Beim nachgeholten Rosenmontagszug in Münstermaifeld ließ sich niemand von Regen und Schnee einschüchtern
„Hier ist eben immer Karneval“
Münstermaifeld. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, gelegentliche Schneeschauer, ansonsten Dauerregen, dazu zwischendurch ein kalter Wind, der durch Mark und Bein zog - es herrschte ein Wetter, bei dem niemand seinen Hund vor die Tür schickt. Petrus meinte es wieder mal nicht besonders gut mit den Narren auf dem Maifeld, doch denen war es egal: Tausende säumten am Samstag beim nachgeholten Rosenmontagszug die Straßen der historischen Stadt Münstermaifeld und machten Prinz Horst II. von Burg Thurant nach Mörz im Maifeldland und seiner Lieblichkeit Prinzessin Beate II. vom kurfürstlichen Schloss in Meenster off de Hieh ihre Aufwartung.
Eins hat die KG Rot-Weiß Münstermaifeld somit den Karnevals-Hochburgen wie Mainz, Düsseldorf oder Koblenz, die am Rosenmontag ebenfalls vom Sturmtief „Ruzica“ mit heftigem Regen und Sturmböen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt heimgesucht wurden, voraus: Sie hat ihren Rosenmontagszug schon hinter sich gebracht. „Die Absage am Rosenmontag war alternativlos“, erklärte KG-Präsident Dietmar Schäfer. „Es hatte bis etwa 13.30 Uhr wie aus Eimern gegossen, die Vorhersagen waren katastrophal, obwohl das Wetter am Nachmittag besser wurde.“ Um 9.30 Uhr entschlossen sich die Verantwortlichen zur Absage, eine halbe Stunde später stand der neue Termin fest. „Im Nachhinein haben wir alles richtig gemacht, die Stimmung war einfach sensationell“, so Schäfer. Obwohl sich der Wettergott auch am Samstag von seiner schlechtesten Seite zeigte.
Die Stadtbürgermeisterin befürwortete die Entscheidung der KG. „Es war absolut vernünftig, montags den Zug abzusagen“, meinte Claudia Schneider. „Die Angst wäre mitgezogen, und das hätte dem Zug nicht gutgetan.“ Nachdem auch Guido Lacher, der Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft Maifeld, wegen der Fastenzeit kein Veto eingelegt und sein Einverständnis für den Nachholtermin gegeben hatte, stand dem verspäteten Rosenmontagszug am Samstag nichts im Weg.
Den Rücken gestärkt
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte im Vorfeld ebenfalls allen Karnevalisten den Rücken gestärkt: „Ich werde alles mit einem gewissen Augenzwinkern sehen“, sagte Ackermann. Für die katholische Kirche sei närrisches Treiben in den 40 Tagen vor Ostern zwar „ungewöhnlich“, aber letztlich sei „jeder für sich selbst verantwortlich, wie er die Fastenzeit gestalten will“.
Das Werfen von Süßigkeiten sei überhaupt kein Problem: Sie könnten ja gesammelt und in der Osterzeit gegessen werden. „Jeder entscheidet selbst, ob er auf etwas verzichtet“, so der Bischof weiter. „Die Fastenzeit bietet dafür nur den Rahmen.“
Als sich der närrische Lindwurm am Samstag ab 14.11 Uhr mit knapp 70 Zugnummern auf den Weg machte, störte nur das Wetter.
Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Stadtbürgermeisterin Schneider und Verbandsbürgermeister Maximilian Mumm moderierten den Zug vom zweiten Stock des Rathauses aus - in warmen Gefilden.
Schneider, aufgewachsen in Neumarkt in der Oberpfalz, gab zwar zu, „den Karneval nicht gerade mit der Muttermilch aufgesogen zu haben“, freute sich aber über ihr Debüt: „Es hat ganz einfach Spaß gemacht.“
Mitte 2014 - weit nach Ende der Karnevalszeit - hatte sie das Amt des Stadtbürgermeisters angetreten, 2015 war Polch mit dem Umzug an der Reihe.
Co-Moderator Mumm, als gebürtiger Kölner „für so etwas immer offen“, verfügt über wesentlich mehr Erfahrung auf der Kommentatorenbühne: Zum „gefühlten siebten Mal“ führte der Münstermaifelder in einer Art Heimspiel durch das Programm. „Wie sagte einst Dietmar Schäfer? Du bist Politiker, du redest viel, du musst das jetzt einfach machen.“
Mumm und Schneider mussten sich am Samstag allerdings gewaltig sputen, denn von 11 bis 13 Uhr weilten sie in Maria Laach bei der Goldenen Hochzeit der Eheleute Otto und Hedwig Bantes. Das Ehepaar aus Münstermaifeld hatte die Feierlichkeiten wegen des Karnevals-Wochenendes um eine Woche nach hinten verschoben. Sturmtief „Ruzica“ machte ihm einen Strich durch die Rechnung, im Endeffekt aber nicht dem Prinzenpaar.
„Für uns ist es ein unbeschreibliches Gefühl gewesen“, meinten Horst und Beate Kaster (geborene Weidung), wie sie nun im bürgerlichen Leben wieder heißen. „Es ist noch einmal ein Unterschied wie Tag und Nacht, ob du in einen Saal einziehst oder ob du von oben die Begeisterung der Menschen siehst.“
Ex-Prinz Jürgen Castor, Mitglied des Elferrats, brachte es für alle Narren auf den Punkt. „Hier in Münstermaifeld ist eben immer Karneval. Zu jeder Jahreszeit.“
Als es gegen Ende des Zuges aufhörte zu regnen, konnte dieser Clown seinen Schirm zweckentfremden.
