Der FV Rot-Weiß Erpel feierte sein 100-jähriges Bestehen
Hervorragende Jugendarbeit und unglaubliches Engagement
Erpel. Auch wenn das vorhandene Material sehr lückenhaft ist, um die Geschichte des Erpeler Fußballvereins bis ins Kleinste aufzuzeichnen, sodass es teilweise nur auf Umwegen und durch persönliche Gespräche möglich war, Informationen über einen bestimmten Zeitraum zu bekommen, fest steht auf jeden Fall, dass Paul Weißenfels, Josef Hornig und Heinrich Ott 1919 in Erpel einen Fußballverein ins Leben gerufen haben. Dieser musste einige Schwierigkeiten überwinden, ehe man, damals noch auf dem Plateau der Erpeler Ley, an ein Fußballspiel denken konnte. Außerdem scheint die Fußballeuphorie von der Vereinsgründung nicht lange angedauert zu haben, da von Fußballspielen in Erpel in den 20-er bis 40-er Jahren kaum die Rede sein kann. Neben der verständlichen und bedauerlichen Pause, die durch den Weltkrieg hervorgerufen wurde, ist das Zurücktreten des Fußballsports in den „friedlichen“ Jahren wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Feldhandball eine lange Zeit hinweg im Ort sehr beliebt war. Das hat sich mittlerweile zugunsten der rot-weißen Kicker grundlegend geändert, deren Verein inzwischen 243 Mitglieder zählt.
Nicht nur diese hatte der Vorstand um den Vorsitzenden Lothar Bonn am Samstagabend zum Festkommers „Rot-weiße Leidenschaft 1919-2019“ in den Bürgersaal eingeladen. Zusammen mit Moderator Stefan Heck konnte er zahlreiche Ehrengäste begrüßen, neben der Hausherrin, der noch amtierenden Bürgermeisterin Cilly Adenauer sowie ihrem designierten Nachfolger, Günter Hirzmann, und VG-Chef Karsten Fehr auch Landrat Achim Hallerbach sowie von Seiten des Sports die Präsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, den Präsident des Fußballverbandes Rheinland, Walter Desch und Lukas Heep vom Kreisvorstand des Fußballverbandes. „Mit Stolz und Freude, Respekt und Dank blicken wir in diesem Jahr auf 100 Jahre Fußball in Erpel zurück. Ein solches Jubiläum legt eine große Leistung und macht deutlich, dass in all den Jahren immer wieder engagierte und motivierte Leute gefunden wurden, die den Fußball in unserem Ort ermöglicht haben“, wies der Vorsitzende auf den Einsatz zahlreicher Ehrenamtler hin. Mit rund 90 Jugendspielern sei der Verein sehr gut aufgestellt, sodass er zuversichtlich in die Zukunft blicken könne. Schließlich sei die Jugend das Kapital eines jeden Vereins und diesem Kapital wurde der Verein auch während seiner Jubiläumsfeier von Donnerstag bis Sonntag mit Turnieren der F-, E- und D-Jugend sowie der Bambinis mehr als gerecht. „Gerade in der digitalen, schnelllebigen Zeit mit Smartphone, Tablets und Computern ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen eine Alternative zu bieten. Dabei schult Fußball als Teamsport das Sozialverhalten“, hob Lothar Bonn hervor, um dann auf den Bau des Kunstrasenplatzes in Eigeninitiative vor vier Jahren sowie auf die sportliche Entwicklung der Senioren-Mannschaften einzugehen.
Zahlreiche Gastredner
Als erstem Gastredner überließ Stefan Heck dann Monika Sauer das Mikrophon, die nicht nur Grüße von Sportbund Rheinland sowie vom Landessportbund überbrachte, sondern von diesen neben einer Ehrenurkunde und einer schweren Plakette auch zwei Kuverts „ganz ohne Auflagen“ dem Vorsitzenden überreichte. „Es ist mir eine Ehre, dass der Sport dieses Mal noch vor der Politik zu Wort kommt“, so die Präsidentin, die dem Verein bescheinigt, mit dem Bau des Kunstrasenplatz ohne Fördermittel eine unglaubliche Leistung erbracht zu haben.
Zur Erinnerung: Nachdem trotz der einmaligen Vorgehensweise des Vereins und der Eigeninitiative seiner Mitglieder der Umbau des Tennenplatzes „Auf der Kipp“ in einen Kunstrasenplatz nach Aussagen von Landrat Rainer Kaul zugunsten des Hybridrasen-Sportplatzes Unkel nicht in die Prioritätenliste des Kreises aufgenommen worden war, entwickelte der Verein um Projektleiter Stefan Heck den Plan B, den Kunstrasenplatz auch ohne staatliche Förderung umzusetzen. Mit Erfolg, konnte der neue Platz doch am 21. November 2015 eingeweiht werden.
