Allgemeine Berichte | 21.04.2018

Spatenstich auf dem ehemaligen Weissheimer-Gelände in Andernach

„Historischer Garten“ versinnbildlicht wichtige Epochen der Stadthistorie

Wo einst Silos standen, soll bereits im einem Jahr ein geschichtliches und biologisches Kleinod Besucher anziehen

Die Stadtspitze, Susanne Diewald und die Vertreter der Fraktionen beim symbolischen ersten Spatenstich.  MKA

Andernach. „Gut Ding will manchmal auch Weile haben“, stellte Oberbürgermeister Achim Hütten fest, als er mit Bürgermeister Claus Peitz und der Gartenbautechnikerin Susanne Diewald die Vertreter der Stadtratsfraktionen, der Verwaltung und der Perspektive gGmbH zum Spatenstich im Gelände des künftigen „Historischen Gartens“ begrüßte. Mit der Gestaltung des 3200 Quadratmeter großen Teilstücks des ehemaligen Weissheimer-Geländes erfahren das Konzept der „Essbaren Stadt“ und die Präsentationspalette der 2000-jährigen Stadtgeschichte eine weitere eindrucksvolle Bereicherung. Die Fertigstellung der Anlage erwartet man für das kommende Jahr.

Neues Leben an historischer Stätte

Achim Hütten blickte zurück auf die langjährige Investorensuche für das ehemalige Gelände der Firma Weissheimer, auf dem ein Archäologen-Team der Generaldirektion Kulturelles Erbe sich immer noch auf den Spuren der Römer bewegt. Seit dem vergangenen Jahr erstellt die Anne-Ehl-Stiftung auf dem zum Rhein gelegenen Teil des Areals einen Gebäudekomplex mit Wohnungen, Startups und einem Hotel. Das an der Hochstraße umgesetzte Bauvorhaben des Bauvereins steht kurz vor der Fertigstellung. Für den mittleren Geländeteil wurde im Herbst 2016 den zuständigen Ausschüssen ein erstes Planungskonzept vorgestellt. Nach konstruktiven Gesprächen und einigen Veränderungen kommt das konkretisierte Konzept jetzt zur Umsetzung. Oberbürgermeister Achim Hütten dankte dem Rat für die richtigen Weichenstellungen.

In Anlehnung an den französischen Dichter Victor Hugo, der im Jahr 1840 Andernach als „allerliebste Stadt“ lobte, versprach die mit der Planung beauftragte Burgbrohler Freiraumgestalterin Susanne Diewald: „Die Stadt wird jetzt noch lieblicher.“ So machte sie gleich Appetit auf die zwischen den Neubauten des Bauvereins und dem Bauprojekt der Anne-Ehl-Stiftung entstehende „kleine Oase“. Diewald bedauerte, dass die römischen Mauerteile zu porös seien, um sie offen präsentieren zu können. Die archäologischen Funde würden daher mit Erde aufgefüllt, um sie der Nachwelt zu erhalten. Der „Historische Garten“ werde aber einen Bezug zu den Ausgrabungen haben, die mittelalterlichen Gebäudeteile würden aufgearbeitet und sichtbar bleiben. Andernacher Kulturgut sei somit gesichert. Der „Historische Garten“ bildet eine Symbiose aus historischer Gartenbaukultur und den archäologischen Funden. In Anlehnung an das erfolgreiche Konzept „Essbare Stadt“ werden die Besucher dort auch auf historische Nutzpflanzen treffen.

