Allgemeine Berichte | 19.07.2016

Alexander Brantsch aus Ahrweiler widmet sein Leben dem Mountainbiking und tourt durch Kanada, Neuseeland und Brasilien

„Ich habe einfach auf mein Herz gehört“

Sympathischer Typ mit Weitblick: Alexander Brantsch aus Ahrweiler. Foto: ROB

Ahrweiler. Ein letzter prüfender Blick, ob die Federelememte richtig eingestellt sind, einmal noch den Reifendruck checken, bevor das Startsignal ertönt. Und dann geht es für Alexander Brantsch wieder dahin, wo er sich wohl fühlt: Downhill, den Berg runter auf dem Mountainbike. Alex ist stets auf der Suche nach der Bestzeit, doch für ihn ist das Mountainbiking so viel mehr als Sport. Es ist eine Philosophie, ein Lebensinhalt. Der 25-Jährige aus der Ahrweiler Altstadt hat seine Leidenschaft auf zwei Rädern gefunden und hat damit sogar Erfolg. Alex ist in der ganzen Welt zu Hause und nimmt international an Wettbewerben teil. Heute Kanada, morgen Neuseeland. Und übermorgen? „Ich weiß es nicht“, sagt der sympathische Biker. Und diese Freiheit ist das, was ihn antreibt.

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ein Freund von Alex kaufte sich ein Mountainbike. Das ist nicht ungewöhnlich, doch der Kumpel lud Alex zur Probefahrt ein und das löste etwas aus. „Es klingt verrückt, aber ich wusste sofort: Ich will mein Leben dem Mountainbiking widmen.“ Noch viel verrückter war das, was dann passierte. Zu diesem Zeitpunkt, das war 2012, hatte Alex ein turbulentes Privatleben und viel um die Ohren. Und bei dem ganzen Trubel erinnerte sich Alex daran, dass er Freunde im kanadischen Squamish hat, einer Kleinstadt in der Provinz British Columbia. Er beschloss ein Flugticket nach Vancouver zu kaufen, sich ein Visum zu besorgen und alles hinter sich zu lassen, was ihn in Deutschland nervt.

„Ich wollte einfach nur aufs Rad und Kanada im Downhill erleben“, erklärt der gelernte Fahrzeuglackierer seinen Plan. Die Disziplin Downhill hat es in sich. Praktisch ist das mit der Abfahrt beim Skifahren vergleichbar- nur eben auf dem Mountainbike. Bevorzugt geht das durch Felder, Wälder und über steinige Pisten in rasanter Geschwindigkeit. Adrenalin pur. „Aber mich reizt auch das Naturerlebnis“, schwärmt Alex.

Ein Biker ohne Fahrrad

Der junge Mann war bei seinem Projekt verdammt mutig. Ein großes finanzielles Polster hatte er nicht, nur ein paar tausend Euro hatte er angespart. Und das größte Problem: Er hatte zunächst kein Fahrrad. Doch das Geld reichte noch für einen alten rostigen Van, einen Kleinbus, der er per Internet von deutschen „Work & Travel“ - Reisenden kaufte. Dank seiner Kenntnisse im Kfz-Bereich wurde der Bus wieder flott gemacht und sofort ging mit einem Freund auf einen ausgedehnten Roadtrip durch die nordamerikanische Wildnis. Um an Geld zu kommen, nutzte Alex ebenfalls das „Work & Travel“-Prinzip und fand Arbeit in der Ölmetropole Fort McMurray. Dort verputzte der Ahrweiler Häuserfassaden für gutes Geld. „Das hat uns ein paar tausend Euro gebracht. Von dem habe ich mir auch gleich wieder Mountainbike gekauft.“ Übrigens: Von der Arbeit an den Häuserfassaden ist heute nicht mehr viel zu sehen. Ein verheerender Waldbrand verwüstete im Mai und April dieses Jahres die Stadt mit 60000 Einwohnern. Aber Alex war wieder da, wo er hin gehört: Im Sattel. Der Bus war auch gleichzeitig die Wohnung des 25-jährigen und einem Kumpel, der ihn begleitete. Die Beiden zogen von Bikepark zu Bikepark, lebten von dem Nötigsten und fühlten sich einfach nur wohl in den unendlich schönen Landschaften Kanadas. Bei einem Stopp in einem Bikepark lernte Alexander dann eine junge Dame, ebenfalls Bikerin, kennen, die ihn anspornte bei Mountainbike-Wettbewerben teilzunehmen „Da habe ich dann einfach mal mitgemacht,“ erklärt Alex in seiner optimistischen und furchtlosen Art. Das Resultat war phänomenal. Das Naturtalent Brantsch bestritt nach seiner Rückkehr nach Deutschland einige Rennen und erzielte immer TOP-20-Platzierungen in der Amateurklasse unter jeweils knapp 120 Startern. Ein Wahnsinnsergebnis für einen Neuling. Alexander ahnte hier bereits, dass er seinen Weg gefunden hat. „Auf sein Herz zu hören, das ist das Wichtigste im Leben“, erklärt der junge Biker, der schon eine Menge gesehen hat und mit seinen 25 Jahren schon sehr reif wirkt.

