Regionalverband Stadtbild Deutschland – Mittelrheintal
Harmonische Weiterentwicklung statt architektonischer Brüche am Florinsmarkt
Koblenz. Der Regionalverband Stadtbild Deutschland – Mittelrheintal spricht sich im Zuge der aktuellen Diskussion um Neubauten und Anbauten am Florinsmarkt in Koblenz für einen grundsätzlichen Perspektivwechsel im Umgang mit historisch sensiblen Stadträumen aus.
In den vergangenen Jahren wurde häufig auf stark kontrastierende Glas- und Stahlkonstruktionen gesetzt, um Neubauten bewusst als solche zu markieren.
Diese Form der architektonischen Abgrenzung gilt jedoch zunehmend als überholt. Gerade in historisch gewachsenen Stadträumen wie dem Florinsmarkt erweisen sich sogenannte „Glaskästen“ nicht nur als gestalterisch problematisch, sondern auch als kostenintensiv und ökologisch fragwürdig.
Moderne Architektur muss heute mehr leisten als reine Provokation durch Kontrast. Zukunftsweisend ist vielmehr eine harmonische Verbindung von Alt und Neu, die den Stadtraum respektiert, weiterdenkt und stärkt, ohne ihn zu dominieren. Ein sensibel gestalteter Anbau kann zeitgemäß sein, ohne sich durch einen bewussten Stilbruch in den Vordergrund zu drängen.
Aus Sicht des Denkmalschutzes ist klar: Eine angepasste Gestaltung bedeutet weder Rekonstruktion noch historisierende Kopie. Durch differenzierte Farbgebung, reduzierte Ornamentik, zeitgemäße Details und eine klar ablesbare Bauform bleibt erkennbar, dass es sich um einen Neubau handelt. Die Bevölkerung ist sehr wohl in der Lage, zwischen historischer Originalsubstanz und moderner Ergänzung zu unterscheiden.
Authentizität entsteht nicht durch maximale Abweichung, sondern durch Ehrlichkeit im Umgang mit dem Bestand.
Hinzu kommen ökologische Aspekte: Glasintensive Bauweisen sind in Herstellung, Unterhalt und Klimatisierung deutlich CO₂-belastender als massive, verputzte Konstruktionen mit kleineren Fensterflächen. In Zeiten steigender Energiekosten und wachsender Klimaverantwortung sollten nachhaltige Materialien und langlebige Bauweisen eine stärkere Rolle spielen – gerade in innerstädtischen Projekten mit Vorbildcharakter.
Der Regionalverband Stadtbild Deutschland – Mittelrheintal plädiert daher für eine klare architektonische Haltung: Moderne Architektur darf sichtbar modern sein, sollte sich jedoch verbindend und einfügend entwickeln – nicht durch konstruktive Brechung, sondern durch gestalterische Intelligenz. Der Mut zur Moderne zeigt sich heute weniger im Bruch mit dem Bestehenden, sondern in der Fähigkeit, Geschichte weiterzuschreiben.
Der Florinsmarkt bietet die Chance, genau diesen Weg beispielhaft zu gehen.
Pressemitteilung Stadtbild Deutschland e.V. Unteres Mittelrheintal
