Allgemeine Berichte | 22.06.2022

Kinderschutzbund Westerwald bewährte sich auch im zweiten Pandemie-Jahr

Herausforderungen gut gemeistert

v.l.: Gerd Meurer, Kathrin Kienle, Heidi Ramb.Foto: DKSB e.V. Höhr-Grenzhausen

Höhr-Grenzhausen. Es war eine gute Entscheidung, die Mitgliederversammlung in den Juni zu verschieben. So konnten sich die zahlreichen Teilnehmer wieder persönlich begegnen. Auch nach der offiziellen Versammlung des Orts- und Kreisverbandes des Kinderschutzbundes war das Bedürfnis nach Austausch und Gesprächen groß.

In der Rückschau berichtete die Vorsitzende Heidi Ramb, wie sehr die Corona-Pandemie auch im Jahr 2021 die Arbeit prägte. Vielfältige Zusatzaufgaben waren zu bewältigen. Allein die Flut der eingehenden eMails zu ständig aktualisierten Hygieneregeln und Bestimmungen mussten bearbeitet und umgesetzt werden. Die engagierten Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle, Andrea Norres und Andrea Gärtner, arbeiteten ohne Unterbrechung weiter und sorgten für einen guten Ablauf und Kommunikation. Vorstandssitzungen sowie Teamsitzungen der sozialpädagogischen Fachkräfte fanden zeitweise virtuell statt. Mit Erleichterung stellte die Vorsitzende fest, dass finanzielle Kürzungen und Kurzarbeit auch im zweiten Pandemiejahr vermieden werden konnten.

Besonders Kindern und Familien hat dieses mit großen Herausforderungen geprägte Jahr viel abverlangt. Die Sozialpädagoginnen berichteten, dass auch bei den Grundschulkindern die Auswirkungen der Pandemie tiefe Spuren in Form von Ängsten und psychischen Problemen hinterlassen haben.

Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen

Aussagen wie „Meine Mutter hat eine Immunschwäche. Wir haben Angst, dass sie Corona bekommt“, oder „Ich hatte Angst, dass ich nie mehr in die Schule gehen kann“, oder „Ich bin viel allein und vermisse meine Freunde“ drücken die Gefühlslage aus. Trotz zeitweisen Schulschließungen stieg der Bedarf an Gesprächen um über 20 Prozent auf fast 2.800 an, sowohl mit Kindern als auch mit Eltern. Auch Gespräche mit Lehrer*innen sind um gut ein Drittel auf über 1.340 gestiegen.

Die Sozialarbeiterinnen in zwei Realschulen plus unterstützten in 538 Beratungsgesprächen mit rund 200 Schülerinnen und Schüler in Problemsituationen, vorwiegend aus dem häuslichen Umfeld sowie in Konflikten untereinander. Die Auswirkungen der Coronapandemie bestimmten auch hier die Gespräche mit Sorgeberechtigten und Lehrkräften. Mit viel Einsatz und Kreativität unterstützen und stärkten die Fachkräfte die Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Sorgen zu ihnen kamen.

Die Folgen der Pandemie werden wohl noch lange nachwirken. Doch müssen Schulen als wichtiger Lebens- und Lernraum künftig unbedingt geöffnet bleiben. Die im Präsenzunterricht vermittelten Fähigkeiten sind ein wichtiger Entwicklungsraum für Kinder, auch im Blick auf das Einüben demokratischer Regeln zum mündigen Bürger. Trotz vieler Belastungen konnten fast alle Hilfeangebote nicht nur aufrechterhalten, sondern an vielen Stellen auch fortentwickelt werden. So z.B. die Baumpaten-Aktion „Westerwald-Kinder“, die von Beginn an auf große Resonanz und Unterstützung von Bürgermeistern, Förster sowie dem Seniorenbeirat stieß. Einige Schulklassen beteiligten sich rege. Was am Weltkindertag 2020 mit einer Streuobstwiese begann, setzte sich im Jahr 2021 unter dem Slogan „Für die Umwelt. Für die Kinder“ mit der Pflanzung von 11.000 Bäumchen auf sieben Aufforstungsflächen fort, u.a. in der Nähe der „Strühtenhütte“. Auf Holzwänden verkünden Tontäfelchen Wünsche der Spenderinnen und Spender für die Kinder. Dank der vielen helfenden Hände, besonders der engagierten Teams vom „Jugendhaus Zweite Heimat“, des Kinderschutzbundes und beteiligter Künstler konnte das Projekt so erfolgreich umgesetzt werden. Ende des Jahres 2021 endete die Baumpaten-Aktion des Kinderschutzbundes und wurde an das „Jugendhaus Zweite Heimat“ übertragen.

