Historien-Theater zum 800. Jubiläum der Ortsgemeinde Deesen
Historisches Deesen machte Geschichte auf der Bühne lebendig
Naturbühne Lindenberg: 1.500 Besucher erlebten einzigartige Aufführung des Pfarrer-Reuter-Stücks „Schinnerhannes“ – Nächste Feierlichkeiten im Jubiläumsdorf: Kirmes am Wochenende und „Historische Festmeile“ am 9. September
Deesen. In geradezu genialer Weise hat es die Westerwaldgemeinde Deesen verstanden, ihre 800-jährige Geschichte zeitgemäß mit der Neuzeit zu einer phänomenalen Jubiläumsfeier zu verknüpfen. Literatur für den Geist, ein „geistvolles“ Getränk und ein historisches, das Gemüt ansprechendes Theaterstück waren die drei Grundpfeiler, auf denen die Feierlichkeiten gründeten.
Kompakt und dennoch detailliert zusammengefasst liegt die Geschichte des Ortes in Form einer handlichen Chronik vor, von der nach 400 Verkäufen immer noch einige Exemplare käuflich zu erwerben sind. Die Nachfrage nach dem Jubiläums-Pflaumenschnaps hat das Angebot allerdings deutlich überstiegen: von dem Edel-Sonderbrand ist keine Flasche mehr zu haben. Und auch die Nachfrage nach den rund 1.500 Eintrittskarten für das Jubiläums-Theaterstück „Schinnerhannes“ war gewaltig, sodass am Ende rund eineinhalbtausend Besucher in den Genuss dieser Special-Edition-Aufführung kamen. Nicht nur das Stück selbst stellte ein kulturelles Highlight in der 800-jährigen Geschichte von Deesen dar. Auch die einzigartige Naturbühne auf der Waldlichtung des Deesener Lindenbergs bot an den drei Tagen des vergangenen Wochenendes eine Bilderbuch-Kulisse für das von den Deesener Laienschauspielern aufgeführte historische Stück, geschrieben vom damaligen Pfarrer Wilhelm Reuter (1888 – 1948).
Mehr als zwei Jahre Probenarbeit
Eine treibende Kraft für das umfangreiche Jubiläumsprogramm der 800-Seelen-Gemeinde Deesen war sein Ortsbürgermeister Klemens Lahr, der die Besucher des Theaterstücks an allen drei Tagen begrüßte und sich jeweils für die tolle Unterstützung aus der Bevölkerung bedankte. Zu „BLICK aktuell“ sagte Klemens Lahr am Wochenende: „Im April 2016 haben wir mit den Proben für das Theaterstück angefangen. In der ganzen Zeit ist hier auf der offenen Naturbühne auf dem Lindenberg keine einzige Probe, zum Beispiel wegen schlechten Wetters, ausgefallen. Mit dem Erstellen der Chronik haben wir bereits 2013 angefangen. Im selben Jahr haben wir, mein Freund Bernd Klings und ich, die Zwetschgen für den Deesener Jubiläumsbrand gepflückt, ausschließlich von Deesener Zwetschgenbäumen. Das Ergebnis war über eine halbe Tonne Obst. In der Brennerei Klöckner in Nistertal wurden daraus 350 Halbliterflaschen Deesener Zwetschgenschnaps gebrannt. Der ist so gut wie ausverkauft, es sind nur noch ein paar wenige Flaschen zu haben.“ Nach der Qualität des Brands gefragt, sagt Klemens Lahr mit einem Lachen: „Der war sehr lecker!“
Große Unterstützung durch die Bevölkerung
Besonders dankbar ist der Ortsbürgermeister den Unternehmen, die das Jubiläum mit ihren Spenden unterstützt haben. Lahr: „Wir haben uns über 80 Unternehmerspenden gefreut, darunter vier Großspenden. Die Beträge gingen vom dreistelligen Bereich bis deutlich über 1.000 Euro. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Dorfchronik, des Jubiläums-Brands, den Spenden und dem Kartenverkauf für das Theaterstück konnten wir die Ausgaben für die Jubiläumsfeierlichkeiten finanzieren.“
Für die Bewirtung während aller Veranstaltungstage stellten sich die Mitglieder der heimischen Vereine zur Verfügung, das waren die Spielvereinigung Haiderbach, die Kirmesgesellschaft, die Chorgemeinschaft Haiderbach, der Angelverein, die Sankt-Georgs-Bläser Haiderbach und der Heimat- und Kulturverein. Die hatten auch alle Hände voll zu tun, die jeweils rund 500 Besucher des Theaterstücks nach der Vorstellung bis tief in die Nacht hinein mit Speisen und Getränke zu beköstigen.
Kirmes und historische Festmeile
Jetzt freut sich Ortsbürgermeister Klemens Lahr schon auf die nächsten Veranstaltungen im Ort, die Kirmes am kommenden Wochenende und die „Historische Festmeile“ am 9. September: „Da zeigen wir alte Handwerke und altes Bauernbrauchtum auf der gesperrten Straße. Darunter eine alte Dreschmaschine.“
Wäller von Herzen
Wie es sich für eine Westerwälder Jubiläumsfeier gehört, wurde das von Pfarrer Wilhelm Reuter im Nassauischen Dialekt verfasste Schauspiel „Schinnerhannes“ detailgetreu in „Wäller Platt“ übersetzt. Diese gewaltige Aufgabe für das dreistündige Bühnenstück leistete Rainer Kalb, der auch die Regie führte. Die Hauptrolle des Räuberhauptmanns Schinnderhannes war mit Willi Wolf besetzt. Weitere Mitspieler waren: Burkard Rüthlein, Erik Kaiser, Klaus Kurz, Harald Hastenteufel, Uwe Klein, Norbert Demuth, Martin Günster, Anja Schmidt, Petra Lahr, Stefan Schultheis, Frank Wassmann, Waltraud Kuhn, Ingrid Baaden, Martin Klein, Ursula Hastenteufel, Ulrike Groß, Michaela Rosenberg, Reinhard Demuth, Norbert Demuth, Hans-Peter Weber, Raimund Schmidt, Thomas Pesau, Andreas Veith, Thorsten Kanning, Sascha Kurz, Rainer Werz, Johannes Günster, Klemens Lahr, Peter Hoffmann, Ulrich Distelrath, Gudrun Lahr und Helga Günster. Für die musikalische Begleitung sorgte eine Combo der St. Georgsbläser Haiderbach und Christoph Zirfas, Bühnenmaler war Wilfried Knöll, für die aufwendige Technik und Akustik zeichneten Radio Gzyl und Musik Scharenberg verantwortlich.
Der Räuberhauptmann erteilt einem seiner Mitstreiter den Segen für die Vermählung mit Gretchen (Petra Lahr).
Mit dem Schinderhannes wurden sie nicht fertig, dafür vergriffen sich die französischen Soldaten am armen Wirt (Martin Klein).
Willi Wolf als Räuberhauptmann Schinderhannes und Anja Schmidt als seine Braut Julchen.
Nicht nur die jeweils 500 Zuschauer , sondern auch die 30 Laienschauspieler hatten ihre Freude an der Aufführung.
Umgeben von einer einzigartigen Naturkulisse auf dem Deesener Lindenberg und vor liebevoll hergestellten Bühnenbildern trieben der Räuberhauptmann Schinderhannes und seine Kumpanen ihr Unwesen und spielten den französischen Besatzungssoldaten Streiche. Den drei Aufführungen im Jubiläumsjahr der Gemeinde waren zweijährige Proben vorausgegangen. Fotos: KER
