Allgemeine Berichte | 12.10.2017

Grafschafter Kunstverein

Herbstromantik mit Schubert in Holzweiler

Das Konzert hat die Zuschauer begeistert. Privat

Holzweiler. Villa-Musica-Dozent Andrew Harley musizierte mit Stipendiaten und Stipendiatinnen der Landesstiftung Grafschaft. Mit Klavierkammermusik von Franz Schubert setzte der Grafschafter Kunstverein in Kooperation mit der Villa Musica einen herbstlichen Glanzpunkt im regionalen Musikleben. Alle Plätze im Foyer der Maerker’schen Villa Bellestate waren besetzt, als Hausherrin Prof. Dr. Gisela Maerker-Alzer mit launigen Worten die Romantik im Sinne des biedermeierlichen Wien als Leitmotiv des Matineekonzerts beschwor. Franz Schuberts Arpeggione-Sonate a-Moll D 821 ist ursprünglich für ein inzwischen vollständig vergessenes Instrument komponiert. Die Arpeggione war in den 1820er Jahren in und um Wien so etwas wie ein „One-Mastermusician-Wonder“. Vinzenz Schuster machte das sechssaitige, offenbar sehr obertonreiche Streichinstrument mit Gitarren-Bünden am Griffbrett für einen musikgeschichtlichen Augenblick mit einem Schlag beliebt und bekannt. Mit zwei schon recht andersartigen Instrumenten, nämlich dem modernen, eher massigen Konzertflügel und dem viersaitigen, bundlosen Violoncello hefteten sich Konstantin Bruns und der gebürtige Brite Andrew Harley an die Engelsschwingen des unsterblichen Schubert und dessen Hammerfügel und Streichgitarre. Schon ganz für sich betrachtet ist das ein unerhört romantisches Unterfangen. Als musikalisches Duo entfalteten Harley und der erstaunliche Konstantin Bruns vom ersten Ton an eine vollkommen friedliche, idyllische und im besten Sinne romantische Aura. Auch Passagen, die von anderen Interpreten gerne zur Demonstration ihres wilden Temperaments und ihres virtuosen Charisma genutz twerden, gerieten den beiden kongenialen Musikern durchwegs gesanglich und entbehrten niemals einer freundlichen Leichtigkeit. Auf das begeistert aufgenommen Anfangswerk folgte mit der Violinsonate A-Dur D 574 ein weiteres Duowerk, diesmal mit der vielfach preisgekrönten Geigerin Christa-Maria Stangorra. Die 1995 geborene Villa-Musica-Stipendiatin spielt ihre Violine mit zartem, ja oft zärtlichem Ton, und sandte so innig beseelte musikalische Melodielinien in Richtung ihres entzückten Publikums. Die Programmfolge ließ unwillkürlich daran denken, wie es wohl wäre, wenn diese drei herrlichen Musiker zusammen spielten? Schon nach der etwa halbstündigen Konzertpause wurde dieser Traum Wirklichkeit, in Gestalt von Schuberts großem B-Dur-Klaviertrio Opus 99. Heiterkeit pur regierte die Vorstellung des thematischen Materials im Kopfsatz (Allegro moderato). Souverän spielten Harley und seine jungen Kollegen in der komplexen Durchführung ihre Stärken aus: Elastisches, fein abgehörtes, meisterliches Klavierspiel, Streicher-Kantilenen von berückender Schönheit, Cello-Passagen voll innigem Glanz, nahtloses Zusammenspiel aller drei und über allem eine selbstverständlich anmutende, vollendete Gestaltung der Großform. Atemlos lauschte das Publikum einer viersätzigen kammermusikalischen Sternstunde und spendete begeistert Applaus. Die nächste Gelegenheit für einen musikalischen Sonntag-Vormittag bietet sich in Grafschaft-Holzweiler am 17. Dezember (dritter Advent) um 11 Uhr.

Das Konzert hat die Zuschauer begeistert. Foto: Privat

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