Eine Versorgungslücke im Bereich der Palliativversorgung wird geschlossen
Hospiz im Ahrtal wurde eröffnet
Hospiz in Bad Neuenahr wurde feierlich eröffnet
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit der Eröffnung des „Hospiz im Ahrtal“ wurde eine Lücke in der palliativpflegerischen und palliativmedizinischen Versorgung schwerstkranker Menschen in der Region geschlossen. Bislang gab es zwischen Bonn und Koblenz und zwischen Siegen und Trier kein stationäres Hospiz. Ab dem 5. Januar kann die Einrichtung, die im Bad Neuenahrer Dorotheenweg nur wenige Meter vom Krankenhaus „Maria Hilf“ beheimatet ist, die ersten Gäste aufnehmen. Anmeldungen sind schon jetzt möglich. Das „Hospiz im Ahrtal“ ist eine spezialisierte Pflegeeinrichtung mit einem umfassenden, multiprofessionellen Versorgungs- und Begleitkonzept. Dazu gehören unter anderem Schmerztherapie und Symptomkontrolle sowie das Angebot psychosozialer und seelsorgerischer Begleitung und die damit verbundenen ergänzenden Therapien. So soll erreicht werden, dass die Hospizgäste die letzten Wochen oder Monate ihres Lebens in Würde und möglichst schmerzfrei verbringen können. „Wir sind hervorragend im Bauplan und sehr streng im Kostenrahmen geblieben. Auch durch die großzügigen Spenden ist es uns gelungen, einen wirklich schönen und zugleich funktionalen Innen- und Außenbereich zu erstellen“, zeigte sich Christoph Drolshagen, Geschäftsführer der „Hospiz im Ahrtal gGmbH“ sichtlich zufrieden mit dem Verlauf der Bauarbeiten, für die Gesamtinvestitionen von 2,9 Millionen Euro aufgewendet wurden. Insgesamt zehn Gästezimmer mit jeweils mehr als 20 Quadratmetern Nutzfläche kann das Haus anbieten und liegt damit deutlich über der vorgeschriebenen Mindestforderung. Es stehen speziell ausgewählte „Schlafsessel“ zur Verfügung, die optional in den Gästezimmern platziert werden können und Angehörigen oder Vertrauenspersonen der Patienten bei Bedarf ein bequemes Übernachten in der Einrichtung ermöglichen. Alternativ steht auch ein Angehörigenappartement bereit. Die direkt den Gästezimmern angeschlossenen Sanitärräume hat man großzügig und barrierefrei an den Bedürfnissen schwerstkranker Menschen ausgerichtet. Alle Zimmer sind hell, mit großen Fenstern versehen und verfügen über einen Tresor sowie einen Kühlschrank. Das Mitbringen eigener Möbel oder Bilder ist ebenfalls möglich.
Trauer, Angst und Hoffnung
Als Rückzugsort, aber auch für kleinere Gottesdienste, zum Gebet oder einfach nur um „zur Ruhe kommen“ gibt es einen „Raum der Stille“, dessen großes Panoramafenster einen weiten Blick auf den Garten und das Ahrtal ermöglicht. Dabei wurde der Fußboden ganz bewusst aus Ahrschiefer hergestellt, während die Wände mit einem weichen Teppich zum Anlehnen versehen sind. Somit „sprengt“ der „Raum der Stille“ das Raumprogramm der Einrichtung in gewisser Weise, denn es wird ein Ort sein, an dem Trauer und Angst, aber auch Hoffnung ihren Ausdruck finden. Das „Hospiz im Ahrtal“ verfügt darüber hinaus über eine eigene Profiküche und ist somit in der Lage, das Essen selbst zuzubereiten und auf die individuellen Wünsche der Gäste einzugehen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn schwerstkranke Menschen leiden häufig unter starken Appetitproblemen. Mit Stefan Steinheuer, der zugleich Schirmherr der Einrichtung ist, war ein bundesweit bekannter Spitzenkoch an der Küchenkonzeption maßgeblich beteiligt. Gemeinsame Gesellschafter der „Hospiz im Ahrtal gGmbH“ sind der Hospiz-Verein-Rhein-Ahr, die Marienhaus Unternehmensgruppe und die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die Gesellschafter fühlen sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet und werden in ökumenischem Geiste zusammenarbeiten. „Die Bürger sind glücklich, solch kompetente Träger gefunden zu haben“, betonte Ulrike Dobrowolny, Vorsitzende des Hospiz-Verein-Rhein-Ahr, die auch die enge Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Kräften unterstrich: „Hier waren stets Leute aus der Bürgerschaft engagiert, in allen Phasen der Gesamtentwicklung.