Gesprächskreis Ahrwein im Weingut Sonnenberg war ein voller Erfolg
„Heimatkunde für Fortgeschrittene“
Geograf Dr. Jürgen Haffke erläuterte die historische Entwicklung der Ahr
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Weingut Sonnenberg platzte aus allen Nähten. Wahrhaftig, diese Feststellung in der Begrüßung durch Oliver Piel, stellvertretender Geschäftsführer des Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., umschrieb das hohe Interesse, das gesamte Ahrtal aus der Vogelperspektive zu betrachten. Schließlich fanden nicht alle der über 80 Zuhörer einen Sitzplatz, nahmen aber auch gerne die erstklassigen Informationen stehend entgegen. Es war Andreas Schmickler aus Kirchdaun, der zu verschiedenen Jahreszeiten mit einem Kleinflugzeug den Flusslauf der Ahr aufs Genaueste beobachtet hatte und dabei teils atemberaubende Fotos schoss. Und es ist der historische Geograf Dr. Jürgen Haffke, gebürtiger Bodendorfer, heute in Bonn wohnend, der diese Fotos in einem geschichtlichen Rahmen von der Faltung des Ahrgebirges vor 300 bis 400 Millionen Jahren bis hin in die Gegenwart kommentierte. Die vier Streckenabschnitte, die junge Ahr, die obere Ahr, die mittlere Ahr und die untere Ahr bieten landschaftliche, geologische, kulturhistorische, militärische und geschichtliche Besonderheiten, die in keiner anderen Gegend Deutschlands und teilweise auch weltweit anzutreffen sind. Aus brüchigem, alten Kalkgestein tritt die Ahr im Brunnenhaus auf dem „Steinpütz“ in Blankenheim mit vier Quelltöpfen zu Tage und legt bis zu ihrer Mündung bei Remagen/Kripp in den Rhein knapp 90 Kilometer zurück. Es sei keineswegs, so Haffke, immer klar gewesen, dass die Ahr aus der Schüttungsquelle in Blankenheim ihren Ursprung nahm. Schließlich konkurriert der Flusslauf oberhalb von Dümpelfeld mit dem Adenauer Bach, in dem einige Experten eher den eigentlichen oberen Ahrverlauf sahen. Dass die Ahr im Laufe der Geschichte mehrfach ihre Richtung änderte, bezeugen heute einmalige Umlaufberge, deren schönster mitten im Dorf von Mayschoß zu bewundern ist. Auch floss die Ahr noch vor rund 600.000 Jahren in Dernau Richtung Holzweiler und bei Meckenheim in den Rhein, ehe sich die Gebirgsfaltung änderte und den heutigen Weg zum Rhein freigab. Bad Neuenahr, noch im 19. Jahrhundert aus den Dörfern Hemmessen, Wadenheim und Beul bestehend, lag im wild zerklüfteten Ahrbett und dadurch nicht an der Ahr, sondern gleich in der Ahr. Dies hatte der Entdecker des Apollinarisbrunnens und Kaufmann Georg Kreuzberg erkannt, indem er das damalige Sumpfgelände für billiges Geld erwarb. Unter Hinweis auf den kürzlich erschienen Bildband „Das Ahrtal von oben“, der kompakt alle Informationen bietet, dankten die Gesprächskreisgründer Dr. med. Gerhard Kreuter und Paul Gieler dem Referenten. Kurzerhand wurde er eingeladen noch in diesem Jahr in einer Sonderveranstaltung den Vortrag zu wiederholen. Spannend waren dann auch die Beiträge in „Ahrwein aktuell“. Astrid Rickert, Kellermeisterin der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr berichtet anhand einiger Fotos über den Umbau der Kellerei und ging auch auf die Entwicklung des 2015er Jahrgangs ein, den man als überdurchschnittlich einordnen kann. Marc Linden berichtete über den Rebschnitt und erläuterte den Anschnitt im Hinblick auf den Zielertrag und auf die Unterscheidung des ertragreicheren „Zahmen Holzes“ gegenüber dem „Wilden Holz“, beides bezogen auf die Fruchtrute des künftigen Jahres. Der nächste Gesprächskreis Ahrwein findet am 19. April in der Konzerthalle im Kurpark statt. Weitere Informationen sind bei Ahrwein e.V., Hauptstraße 80, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel.: (0 26 41) 9 17 10 oder unter der E-Mail Adresse: info@ahrwein.de erhältlich.