Dank ehrenamtlicher Helferinnen und einer Spende der Else-Schütz-Stiftung konnte gemeinsam mit der Goethe-Schule das Projekt „Schwimmkurs“ für Grundschulkinder begonnen werden. Trotz coronabedingter Unterbrechungen konnten erste Seepferdchenabzeichen vergeben werden. Eine wichtige Maßnahme, da inzwischen mehr als die Hälfte aller Kinder dieses Alters nicht schwimmen können.

„Mobile Elternberatung in Kitas“

Die bereits im Jahr 2019 in Selters gestartete „Mobile Elternberatung in Kitas“ wurde jetzt auf der Grundlage des neuen Kita-Gesetzes Rheinland-Pfalz ausgeweitet. Der Westerwaldkreis beauftragte den Kinderschutzbund mit der Kita-Sozialarbeit an 17 Kitas der Verbandsgemeinden Höhr-Grenzhausen und Selters. Dieses familienunterstützende Beratungsangebot findet zu festen Gesprächszeiten in der jeweiligen Kita statt. So ist der Zugang für die Eltern niedrigschwellig und nahe in den bereits bekannten Räumlichkeiten. Die Eltern können in Erziehungsfragen beraten und in ihrer Elternrolle gestärkt werden. Neben alltäglichen Umgangsfragen kann es auch um die Begleitung in schwierigen und komplexen Lebenssituationen gehen. So spielen etwa Trennung, Verlust, Scheidung, Umgangsregelungen oder psychische Erkrankungen eine große Rolle. Gegebenenfalls vermitteln die Mitarbeiterinnen auch Hilfen durch andere Institutionen und Fachdienste, wie Beratungsstellen oder Therapeuten. Diese Unterstützung wird in den Kitas auch von den Erzieherinnen und Erziehern sehr begrüßt.

Ausblick

Die Herausforderung in den kommenden Monaten wird die Erneuerung und Umgestaltung des Vorstands sein. Nach über 25 Jahren als Vorsitzende wird Heidi Ramb im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren. Auch Schatzmeister Gerd Meurer und Geschäftsstellenleiterin Andrea Gärtner werden in den Renten-Ruhestand treten. Bereits ausgeschieden ist der zweite Vorsitzende Joachim Türk, der sich neben seiner beruflichen Tätigkeit im Vorstand des Landes- und Bundesverbandes des Kinderschutzbundes engagiert. Zur neuen zweiten Vorsitzenden wählte die Mitgliederversammlung einstimmig Kathrin Kienle. Sie ist als Rechtsanwältin erfahren in Gerichtsprozessen zu sexuellem Missbrauch von Kindern und in fachbezogenen Netzwerken verankert. Sie wurde herzlich begrüßt, und es freuen sich alle auf eine gute Zusammenarbeit.

Frau Ramb dankte in ihren Ausführungen ausdrücklich allen ehren-und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr überzeugendes Engagement, das sich in über 3.180 Ehrenamtsstunden widerspiegelt, allen 155 Mitgliedern für ihre Treue, allen Spendern, Unterstützern und Kooperationspartnern, den kommunalen Schulträgern für das Vertrauen und die Wertschätzung. Dank galt auch dem Land für den so wichtigen und verlässlichen Zuschuss zu den „Mobilen Sorgenbüros“. Ganz besonders dankte die Vorsitzende den Bürgermeistern Michael Thiesen und Thilo Becker für die umfangreiche Unterstützung, ohne die die Arbeit so nicht möglich wäre.

Die Arbeit des Kinderschutzbundes ist stark vom Spendenaufkommen abhängig. Von einer positiven Finanzlage konnte Schatzmeister Gerd Meurer berichten. Doch bedarf es stetiger Anstrengung, die so wichtige Arbeit zu sichern. Neue Mitglieder, die die „Lobby für Kinder“ unterstützen oder Ehrenamtliche, die Interesse an einer Mitarbeit haben, z.B. in der Öffentlichkeitsarbeit, sind willkommen.

Infos unter: Deutscher Kinderschutzbund e.V., KV Westerwald / OV Höhr-Grenzhausen

Hermann-Geisen-Str. 44, 56203 Höhr-Grenzhausen, Tel: 02624 - 4488, info@kinderschutzbund-westerwald.de; www.kinderschutzbund-westerwald.de.

Spendenkonten: KSK WW-Sieg: DE91 5735 1030 0020 0029 45; Westerwaldbank eG: DE24 5739 1800 0097 0611 030; NASPA: DE11 5105 0015 077539 94

Pressemitteilung

DKSB Westerwald

v.l.: Gerd Meurer, Kathrin Kienle, Heidi Ramb. Foto: DKSB e.V. Höhr-Grenzhausen

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