Die Cowboys der Eifel
Hütejungen, ein Hauch von Freiheit und Abenteuer
Werner Schüller
Kreis Ahrweiler. Vor etwa 50 Jahren wurde in manchen Gebieten der Eifel die Weidewirtschaft nur ab dem Spätsommer und Herbst betrieben. In den anderen Jahreszeiten hielt man die Rinder in den Ställen und dort wurden sie auch gefüttert. Jeden Tag musste das Futter neu herbei geschafft werden. Im frühen Frühjahr, wenn die Rübenvorräte zu Ende gingen, zogen die Eifler Landfrauen mit der Sichel aus, um das frisch sprießende Gras an den Wegrändern und im Wald zu schneiden und als Futter in einem Bündel zusammengebunden auf dem Kopf heim zu tragen. Dadurch wurden die eigenen Wiesen geschont. Im Sommer blieb den Leuten nichts anderes übrig, als täglich Gras, Klee oder noch grünes Getreide von Weide und Feld zur Fütterung in die Ställe zu holen, was die Heuernte, die für den Winter dringende gebraucht wurde, schmälerte.Wenn jedoch die Getreidefelder Ende August, Anfang September abgeerntet waren, kamen die Tiere auf die Weide.
Das Hüten der Kühe auf den damals noch nicht eingezäunten Weiden übernahmen in vielen Eifeldörfchen die Schulbuben. Für die Dorfjungen war es eine besondere Freude und Pflicht und eine große Verantwortung, das Vieh zu hüten. Sobald der vormittägliche Schulunterricht beendet war, zogen sie mit ihren kleinen Herden auf die Futterplätze am Waldrand an Wegrändern und an Wiesenrainen, und das auch bei Wind und Wetter. Wegen der Kälte, aber auch zum Spaß, gehörte ein kleines Feuerchen im Wiesenrain einfach dazu. Meistens holten sich die Jungen noch übrig gebliebene Kartoffeln vom Feld, legten sie in die Glut, ließen sie durchbraten, um sie dann mit einer Scheibe auf dem Feuer geröstetem Brot zu essen. Auch auf einen Stock gespießte Äpfel wurden über der Glut gebraten und der erste Kontakt zum Rauchen gehörte mit dazu.Dürre Himbeer- oder Buchenblätter oder dürres Farnkraut wurden zwischen den Händen gerieben und in irdenen Weckmannpfeifchen oder in einer aus Kastanie gebastelten Pfeife geschmaucht.
Dass es beim Rauchen von diesem Kraut so manchem Kuhjungen übel wurde, kann man sich gut vorstellen. Aber es war auch eine schöne Zeit. Wer dabei war, kommt jetzt noch ins Schwärmen. Mit den Tieren auf den Fluren des Heimatdorfes, die bunte Blätterpracht des Spätherbstes, die Lagerfeuerromantik, die Kameradschaft mit den anderen Hütejungen aus dem Dorf, das unmittelbare Erleben der Natur, - das alles machte das hüten der Kühe zu einem unvergesslichen Kindheitserlebnis.Nach dem Michaelistag (29. September) galt das ungeschriebene Gesetz, frei zu hüten. Das hieß, die Kühe durften zum Weiden auch auf fremde Wiesen geführt werden.
Wenn im November der erste Raureif und Frost kam oder die Wiesen mit dem ersten Schnee bedeckt waren, endete die Zeit der Hütejungen. Ab dann mussten wieder die eingelagerten Rübenvorräte für den Winter angebrochen werden.
