Qualitätssiegelvergabe des „mre-netz regio rhein-ahr“
„Herausforderungen, die nur durch gemeinsames Handeln zu lösen sind“
Kliniken & Pflegeeinrichtungen des Kreises Ahrweiler engagieren sich bei der Bekämpfung multiresistenter Erreger
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Schon heute und auch in der Zukunft stellen multiresistente Erreger (MRE) eine der größten Herausforderungen im Gesundheitsbereich dar. Experten gehen alleine in Deutschland von 15.000 bis 30.000 Todesfällen durch multiresistente Erreger aus, wobei genaue Erhebungen hierzu bislang noch nicht vorliegen. Zur Sicherheit der Patienten, aber auch zur Vermeidung von erheblichen Mehrausgaben im Gesundheitssystem, kommt der Prävention sowie der Eindämmung multiresistenter Erreger eine entscheidende Bedeutung zu. Um diesem vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zunehmenden Problem wirksam entgegen zu treten, wurde vor fast sechs Jahren ein Bundesländer übergreifendes Netzwerk, das „mre-netz regio rhein-ahr“, gegründet. Dieses wird über Mittel seitens der beteiligten Kommunen finanziert und beinhaltet die Beschäftigung zweier gemeinsamer ärztlicher MRE-Koordinatoren sowie die Nutzung der wissenschaftlichen Infrastruktur und Expertise des Universitätsklinikums Bonn beziehungsweise des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit. Mitglieder sind neben dem Universitätsklinikum Bonn der Rhein-Sieg-Kreis, der Oberbergische Kreis, der Rhein-Erft-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis, die Bundesstadt Bonn, die Stadt Köln, die Stadt Leverkusen sowie aus Rheinland-Pfalz der Kreis Ahrweiler und der Landkreis Neuwied. Gemeinsames Ziel ist es, wissenschaftliche Präventionsempfehlungen in allen Kliniken und Pflegeeinrichtungen der beteiligten Kommunen zu implementieren und die konsequente Umsetzung im Rahmen eines infektionshygienischen Managements zu koordinieren.
14 Einrichtungen des Kreises Ahrweiler ausgezeichnet
Insgesamt 14 Einrichtungen des Kreises Ahrweiler haben sich dem „mre-netz regio rhein-ahr“ angeschlossen und wurden jetzt von Landrat Dr. Jürgen Pföhler für ihr besonderes Engagement im Kampf gegen Klinik-Infektionen ausgezeichnet. Im November 2013 vergab das MRE-Netzwerk erstmals ein Siegel als Auszeichnung für eine qualitativ hochwertige Versorgung an vier Kliniken des Kreises Ahrweiler, die auch aktuell das zweite Qualitätssiegel erhielten: Das Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler – Krankenhaus Maria Hilf, das Remagener Krankenhaus „Maria Stern“, die Ahrtal-Klinik in Sinzig-Bad Bodendorf sowie das Gefäßzentrum Dr. Bauer in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zum ersten Mal ging das Qualitätssiegel an die Kliniken Bad Neuenahr und an die Venen-Clinic Bad Neuenahr. Erstmalig wurde in diesem Jahr das entsprechende Qualitätssiegel auch an Alten- und Pflegeheime verliehen. Im Kreis Ahrweiler unterzogen sich insgesamt acht Pflegeeinrichtungen auf freiwilliger Basis der eingehenden Überprüfung durch das MRE-Netzwerk und das Gesundheitsamt. Es handelt sich dabei um folgende Einrichtungen: Seniorenheim „Ahrtal-Residenz“ (Bad Neuenahr-Ahrweiler), Seniorenzentrum „Elisabeth-Haus“ (Weibern), Pflegeheim „Haus Bachtal“ (Burgbrohl), Seniorenzentrum „Maranatha“ (Sinzig-Bad Bodendorf), Seniorenheim St. Maria-Josef (Bad Neuenahr-Ahrweiler), Seniorenzentrum „Maternus-Stift“ (Altenahr-Altenburg), Marienhaus Seniorenzentrum „St. Josef“ (Bad Breisig), Seniorenzentrum „Villa Romantica“ (Niederzissen). „Mit diesem wertvollen Beitrag zur Umsetzung moderner Hygienekriterien im Gesundheits- und Pflegebereich zeigen Sie nicht nur besonderes Engagement und vorbildlichen Einsatz. Sie setzen auch Zeichen: Höchste hygienische Qualitätsstandards sichern das Vertrauen der kranken und pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen in die Einrichtungen. Darüber hinaus stärken Sie auch den überregional guten Ruf unserer Kliniken und Pflegeeinrichtungen der Gesundheits- und Fitnessregion Kreis Ahrweiler“, betonte Landrat Dr. Jürgen Pföhler in seinem Grußwort und wünschte allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg beim Einsatz für das gemeinsame Ziel: Die bestmögliche Versorgung in Wohnortnähe für alle kranken und pflegebedürftigen Menschen in der Region.
