Allgemeine Berichte | 26.03.2025

Andernacher „Poetry Slam“ bringt zwei Sieger hervor

Hochkarätige Wortakrobaten treten auf

Im Historischen Rathaus fanden etwa 100 Menschen Platz. Fotos: Annika Hill

Andernach. Beim 2. Andernacher „Poetry Slam“ brachte der Applaus des Publikums weder den Putz den Historischen Rathauses zum Bröckeln, noch war er bis nach Koblenz zu hören, wie Siegerin Kim Cathrin befürchtete. Doch war „das Brot des Künstlers“, den die Zuschauer des bunt gemischten Publikums den Poeten entgegenbrachten, ein gehöriger. Moderiert wurde der von dem Kulturamt der Stadt Andernach veranstaltete Abend von dem erfahrenen Poetry-Slammer „Mario el Toro“. Natürlich nicht ohne selbst das ein oder andere Gedicht vorzutragen – wie Rapunzel mit T.

BeeindruckendeDarbietungen und Einblickein die Seele der Künstler

An diesem Abend war viel von der Bandbreite menschlicher Emotionen auf der Bühne zu spüren: Verletzungen, Trauer, Liebe, aber auch Lustiges, das das Publikum Tränen lachen, johlen und strahlen ließ. Tief berührt, beeindruckt von dem Mut und der Sprachgewalt der Künstler wurde ein kurzweiliger Abend verbracht. Teils von Aachen angereist, in Köln Fahrgemeinschaften gebildet, um jeweils sechs Minuten pro Auftritt persönliche Texte vorzutragen und diese bewerten zu lassen – denn per Handkarte oder Applaus stimmt das Publikum ab, wen es im Finale sehen will.

Den Anfang machte Jan Holste mit seinem Reim über Freundschaft und - so konnte man zwischen den Zeilen heraushören - den Sinn des Lebens. Er erzählte von einem lustigen weinseligen Abend, der - jetzt carbonverstärkt du Karpfen - im Krankenhaus endete.

Nach diesem schon beeindruckenden Auftakt betrat Abiturientin Kim-Cathrin die Bühne, um frei und im Stakkato ihre Meinung zum Schulsystem und der Bildungselite herauszuhauen. Auch durch ihre Gestik zeigte sie ihre tiefen Emotionen. Mit 84 Punkten zog sie direkt ins Finale ein. Etwas leichter und lustiger wurde es mit Fuhrunternehmer Christian Gottschalk. Nicht minder präsent tat er seine Meinung zum Thema Lebensmottos, die ihm übergriffig von Autos oder Kik-T-Shirts entgegenprangen - „One life - live it“ -, kund. Sein Motto: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Der junge Simon Middelkoog verarbeitete seine Zeltlager-Erfahrungen und Erlebnisse mit Kindern in kurzweilig vorgetragenen Anekdoten. Der Sympathisant, der gerne und vielleicht auch am enthusiastischsten mit den Kindern Rolf Zuckowski singt, ging im Laufe des Abends spürbar in den Austausch und entwickelte sich zu einem Publikumsliebling.

Anspruchsvoll wurde es mit Alexander Bach. Melancholisch und berührend erzählte der Kölner in „Dies ist keine Gespenstergeschichte“ von einer verflossenen Liebe. Er ließ das Publikum an den Lieblingskörperteilen seiner Verflossenen teilhaben - den Händen. Webte Bilder mit Worten – „ein Gefühl wie Tee in eine Tasse gießen“.

In der darauffolgenden Pause war für Erfrischung mittels Getränken gesorgt, die Künstler mischten sich unters Publikum oder signierten Bücher.

„Repect the Poets“ -Beste Unterhaltung

Nach der Pause lud Moderator „Mario el Toro“ die Zuschauer ein, Platz zu nehmen und den zweiten Finalisten zu ermitteln.

