Allgemeine Berichte | 31.05.2017

Wachtbergerin feiert ihren 80. Geburtstag

Heide Wandelt: „Ein Leben mit und für den Sport“

Heide Wandelt während des Fototerminsmit ihrer Gymnastikgruppe im Mai 2017. Foto: privat

Wachtberg-Pech. Den Wachtberger Ortsteil Pech zeichnen viele Vorzüge aus, weshalb schon vor vielen Jahren vom Heimatverein Pech unter seinem damaligen, insgesamt dreißig Jahre engagiert handelnden und herrschenden ersten Vorsitzenden Günter Wagner der schnell akzeptierte Wahlspruch „Zum Glück gibt’s Pech“ verbreitet wurde. Pech wird von den Nicht-Pechern mehr oder weniger beneidet wegen seiner wunderschönen Lage an den Abhängen des Marienforster Tals westlich von Bad Godesberg mit seinen liebevoll gepflegten Fachwerkhäusern im Ortskern, wegen seiner Nähe zum angrenzenden Kottenforst, wegen des kurzen Wegs nach Bonn und Köln und zur Autobahnauffahrt Merl. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen sich mitten zwischen den Wohnhäusern große Wiesenflächen ausbreiteten, auf denen schottisches Highland Cattle oder Pferde weideten und riesige Walnussbäume standen; auch nicht mehr möglich ist es, im Edeka-Laden fußläufig einzukaufen oder sich in der Gaststätte „Zur Wiesenau“ abends oder am Wochenende zum Gedankenaustausch beim Kölsch zu treffen. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Eckart Gerke viele Jahre lang den Haribo-Volkslauf im Kottenforst organisierte und dazu den Helfern aus der FC Pech-Gruppe „Fit über Vierzig“ sein privates Wohnzimmer als Organisationszentrale zur Verfügung stellte. Nicht genug damit: Das Ehepaar Gerke lud dann auch noch die Helfer zur zünftigen Karnevalsfeier in sein Haus ein. Beruhigend für alle Pecher ist, dass nach wie vor z. B. die beiden Kindergärten, die Grundschule und die evangelische sowie die katholische Kirche (letztere allerdings in beklagenswert abgespecktem Umfang), die Poststelle und die Metzger- und Bäckerei sowie die beiden Theater weiterhin Zentren zur Kommunikation für die Einwohner sind. Diese Möglichkeiten sich wohl zu fühlen haben auch viele Politiker, hohe Verwaltungsbeamte und Wirtschaftsführer dazu veranlasst, in Pech ihr Domizil auf zu schlagen; als – inzwischen verstorbene - Leuchttürme seien „Herr Haribo“ (Hans Riegel Bonn) und der langjährige Außenminister Hans Dietrich Genscher genannt.

Pecher Persönlichkeiten

Besonderes Glück hat Pech aber mit einzelnen Persönlichkeiten, die lange Zeit in Pech wohnten und wirkten, die dann weggezogen sind, aber sich immer noch Pech und den Pechern verpflichtet fühlen. Dazu gehört z.B. der frühere evangelische Pfarrer Jochen Ziegler, der das Straßengefälle der L 158 ausnützt, um immer wieder von Meckenheim mit dem Fahrrad nach Pech zu kommen und dort auch als Pfarrer auszuhelfen. Da ist Peter Zachow aus Meckenheim, für den es jedes Jahr Pflicht ist, mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern an der Spitze des Karnevalszugs durch Pech zu ziehen, nachdem er über viele Jahre die Alte-Herren-Mannschaft des FC Pech wesentlich verstärkte.

Eine Frau und ihr Engagement

Und da ist vor allem Heide Wandelt, die nunmehr im Mai 80 Jahre alt geworden ist. Sie hat viele dieser Wohlfühl-Aktivitäten angestoßen, mitgestaltet und zum Teil mit erlitten. Sie selbst nennt ihr Motto „Ein Leben mit und für den Sport“, was bei ursprünglich vier Kindern und mehreren Enkelkindern sowie einem als selbstständiger Handwerker tätigen, inzwischen verstorbenen Ehemann wohl etwas zu kurz gegriffen ist; natürlich gab es ein Leben neben dem Sport. Aber Heide Wandelt war all ihr Leben lang ein Sports-Fan und später Sportfunktionärin, zunächst als aktive Sportlerin, der die widrigen Umstände der Kriegs- und Nachkriegszeit – in Berlin geboren musste sie nach München umziehen – es verwehrten, ein angestrebtes Sportstudium zu betreiben. Sie heiratete, bekam Kinder und zog schließlich vor 46 Jahren nach Pech. Sie trat dem FC Pech bei, war Trainerin, dann als Sozialwartin Mitglied des Vorstands, später 2. Vorsitzende und schließlich 15 Jahre lang 1. Vorsitzende des FC Pech. Sie zog zwar nach 6 Jahren mit der Familie nach Bad Godesberg, blieb aber Pech und dem FC Pech auch weiterhin treu. Sie war bestrebt, den Breitensport im Pecher Verein zu fördern; auf ihr Engagement gehen 17 Kurse im Verein zurück, so auch der Gesundheitssport für alle Altersstufen, der Tanzsport und der Bauchtanz. Nicht nur auf Kreis-, sondern auch auf Landesebene wurden ihr wichtige Aufgaben bzw. bedeutende Auszeichnungen zuteil, so z.B. die Ehrenratsmitgliedschaft im rheinischen Turner-Bund und die Funktion der Vizepräsidentin des Kreissportbunds im Rhein-Sieg-Kreis. Verdeutlicht man sich, dass pro Jahr ungefähr 4.000 Bürger in Deutschland das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen, so kann man ermessen, welche außergewöhnliche Auszeichnung Heide Wandelt schließlich im Jahr 2004 erfuhr, als sie vom Präsidium des Deutschen Fußballbunds in den Club der 100 Besten des DFB aufgenommen wurde; damit fanden ihre vielen Aktivitäten jedenfalls eine gebührende Anerkennung. Seit einem Jahr ist Heide Wandelt nun Präsidentin des Vereins und schwebt eigentlich über dem Verein. Sie kümmert sich aber noch immer intensiv um Angelegenheiten des Vereins, vertritt Übungsleiter, leitet Wassergymnastik-Aktivitäten und wenn Hundeeigentümer am Samstag-Morgen beim Sportplatz ihren Spaziergang im Kottenforst mit ihrem Vierbeiner beginnen, kommt ihnen unfehlbar Heide Wandelt bereits in einer kleinen Gruppe mit 2 Stöcken in den Händen beim Nordic Walking entgegen.

Es gibt sicher noch viele engagierte Bürger Pechs, die Erwähnung verdienen würden; Heide Wandelt verdient sie jedenfalls.

Konrad Bauer

Heide Wandelt während des Fototermins mit ihrer Gymnastikgruppe im Mai 2017. Foto: privat

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