DIE VERHÄNGNISVOLLE G. SCHICHTE
Heute: Der verhängnisvolle Schönheitswettbewerb
Von A. F. Haffenloher
Das Verhängnis begann, als G. beschloss, an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen, der im Rheinland um Remagen herum stattfinden sollte.
Nicht nur, dass sie weniger aß - die Freitagabendbratwurst wurde gestrichen, in welcher Farbe habe ich vergessen - sie ließ sogar das geliebte Vanilleeis weg und trank von nun an den Gurkensaft pur. Ich hatte meine Zweifel, ca. zweieinhalb.
Doch G. nahm sie, spannte sie in eine Harpune und schoss sie in den Wind, der eisig von Linz über den Rhein herüberwehte. Beleidigt ging ich hinaus in die Kälte und sammelte mühsam Zweifel für Zweifel wieder ein.
Schönheit käme von innen, und man könne sie nicht essen, trompetete ich.
Außerdem sei sie - nun ja - relativ. G. behauptete, ich könne das nicht beurteilen, und sie hatte recht. Schließlich hatte ich sie seit Monaten nicht mehr nackt gesehen. Mein Sexualleben beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt auf das Befingern von Damenunterwäsche auf dem Wühltisch während des Winterschlussverkaufs, was mir einen zweifelhaften Ruf, abschätzende Blicke und beinahe eine Klage einbrachte.
Versehentlich hatte ich plötzlich Wäsche in den Händen, in der noch jemand drinsteckte. Ich konnte mich gerade noch aus der Affäre ziehen, indem ich so tat, als sei ich eine Schaufensterfigur. Dreieinhalb Stunden stand ich bewegungslos da, dann setzte die Bewusstlosigkeit ein, und ich war aus dem Schneider. Die Flucht aus dem Krankenwagen war eine Leichtigkeit.
Der Tag des Wettbewerbs rückte unaufhaltsam näher, und G. wurde zusehends nervöser, und schlimmer noch: pickliger. Ihre innere Anspannung war so groß, dass unser Sexualleben kurzzeitig wieder aufflackerte, sehr kurzzeitig.
Erstaunlicherweise war G. nicht von der Überzeugung abzubringen, als Schönheitskönigin aus dem Wettbewerb hervorzugehen.
Dementsprechend groß war die Enttäuschung. Fassungslos stand sie da, als der Gewinnerin der erste Preis, eine tolle Fönfrisur und eine Freifahrt mit der Kripper Fähre, überreicht wurde. „Was hat die, was ich nicht habe?“ wollte G. wissen. Ich sagte es ihr:
Schönheit, Intelligenz, Klugheit, Stil, Geschmack, Taktgefühl, betörende Rundungen, klare Augen, Schmollmund, feste Brüste, Charme, aufregende Fesseln, Geld, Immobilien, Wertpapiere, ägyptische Skulpturen, makellosen Teint, Verwandte in Bad Breisig und nicht zu vergessen Sex. Sex, der beim ersten Hinsehen in die entferntesten Zellen der Männer sickert.
G. blieb unbeeindruckt. Sie platzierte einige Gegenargumente mit der flachen Hand in meinem Gesicht und beschloss, auf der Stelle einen muskelprotzigen Dummkopf abzuschleppen, was nicht an Ermangelung von muskelprotzigen Dummköpfen scheitern sollte, sondern an der Tatsache, dass ich das Abschleppseil wohlweislich in der Garage zurückgelassen hatte.
In der folgenden Zeit blieb mir nichts als der Winterschlussverkauf, der Wühltisch und die Damenunterwäsche.
Das Problem: Ich muss irgendwie aus diesem gottverdammten Krankenwagen herauskommen.
