Allgemeine Berichte | 22.05.2018

Japanischer Felsengarten vor dem Arp Museum

„Im Japanfieber - Von Monet bis Manga“

Von Sonntag, 26. August 2018 bis Sonntag, 20. Januar 2019

Gartendesigner Peter Berg vor dem Bereich vor dem neu anzulegenden Außenbereich unterhalb des Bahnhofs.HG

Rolandseck. Was ist los unterhalb des Arp Museums Bahnhof Rolandseck? Wo sonst der Rasen sein homogenes Grün zeigt, ist die Grasnarbe beseitigt, liegen meterlange Bäume und zahlreiche große Steinbrocken.

Ein Japanischer Garten entsteht vor dem Museum. Nachdem die Steine positioniert sind, steht ein Pflanztag an. Den Anfang macht ein großer Kirschbaum, den ein Lkw angeliefert hat. Er bekommt seinen Platz neben dem alten Mammutbaum. Gartenmeister Hugo Torii richtet den annähernd fünf Meter hohen Neuzugang akribisch aus, bis er gerade steht. Ein Baum nach dem anderen wird nun im Halbstundentakt in die vorbereiteten Pflanzlöcher gesetzt.

Japans Einfluss

Das Außenszenario lenkt die Aufmerksamkeit auf eine große Museumsausstellung. Im August wird „Im Japanfieber. Von Monet bis Manga“ eröffnet, anlässlich der Meiji-Restauration (1868 bis 1912), die sich zum 150. Mal jährt. Damals öffnete sich Japan nach 200 Jahren Isolation dem Westen, was in der westlichen Welt eine ästhetische Revolution auslöste. Am nachhaltigsten wirkte der Einfluss Japans auf die Naturwahrnehmung europäischer Maler. Deren neuer kontemplativer Blick auf die Umwelt ließ die Landschaften und Stillleben impressionistischer und fauvistischer Künstler gewagter, ausschnitthafter, nahsichtiger und unmittelbarer aussehen.

Die Zeit bis August nutzt das Arp Museum, um für seine Präsentation zu werben, die derzeit noch mit großem Erfolg vom französischen Kooperationspartner Musée des impressionnismes, Giverny, gezeigt wird. Darin allerdings erschöpft sich keineswegs die Funktion der neuen Gartenkultur. „Der Felsengarten ist ein einzigartiges Kunstwerk. Er ist Teil der Ausstellung und nicht bloße Illustration“, betont Petra Spielmann, die Geschäftsführerin des Arp Museums. Sie schildert darüber hinaus, wie die Umgestaltung des Wiesenhangs eine frappierende Dynamik entwickelte. „Wir haben für die Ausstellung anfangs vergeblich eine Leihgabe gesucht, ein Gemälde von Monet mit dem bekannten Motiv Seerosenteich mit Brücke. Spaßeshalber haben wir gesagt, wenn wir es nicht kriegen, machen wir uns selber eine Brücke. Alles andere hat sich drumherum entwickelt“.

Peter Berg gestaltet

Für das „Drumherum“ werden in Rolandseck Raupenbagger und Raupenkipper eingesetzt, um Erdreich zu bewegen, Steine zu setzen, Bäume zu einzupflanzen. Den Japanischen Felsengarten gestaltet Peter Berg aus Sinzig, einer der bekanntesten deutschen Landschaftsgärtner. „Natürlich macht man sich eine Skizze, um eine Vorstellung zu haben, aber wir halten es wie die Japaner, die in der Aktion auf intuitives Entscheiden setzen“, sagt Berg. Dann schickt er nach: „Das Bild muss allerdings schon im Kopf sein“.