„Trotz vieler Hindernisse und Rückschläge habt Ihr Euch nicht beirren lassen. Eure Initiative und Bereitschaft zur Selbsthilfe ist vorbildlich und nachahmenswert“, bescheinigte auch Cilly Adenauer dem Verein. Ohne Zuschüsse des Landes sei es diesem gelungen, enorme Geldbeträge aufzubringen. Diese großartige Leitung würde den Fußballern des Ortes so schnell kein Verein nachmachen. Ohne die vielen Opfer an Zeit und Geld, ohne die Arbeit von Vorstand und freiwilligen Helfern hätte der FV Rot-Weiß Erpel 1919 seine sportlichen und gesellschaftlichen Erfolge nie erzielen können, hob die Orts-Chefin hervor. „Neben ungeahnten Höhenflügen hat es aber auch manche Abstürze gegeben, die ihr als bodenständiger Verein auch weggesteckt habt“, erinnerte sie. Guten Fußball zu zeigen, Talente zu fördern, Freizeitkicker und Fans an den Verein zu binden, das seien die Ziele des Jubilars, der vor allem hervorragende Jugendarbeit leiste. „Deshalb wünsche ich Euch und unserer Gemeinde von Herzen, dass das immer so bleibt und Eure Arbeit auch Zukunft von Erfolg gekrönt bleibt“, schloss die scheidende Orts-Chefin ihre Rede.
Ihrem Lob, für die Zukunft, für die Mitglieder eine enorme ehrenamtliche Leistung vollbracht zu haben, schloss sich auch der Landrat an. „Als Euer Antrag auf Umwandlung des Tennenplatzes in Neuwied einging, standen viele Kunstrasenprojekte an. Da nicht alle auf die Förderliste des Landes kommen konnten, mussten wir abwägen“, erinnerte der damalige Erste Kreisbeigeordnete. Angesichts des regionalen Ausgleichs habe Erpel keine Chance gehabt. „Als Top-Verein der Jugendarbeit hätte ich dem FV Rot-Weiß den Zuschlag gegeben“, bestätigte Achim Hallerbach indirekt den Eindruck, den Stefan Heck schon bei der Jahreshauptversammlung 2016 geäußert hatte, dass der Erpeler Kunstrasenplatz im Gegensatz zum Unkeler Projekt auf übergeordneter Ebene politisch nicht gewollt gewesen sei. Dafür kann er sich nun der Unterstützung von Achim Hallerbach sicher sein, der dem Verein neben den von Edgar Neustein bei der 75. Jahrfeier genannten vier G’s: Geld, Geduld, Genie und Glück mit Gemeinschaftssinn ein fünftes G bescheinigte. Dessen Bedeutung hob auch Karsten Fehr hervor, der dem Verein wichtige erzieherische Leistungen über den Schlusspfiff hinaus attestierte. In der Gemeinschaft würden Kinder und Jugendliche lernen, mit Siegen wie mit Niederlagen umzugehen, so der VG-Chef, bevor er sich der gesellschaftlichen Bedeutung des ehrenamtlichen Engagement widmete .
Verdiente Mitglieder geehrt
Vor der Gratulationskur der Vereine kamen dann noch einmal Sportfunktionäre zu Wort. Hatte Monika Sauer den FV Rot-Weiß noch zu animieren versucht, auch in den Mädchenfußball zu investieren, so hielt Walter Desch dies für völlig überflüssig. „Junge Mädchen lernen Fußballspielen am besten in Jungen-Mannschaften“, hob er hervor, nachdem er dem Verein zum Aufstieg seiner A-Jugend in die Rheinland-Liga gratuliert hatte. Bevor er Lukas Heep die Ehrung verdienter Mitglieder überließ, überreichte er Lothar Bonn neben einer großen DFB-Plakette die Dankurkunde und die Schiefertafel des Fußballverbandes Rheinland. Abschließend zeichnete das Mitglied des Kreisvorstands Andreas Peters, der seit zehn Jahren dem FV-Vorstand als Schatzmeister angehört, für Vereinszugehörigkeit mit dem Ehrenbrief der Fußballverbandes Neuwied aus, eine Ehrung, die auch dem am Festakt verhinderten Peter Wagener zusteht.
Zusätzlich mit der bronzenen Ehrennadel des Fußballverbandes Rheinland-Pfalz zeichnete er den stellvertretenden Vorsitzenden und Jugendtrainer Thomas Siebert aus, der seit 41 Jahren FV-Mitglied ist, davon 29 Jahre im Vorstand aktiv. Diese Auszeichnung erhielten auch Frank Wagener, seit 29 Jahren Rot-Weißer, der auf 19 Jahre Vorstandsarbeit zurückblicken kann. Das Vierteljahrhundert im Vorstand hat der aktuelle Geschäftsführer Jürgen Kochems voll gemacht, der auf 21 Jahre Vorstandsarbeit kommt. Last but not least zeichnete Lukas Heep den Vorsitzenden mit der bronzenen Ehrennadel aus, der seit 30 Jahren Mitglied ist und seit 29 Jahren dem Vorstand des Vereins angehört.
Dem schenkte die „WiSus, das Erpeler Musikduo Günter Witten und Bernd Süßmilch, die Jubiläums-Hymne „Hundert Jahre, tausend Tore“, in der sie dem FV 1919 bescheinigen: „Echte Freunde woll’n wir sein, denn hier hält man noch zusammen, hier bleibt keiner lang allein, keiner kriegt uns jemals klein. Rot-Weiß Erpel, Rot-Weiß Erpel, das ist mein Verein am Rhein!“
DL
Unter anderem eine Tafel mit dem DFB-Emblem hatte der Präsident des Fußballverbandes Rheinland, Walter Desch als Jubiläumsgeschenk mit dabei
