In Bad Ems wurde die Leitung des neuen evangelischen Dekanats Nassauer Land gewählt
„Hinhören, Beten und Losgehen“
Renate Weigel und Anja Beeres leiten das Kirchengebiet - Christian Dolke ist stellvertretender Dekan
Bad Ems. Das Los hat am Wochenende die Dekane-Wahl für das neue evangelische Dekanat Nassauer Land entschieden: Pfarrerin Renate Weigel aus Bad Ems ist ab 1. April hauptamtliche Dekanin des neu geschaffenen Kirchengebiets, das aus den zu Jahresbeginn vereinigten drei Rhein-Lahn-Dekanaten hervorging.
Einstimmig votierte die Synode in ihrer konstituierenden Sitzung in Bad Ems für die Besetzung ihrer ehrenamtlichen Spitze und wählte Anja Beeres aus Obertiefenbach zur Vorsitzenden. Zum stellvertretenden Dekan wählten die Synodalen Pfarrer Christian Dolke aus Diez.
Dass die Wahl der theologischen Leitung des Dekanats so spannend werden könnte, damit hatte wohl niemand gerechnet, nachdem sich die drei Kandidaten Christian Dolke (52), Pfarrer Martin Ufer (44) aus Dornholzhausen und Renate Weigel (57) den 96 stimmberechtigten Vertretern im Bad Emser Marmorsaal vorgestellt und Fragen aus dem Plenum beantwortet hatten.
Spannende Wahlgänge
Schon der erste Wahlgang fiel knapp aus. Weigel erhielt 35, Dolke 32 und Ufer 28 Stimmen, der daraufhin seine Kandidatur zurückzog. Zweiter und dritter Wahlgang endeten mit einem Patt von jeweils 47 Stimmen und zwei Enthaltungen. Propst Oliver Albrecht, der die Wahl moderierte, verwies auf die Wahlordnung, nach der in solch einem Fall per Losentscheid ein Ergebnis herbeigeführt werden muss. Der Vorsitzenden der Synode, Anja Beeres, kam die ihr sichtlich unangenehme Aufgabe zu, einen der beiden Zettel ziehen zu müssen, auf dem sich verdeckt die Namen der beiden Kandidaten befanden.
„Hinhören, Beten und Losgehen“ hatte Renate Weigel in der Vorstellungsrunde als drei Weisen genannt, mit der sie als Dekanin des neuen Dekanats Nassauer Land die Stärken, Schätze und Energie der Gemeinden und der Mitarbeitenden ausfindig machen wolle, um sich selbstbewusst als Kirche auf dem Land zu entwickeln und zu zeigen. „Ich bin überzeugt: Das neue Dekanat ist reich an Möglichkeiten“. Das Wahlergebnis habe ihn motiviert, dazu beitragen zu wollen, dass das neue Dekanat zu einer Einheit zusammenwächst, sagte Christian Dolke, als er später in das eine halbe Stelle umfassende Amt des stellvertretenden Dekans gewählt wurde.
Ganz eindeutig fiel dagegen die Wahl für den ehrenamtlichen Vorsitz der Dekanatssynode aus. Anja Beeres, die als dienstälteste Vorsitzende der ehemaligen drei Dekanate die konstituierende Sitzung leitete, war als einzige Kandidatin angetreten. 17 Jahre war sie Vorsitzende des evangelischen Dekanats St. Goarshausen. „Ich habe Lust, weiter zu entwickeln, was wir jetzt in zehn Jahren vorbereitet haben“, sagte die diplomierte Verwaltungsbeamtin in ihrer Vorstellung. Sie erhielt bei zwei Enthaltungen 94 Stimmen und kräftigen Beifall von den dazu aufgestandenen Synodalen.
Anja Beeres dankte nicht nur für den Vertrauensbeweis der Synodalen, sondern auch für deren Geduld und Disziplin während der sechsstündigen Mammut-Sitzung, in der noch zahlreiche andere wichtige Personalentscheidungen in geheimen Wahlen zu treffen waren, wie etwa die Besetzung des Dekanatssynodalvorstandes und die Vertreter in der Landessynode.
In einem Gottesdienst mit dem scheidenden Dekan Mathias Moos und Propst Albrecht war in der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Kirche vor der Tagung noch einmal den Dekanatssynodalvorständen der drei ehemaligen Dekanate Diez, Nassau und St. Goarshausen gedankt worden, die in „unzähligen Stunden“ sowohl die Vereinigung der Dekanate als auch die Weichen für das neue Dekanat Nassauer Land gestellt hatten. „Uns ist klar, was sie geleistet haben“, sagte Albrecht, „das ist viel mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Sie haben sich für die großen Fragen und Entscheidungen des Lebens eingesetzt.“
Auch Dekanatssynodalvorstand wurde neu gewählt
In den Dekanatssynodalvorstand wählte die Synode: Patrick Becker (Becheln), Christa Breithaupt (Reitzenhain), Annett Kitschke (Kaltenholzhausen), Hans-Georg Kreuseler (Bad Ems), Dr. Ulrich Werner (Miehlen) sowie aus der Pfarrerschaft Markus Bomhard (Braubach), Kristian Körver (Nastätten) und Eva Schröder (Holzhausen). Als künftige Vertreter des Dekanats Nassauer Land wurden in die Landessynode gewählt: Bärbel Goerke (Reichenberg), Hans-Georg Kreuseler (Bad Ems), Frank Puchtler (Oberneisen) und Pfarrerin Yvonne Fischer (Friedland).
Die Synode hat 96 stimmberechtigte, von den 56 Kirchengemeinden gewählte Mitglieder und ist oberstes Entscheidungsgremium für das evangelische Dekanat Nassauer Land. Zweidrittel der Stimmberechtigten sind Gemeindemitglieder, ein Drittel Pfarrerinnen und Pfarrer. Stimmberechtigt sind außerdem Dekanin, Stellvertreter, Vorsitzende und berufene Mitglieder.
Die neue Dekanin Renate Weigel freute sich über ihre Wahl nach der Entscheidung durch das Los.
Mehr als 100 Synodale und Gäste erlebten im Bad Emser Marmorsaal eine außergewöhnlich spannende Wahl der Leitungsgremien des neuen Dekanats Nassauer Land.