Was man in der Römerzeit und im Mittelalter im Garten hatte

Das Areal, zu dem es selbstverständlich behindertengerechte Zugänge geben wird, gliedert sich in den östlichen und höher gelegenen Bereich mit den römischen Funden und den westlichen, tiefer liegenden Bereich mit den mittelalterlichen Mauerresten. Die historischen Elemente werden gestalterisch betont durch moderne und geradlinige Ausstattungselemente wie Wasserbecken und Beleuchtung. Bei der Pflanzenauswahl wird darauf geachtet, dass Arten und Sorten verwendet werden die zur Römerzeit und im Mittelalter bereits verfügbar waren. Im Römischen Garten sind dies Rasenflächen und Hainbuchenhecken. Die Wegeführung in den Mauern der Therme wird mit blauem Lavendel eingefasst. Zentral wird eine Esskastanie wachsen. Diese Baumart wurde von den Römern nach Deutschland eingeführt. Säulenförmige Elemente wie Wacholder und Dachplatanen strukturieren das Gelände. Die archäologisch vorgefundenen elf Säulen des Horreums (Lagerhaus) werden durch säulenförmig gewachsenen Wacholder angedeutet, die Mauer durch eine gezielte Wegeführung und Bepflanzung präsentiert. Thematische Inhalte werden durch Pflanzen mit spezifischen Farben visualisiert. So wird die römische „Fußbodenheizung“ (Hypocaust) durch rote Farbtöne als Wärmeassoziation dargestellt. Im mittelalterlichen Garten symbolisiert die Linde den klassischen Versammlungsbaum. Auch ein neuer Quellbrunnen wird hier zu finden sein, von der Größe angelehnt an den alten Brunnen an dieser Stelle. Eine Wildrosenhecke stellt die Abgrenzung zur Kirchstraße dar. Informationstafeln, Lichtbildprojektion, eine angedeutete alte Kanaltrasse und einiges mehr bringen dann ab dem nächsten Jahr den Besuchern in entspannter Atmosphäre die alten Zeiten nahe. Das 1,5-Millionen-Euro-Projekt wird mit 70 Prozent aus für die Städtebausanierung bereitgestellten Landesmitteln gefördert.

In einigen Monaten lädt dieses Gelände in seinen römischen (rechts) und mittelalterlichen (rechts) Garten ein.

In einigen Monaten lädt dieses Gelände in seinen römischen (rechts) und mittelalterlichen (rechts) Garten ein.

Die Stadtspitze, Susanne Diewald und die Vertreter der Fraktionen beim symbolischen ersten Spatenstich. Fotos: MKA

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Ralf Schweiss
Anzeigensponsoring Sommerbunt - o.B.
Lampionfest in Weißenthurm - KW25
Saison Deals
Innovatives rund um Andernach
Kleinanzeige Heckenschnitt
Tag der Architektur im Steigenberger Hotel Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Die vulkanische Geschichte der Eifel lässt sich im Lava-Dome spielerisch entdecken. Foto: Dominik Ketz
249

Wer glaubt, Vulkane gäbe es nur auf Island oder in Italien, hat die Rechnung ohne die Eifel gemacht. Im Lava-Dome in Mendig wird schnell klar: Auch hier ging es einst verdammt heiß her! Das Deutsche Vulkanmuseum entführt seine Besucher auf 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte. Klingt staubtrocken? Von wegen! 700 Quadratmetern und zwei Etagen in eine Welt voller Feuer, Lava und spannender Erdgeschichte.

Weiterlesen

In der ehemaligen Ahrweiler Synagoge diskutierten (von links) Nick Falkner, Ulrich van Bebber, Susanne Bell und Dr. Martin Wein.
247

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wie hat die Flut den Zusammenhalt im Ahrtal verändert. Welche Konflikte bestehen noch? Wo trägt bürgerschaftliches Engagement weiterhin? Wo brauchen Menschen, Vereine und Kommunen mehr Unterstützung? Und was muss Politik aus dieser Katastrophe lernen, damit Warnketten funktionieren, Zuständigkeiten klar sind und der Staat im Krisenfall schneller handeln kann?

Weiterlesen

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 11
148

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Kolpingsenioren Gladbach
1920

Kolpingsenioren Gladbach

Moin - Ostfriesland

Gladbacher Kolpingsenioren „bi de Friesen“. Nee, nicht in Nord- sondern Ostfriesland ist das Ziel. Der ruhende Pol ist der Ostfriesen-Hof in Leer. Von hier erkunden wir Senioren Ostfriesland

Von Hans-Josef Richter aus Bendorf-Sayn

Weiterlesen

Trotz der Hitze: gute Stimmung und Gespräche beim fairen Frühstück vor dem Andernacher Rathaus
688

Fairtrade Frühstück Andernach

Fairtrade Frühstück in Andernach

Andernach. Mit einem fairen Frühstück vor dem Historischen Rathaus hat die Stadt Andernach erneut ein sichtbares Zeichen für mehr globale Gerechtigkeit und nachhaltigen Konsum gesetzt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, gemeinsam zu frühstücken und dabei mehr über die Bedeutung fair gehandelter Produkte zu erfahren.

Von Hans-Georg Hansen aus Andernach

Weiterlesen

Fynn Ladda - Sprecher Grüne Jugend Koblenz-Mittelrhein
1005

Grüne Jugend Koblenz-Mittelrhein fordert neue Maßnahmen

Koblenz weiter zur Fahrradstadt entwickeln

Koblenz. Die Grüne Jugend Koblenz-Mittelrhein begrüßt die positiven Entwicklungen des Radverkehrs in Koblenz.

Von Luna-Mariella Müller aus Koblenz

Weiterlesen