Und so zögerte er nicht, als sein Herz ihm sagte: „Du bist noch nicht angekommen.“ Nach dem Jahr in Kanada wollte er Neuseeland entdecken. Durch viele verschiedene Jobs in Kanada und Deutschland war etwas Geld vorhanden, mehr oder weniger spontan kaufte er sich ein Ticket für den pazifischen Inselstaat. In Neuseeland angekommen, ging wieder der Roadtrip los. Alex bereiste das sagenhafte Neuseeland, deren hügelige Landschaften nicht zuletzt durch die „Herr der Ringe“-Trilogie weltweit für Staunen sorgten. „Ich möchte ein Land nicht bereisen- ich möchte es erleben“, sagt der Ahrweiler. Und das tat er: Alex tauchte mit riesigen Mantarochen und Haien und wagte auch einen Ausflug auf das Surfbrett. Insgesamt bereiste der Weltenbummler 3/4 Neuseeland. Alex betätigte sich auch wieder als Fahrzeuglackierer in Übersee. Doch stets im Vordergrund stand auch hier das Biken. Schnell fand Alex geeignete Wettbewerbe, zum Beispiel bei der nationalen neuseeländischen Downhill-Serie im Örtchen Rotorua. Das Ergebnis? Wie in Deutschland sicherte er sich solide Platzierungen. Leben kann man davon nicht. In der Amateurklasse beim Downhill sind die Prämien sehr bescheiden. „Ein fünfter Platz bringt 50 Euro“, erklärt Alex, den Geld aber sowieso nicht sonderlich interessiert.

Jede Menge „krasse Zufälle“

Nach dem Stopp in Neuseeland von November 2015 bis Mai diesen Jahres, verbrachte Alexander noch einige Wochen erneut in Kanada. „Das war eine spontane Umbuchung der Reiseroute. Eigentlich wollte ich nach Deutschland“, lacht Alex. Was dann folgte, klingt fast schon bizarr: Alex kam zurück in Kanada bei Bekannten unter in deren Nachbarschaft der in Szenekreisen berühmte Snowboarder Marc-André Tarte wohnt. Nach dem die beiden sich kennenlernten, stimmte sofort die Chemie und Tarte lud Alex ein, ihn zur Olympiade in Rio de Janeiro zu begleiten. Tarte arbeitet hier im Funsport-Bereich im Umfeld der olympischen Dörfer. „Ich weiss, dass das alles ziemlich krasse Zufälle sind“, freut sich der sympathische Sportler, der manchmal sein Glück nicht fassen kann. Nun geht es Ende Juli nach Brasilien, wo Alex jetzt schon dank Tarte Arbeit , ebenfalls im Funsportbereich, gefunden hat. Und in der Sportstadt Rio wird es auch wieder jede Menge Gelegenheiten zum Biken geben.

Noch ist Alex aber in Deutschland. Das hat seinen Grund: Derzeit findet der iXS Downhill-Cup statt. Hier tritt der Nachwuchssportler in der Deutschen Meisterschaft im Downhill an. Alex ist mittlerweile über die Amateurklasse hinaus und startet in der Elite-Klasse, der Vorstufe zum Profisport. Auch einen Sponsor hat der junge Mann. Die kanadischen Fahrradbauer von Knolly Bikes stattet ihn seit kurzem mit Sportutensilien aus.

Diese Unternehmungen wären für Alex ohne eine gewaltige Rückendeckung eigentlich nicht zu stemmen. Besonders seine Eltern Monika und Heinz Brantsch stehen stets hinter ihm und unterstützen seine Karriere wo es nur geht.

Alex lebt seinen Traum. Doch wie geht es jetzt weiter? Nach der Olympiade in Rio wird es für Alex etwas bodenständiger. Er wird zunächst wieder als Fahrzeuglackierer sammeln â{*e}“ „Kohle verdienen“ für den nächsten Roadtrip. Das Ziel steht schon fest: Wieder soll ein Fahrzeug gekauft und quer durch Europa gereist werden. „Nach Frankreich an die Mittelmeerküste“, verrät Alex den Plan. „Und dort ab auf´s Bike und das Land erleben“. ROB

Alexander Brantsch in Aktion: Für den 25-Jährigen ist Fahrradfahren mehr als nur ein Sport. Foto: Steffen Pohl

Alexander Brantsch in Aktion: Für den 25-Jährigen ist Fahrradfahren mehr als nur ein Sport. Foto: Steffen Pohl

Sympathischer Typ mit Weitblick: Alexander Brantsch aus Ahrweiler. Foto: ROB

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