Diese Runde startete in umgekehrter Reihenfolge und so präsentierte Alexander Bach sein Werk mit dem Titel „Fuck the clouds“, obwohl er eigentlich keine Schimpfwörter mehr verwenden wollte. Der vollendet herausgeputzte Anzugträger berichtete von einer Fahrt über Landstraßen nach Perignon, Kassetten von Bert Kaempfert anhörend mit einer wie man am Schluss erfährt verstorbenen Liebe. Ballons, mit angebundenen Kassetten, die er aufsteigend lässt, statt sie ins Grab zu legen. Echt, mit viel Inhalt rundete sich gefühlvoll das Bild.

Simon Middelkoogs Gedicht war kürzer als die vorgeschriebenen sechs Minuten, daher stellte er ein kurzes Gedicht über eine Taube, die von einem Bussard - oder einem „Bus hart“ zerfetzt wurde. Der Auftritt nahm an Fahrt auf und entwickelte eine Energie, die das Eis brechen ließ und der Finalist stand fest.

Elektroautotransporteur Gottschalk berichtete über „Guilty pleasure“ beim „Shopping Queen“ schauen, über neumodisches Mindset und „Quality time“. Nach dieser sehr witzigen und auf den Punkt gebrachten Darbietung, tobte der Applaus.

Jan Holste machte einen gebührenden Abschluss der zweiten Runde mit seinem an TKKG angelehnten Hörspiel „JJJJ - Jan Jan Jan und Jan“, bei dem das Publikum die Aufgabe hatte, den Text mit passenden Geräuschen wie grobem Pöbeln zu untermalen. Die Geschichte endete mit einem fliegenden Hamster und Taylor-Swift-Konzertkarten-Fortsetzung folgt.

Im Finale gaben die zwei Finalisten noch einmal alles. Der sich als Boomer fühlende Simon legte sich bei C&A auf die Lauer, um dann doch - Yolo - von Gleichaltrigen am Berufskolleg verprügelt zu werden und Kim-Catrin brachte ihre Verzweiflung - es ist Herbst - ob des Klimawandels wortgewandt zum Ausdruck.

Bei der anschließenden Abstimmung durch Klatschen konnten „Mario el Toro“ und die Verantwortlichen der Stadt keinen eindeutigen Sieger ermitteln. Da auch beim folgenden Drei-Sekunden-Applaus, bei dem das Publikum in der kurzen Zeit noch einmal alles gibt, kein Unterschied festzustellen war, teilten sich die zwei Finalisten schließlich die Prämie - Tasse und Schnaps - mit der sie im weiteren Abendverlauf gleich ihren Sieg begießen wollten.

Moderator „Mario el Toro“, mit den zwei Siegern und dem Veranstalter Kulturamt Andernach.

Moderator „Mario el Toro“, mit den zwei Siegern und dem Veranstalter Kulturamt Andernach.

Im Historischen Rathaus fanden etwa 100 Menschen Platz. Fotos: Annika Hill

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Titelanzeige KW 15
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Staplerfahrer (m/w/d)
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Anzeige KW 15
Blütenfest Meckenheim
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
10 Jahre Bella Vita Frauenfitness
Empfohlene Artikel
Symbolbild.  Foto: pixabay.com
58

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
34

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
99

Jugendliche um drei Uhr nachts von Polizei angehalten

11.04.: Bad Ems: 15- und 13-Jähriger unternehmen nächtliche Spritztour mit Auto

Bad Ems. In den frühen Morgenstunden des 11.04.2026, gegen 03:00 Uhr, wurde durch eine Streifenwagenbesatzung nach einem Hinweis von Zeugen ein Pkw im Stadtgebiet Bad Ems, im Bereich der Straße Am Weißen Stein, kontrolliert. Hierbei wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erst 15 Jahre alt und demnach nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Sein Beifahrer war nochmals zwei Jahre jünger.

Weiterlesen

Imageanzeige
Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Veranstaltung 15.April
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen und Garten im Blick
Stellenausschreibung Hausmeister/in
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Lagerverkauf
Anzeige Radiologie & Nuklearmedizin