“ Überhaupt spielt das Ehrenamt eine wichtige Rolle in der Hospizarbeit, die stark von bürgerschaftlichem Einsatz geprägt ist. „Hospize sollen ein Ort der Bürger sein“, so Christoph Drolshagen. Aktuell schult der ambulante Hospiz-Verein-Rhein-Ahr weitere, ehrenamtliche Kräfte, die sowohl im Bereich der Begleitung, als auch in der Hauswirtschaft aktiv sind. Dabei betont Ulrike Dobrowolny, dass die Ehrenamtler kein „Ersatz“ für die professionellen Pflegekräfte sind. Unter der Leitung von Patricia Felsberg und Pflegedienstleiterin Yasmin Brost, die beide auch die fachliche Planung mitgestaltet haben, beschäftigt man derzeit 13 Pflegefachkräfte sowie eine Hauswirtschafterin. Inklusive Teilzeitkräften werden schließlich zwischen 20 und 25 Personen im „Hospiz im Ahrtal“ arbeiten. Bereits im Vorfeld haben sich die Mitarbeiter mit Sitzungen und Workshops intensiv auf die kommenden Aufgaben vorbereitet. Aufgenommen werden im „Hospiz im Ahrtal“ volljährige Menschen mit schweren, nicht heilbaren, fortschreitenden Erkrankungen - unabhängig von Religion, Nationalität, Art der Erkrankung oder finanziellen Verhältnissen und Möglichkeiten. Durch den Aufenthalt im Hospiz entstehen den kranken Menschen keine Kosten. Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen jedoch nur 90 Prozent des vereinbarten Tagesbedarfssatzes. Daher müssen die Träger 10 Prozent der Kosten aus Spendenmitteln aufbringen. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass der Hausarzt eine so genannte „ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung“ ausstellt.
Tag der offenen Tür am Sonntag am 19.12
Die feierliche Eröffnung des „Hospiz im Ahrtal“ fand am 18. Dezember stattf. Einen Tag später, am 19. Dezember, lädt die Einrichtung ab 11 Uhr zum großen „Tag der offenen Tür“ mit zahlreichen Veranstaltungen, Musik, Vorträgen und Infoständen ein. Alle Bürger und Interessierten sind herzlich willkommen. Es wird darum gebeten, Fahrzeuge auf den Besucherparkplätzen des Maria-Hilf-Krankenhauses abzustellen, da es vor dem Hospiz nur sehr wenige Parkmöglichkeiten gibt. Informationen gibt es auch unter Tel. (0 26 41) 9 18 75 20 oder per E-Mail unter patricia.felsberg@hospizimahrtal.de.
324 Begleitungen im vergangenen Jahr
Wie groß der Bedarf in Sachen palliativmedizinischer Versorgung in der Region ist, zeigen die Zahlen des Hospiz-Vereines-Rhein-Ahr eindrucksvoll. Allein im vergangenen Jahr hat der Verein 324 Begleitungen von Patienten betreut. Um das Hospiz zu bauen, auszustatten und auf Dauer zu betreiben, benötigen die Gesellschafter stets Spenden. Eine Tatsache, die schon anhand der großen Spendentafel im Eingangsbereich sichtbar wird. Deshalb hat man die Aktion „Bauen Sie mit!“ ins Leben gerufen. Näheres dazu findet sich auf der Internetseite
www.hospizimahrtal.de.
Unter den Konten IBAN
DE 53 577513100000512129 (Kreissparkasse Ahrweiler) oder IBAN
DE 55 577615910102615700 (Volksbank RheinAhrEifel eG)
sind Spenden für das Hospiz möglich.
Insgesamt zehn Gästezimmer mit jeweils mehr als 20 Quadratmetern Nutzfläche kann das Haus anbieten