Zum Bild gehören Kirschen, Flügelnuss, „ein sehr schöner Parkbaum“, Sophora japonica, auch Perlschnurbaum genannt, 13 Kiefern, ein Dutzend anderer Gehölze sowie Stauden und Gräser. Traumhafte Gärten und Parks hat der international tätige Peter Berg gerade erst in Japan erlebt. Die Vertreter der europäischen Vereinigung der Garten- und Landschaftbauer sahen im April in Tokio und Kyoto herausragende Projekte japanischer Gartenbaukunst. Dort bedauerte man, dass die Kirschblüte bereits vorbei war. Nicht so Berg: „Die Blüte wird überschätzt; es war besser so. Das frische Grün und die Stämme boten einen herrlichen Anblick.“

Orchester der Steine

Nach Rolandseck kommen Leihbäume der Baumschule Lappen in Geldern. „Das spart Kosten, ist aber dennoch teuer“, versichert Claudia Seiffert, stellvertretende Museumsleiterin. An Komponente zwei des Felsengartens lässt Berg mit seiner Affinität zu einheimischen Materialien keinen Zweifel aufkommen: „Es ist logisch, dass hier nur ein Stein in Frage kommt: Basalt - daraus besteht das Siebengebirge.“ Die Schwergewichte seien gebrochen, nicht gesprengt. „Dann lassen sie sich wieder besser natürlich zusammenstellen, und weisen homogenere Flächen auf.“ Berg stellt den Vergleich mit einem Orchester an: „Die Steine sollen im besten Fall das gleiche Lied spielen. Sie dürfen nicht nur abgelegt wirken.“

Von der japanischen Philosophie im Umgang mit Stein fasziniert, erlernte Berg sie zu Beginn seiner Gartenbaulaufbahn von einem japanischen Meister. Viel lässt er heranschaffen, neben 200 Tonnen Basalt drei Sattelzüge mit Gehölzen, dazu Lava-Kompost. Dennoch herrscht Reduzierung auf wenige Komponenten, Basalt und Pflanzen. „Das hilft, dass es ruhig ist“. Auf das Element Wasser hat man verzichtet, allerdings gibt es eine nur aus bestimmter Perspektive erkennbare „Brücke“ aus Stein, eben jener Nukleus, der der Japanischen Felsengarten erst nach sich zog. Stets bilden die Gärten Japans eine natürliche Szene nach. Auch Berg wird von dieser Intention geleitet, allerdings folgen seine Steinsetzungen nicht völlig der japanischen Gartenbaukunst, sondern ebenso seiner eigenen Interpretation und dem Einfluss westlichen Stils. Die Arbeiten im Zeitfenster von drei Wochen werden von einem schlanken Team von drei vier Leuten, zu dem auch der japanische Gartenmeister Hugo Torii gehört, bewerkstelligt. Berg schwört auf seine „eingespielte Mannschaft“.

Die Ausstellung

„Im Japanfieber - Von Monet bis Manga“, Sonntag, 26. August 2018 bis Sonntag, 20. Januar 2019 zeigt im Arp Museum den besonderen Einfluss der japanischen Kultur auf die westliche Kunst. Ausgehend von der Sammlung japanischer Farb-Holzschnitte des impressionistischen Malers Claude Monet, die erstmals in einem größeren Umfang außerhalb von Frankreich gezeigt wird, untersucht der historische Ausstellungsteil den Einfluss Japans auf den Impressionismus seit den 1870er Jahren. Meisterwerke von Monet, Signac, Seurat, van Gogh und weiteren bekannten Künstlern sind Zeugen dieses kulturellen Austausches. Interieur-Darstellungen aus den Künstlerateliers von Vallotton bis Ensor belegen das „Japanfieber“ mit fernöstlichen Requisiten und sinnlichen Geisha-Modellen im Kimono.

Dass der Japonismus keine Frage des 19. oder 20. Jahrhunderts ist, eröffnet der zweite Ausstellungsteil. Er zeigt, wie die kulturelle Inspiration Japans Bestandteil der westlichen Alltagskultur und so Teil der globalisierten Populärkultur wurde: von Manga-Comics in der Tradition japanischer Holzschnitte, über Anime, Zeichentrickfilme, die Kindheitshelden wie Biene Maja oder Heidi darstellen, bis hin zum Cosplay. Sie verwandeln nun auch das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in eine bunte Fantasiewelt. HG

Hier entsteht ein japanischer Felsengarten.

Hier entsteht ein japanischer Felsengarten.

Gartendesigner Peter Berg vor dem Bereich vor dem neu anzulegenden Außenbereich unterhalb des Bahnhofs.Fotos: HG

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