Gefahr durch „stille Seuchen“
In seinem anschließenden Vortrag bot Professor Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn, einen interessanten Einblick in die Welt der multiresistenten Erreger und deren Einfluss auf das Gesundheitswesen. „Heute sind nicht mehr Pocken oder Cholera die große Gefahr, sondern „stille Seuchen“ in Form von Infektionen – ein auch ökonomisch hochbrisantes Thema“, so Professor Exner. Während die bekannten MRSA-Infektionen rückläufig seien, habe man heute und in Zukunft die so genannten Gram-Negativen Erreger sowie Carbapenem-resistente Bakterien im Fokus. „Die moderne Medizin steht und fällt mit guten Antibiotika“, betonte Professor Exner und bezifferte die Kosten für die Neuentwicklung eines einzigen Antibiotika auf durchschnittlich 1,6 Milliarden Euro. Die Gründe für das Entstehen der multiresistenten Erreger sind vielfältig. Unter anderem wurden der über Jahrzehnte intensive Antibiotika-Einsatz in der Human- und Veterinärmedizin, der internationale Reiseverkehr und die in vielen Ländern äußerst ungünstigen, sanitären Verhältnisse genannt. So ist davon auszugehen, dass antibiotikaresistente Erreger bis zum Jahr 2025 andauernd und gehäuft auftreten werden. Als besonders gefährdete Personen gelten alte Menschen, Frühgeborene und mehrfach erkrankte Personen.
Erreger auf vielfältige Weise bekämpfen
Zur Bekämpfung der Erreger sei unter anderem auch ein professionelles Ausbruchsmanagement und gut ausgebildetes Pflegepersonal notwendig. Dem stehe in Deutschland jedoch ein sehr niedriger Pflegeschlüssel gegenüber. Selbstverständlich gehöre auch eine Verringerung des allgemeinen Antibiotikaeinsatzes sowie die weltweite Verbesserung der hygienischen Bedingungen zu den absolut notwendigen Maßnahmen. Herausforderungen, die laut Professor Exner nur durch gemeinsames Handeln aller Beteiligten zu lösen sind. Dann ging Dr. Claudia Rösing, die als Mitarbeiterin des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universitätsmedizin Bonn ebenfalls für das MRE-Netz tätig ist, explizit auf die Ergebnisse des Auditierungsprozesses der teilnehmenden Kliniken und Pflegeeinrichtungen des Kreises Ahrweiler ein. Hier wurden bei den Krankenhäusern im Optimalfall bis zu 42 Punkte, bei den Pflegeeinrichtungen bis zu 100 Punkte vergeben. Bemerkenswert: Sämtliche Einrichtungen erreichten dabei im Durchschnitt sehr hohe Punktzahlen, die oftmals über den Durchschnittswerten im gesamten MRE-Netz lagen.
Erstmalig wurde in diesem Jahr das entsprechende Qualitätssiegel auch an Alten- und Pflegeheime verliehen.
