Der Singkreis Spay und der wahre Martin Luther
„Hier stehe ich - konnte ich auch anders?“
Premiere eines Singspiels um die Lebensgeschichte des Reformators
Spay. Über Martin Luther wurde viel geschrieben, etwa. dass er als Erster die Bibel übersetzt habe oder den oft zitierten berühmten Satz „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, den er so nicht gesagt hat. Nach sorgfältiger Recherche ist sich der Singkreis Spay unter Leitung von Michael Dempe, aus dessen Feder Text und Musik des Singspiels stammen, einig: „Heute würde jeder Fake News dazu sagen.“ Und so handelt das Singspiel, das seine Premiere in der Pfarrkirche St. Lambertus feierte, vom wahren Luther, seiner Lebensgeschichte und seiner Botschaft. Der Reformator war auf der ständigen Suche nach der wahren Lehre des Evangeliums. Von Hoffnungen und Zweifeln geplagt, kämpfte er gegen Missverständnisse, Anfeindungen und Verfolgungen. Der Singkreis zeigt mit diesem Singspiel „Nachdenkens werte Parallelen“ zur Welt von heute auf, in der viele Menschen unzufrieden und überfordert sind, gegen Regierende oder unabsehbare Auswirkungen technischer Errungenschaften rebellieren. Die Erfindung der Drucktechnik vor 500 Jahren hatte ähnliche und unerwartete Folgen wie die neuzeitlichen Medien.
Früher wurde sich mit Ablassbriefen eine reine Weste erkauft, heute wird sich mit Geld von Umweltauflagen freigekauft. Früher führten falsche Heilsversprechen religiöser Fanatiker zu Kriegen, Höllenqualen wurden angedroht. Heute wird mit Horrorszenarien versucht, Angst und Schrecken zu erzeugen.
Beginnend mit „Luther auf der Wartburg“ präsentierte der Singkreis Spay in sechs Abschnitten Auszüge aus dem Leben Luthers: Jugend und Studium, Thesen in Wittemberg, Luther vor dem Reichstag zu Worms, Luther heiratet Katharina von Bora und Luthers Lehre verbreitet sich. Gewollt nüchtern wirkte die „Bühne“, aber die ansprechende Musik, das Agieren der Darsteller in ihren historischen Kostümen und die bunten Scheinwerfer der Lichttechnik ließen den Betrachter schnell in das Spiel
eintauchen.
Michael Dempe hatte die Macht der Noten genutzt und Lieder kreiert, die aufhorchen ließen und zum Nachdenken anregten. Es waren Melodien, die mit einer Leichtigkeit im Kirchenschiff erklangen, deren Worte aber schwer wogen. Im „Kanon für alle“ hieß es: aufbrechen, abbrechen, neue Wege wagen, tun, was jemand für richtig hält, ohne viel zu fragen. Füreinander da sein, auch ohne was zu sagen, und darauf vertrauen: Gottes Hand wird dich tragen. Musikalisch wurde das im Hinblick auf die momentane Situation in der Welt aktuelle Singspiel von einer Combo, bestehend aus Querflöte, Gitarren, Keyboard, Bass und Schlagzeug,
begleitet. Es agierten Solisten und der Chor. Während der gesamten Premiere waren die Zuschauer zum Mitsingen aufgefordert.
Dempe hat mit diesem Singspiel Mut bewiesen, getreu seinem Lebensmotto „Wir wollen es versuchen“ ist besser als „Das haben wir noch nie gemacht“. Der Erfolg gibt ihm und dem Singkreis Spay Recht. Übrigens: Neue Sänger sind jederzeit willkommen. Weitere Aufführungen finden am 28. Oktober in der Evangelischen Kirche in Hattersheim statt, um 16 Uhr für Kinder in einer Kurzfassung von 45 Minuten und um 19.30 Uhr für Jugendliche und Erwachsene.
Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Weitere Informationen rund um den Singkreis Spay unter
www.singkreis-spay.de
Martin Luther (Reimund Volk) diskutiert mit seinem Freund Melanchthon (Guido Goliasch). Fotos: EP
