen kommen könnte. Immer wieder würde die Frage auftauchen, ob die Demokratie die Einschränkungen der öffentlichen Meinungsäußerungen auf Dauer verkraften könne. Für viele Gesprächspartner wirkte die Corona-Krise wie ein Vergrößerungsglas, unter dem sich die bisherigen Probleme und Unrechtserfahrungen deutlicher zeigten.
„Ob sich daraus auch öffentliche Stimmen melden, die auf die notwenigen Veränderungen drängen, sobald die Krise vorbei ist, wird sich zeigen“, meint Jutta Lehnert.
Pressemitteilung des
Bistums Trier
