Arp Museum: Die große neue Ausstellung vollzieht einen dreifachen Brückenschlag
„Im Japanfieber - Von Monet bis Manga“
Claude Monet zählte seinerzeit zu den wichtigsten Sammlern japanischer Grafik
Rolandseck. Eine Welle der Begeisterung löste gegen Ende des 19. Jahrhunderts die japanische Kunst und alles Japanische aus. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt als diesjährigen Ausstellungshöhepunkt den immensen Einfluss Japans auf die westliche Kunst und schlägt den Bogen vom Impressionismus bis hin zur aktuellen Popkultur. Auch der Titel „Im Japanfieber - Von Monet bis Manga“ spiegelt den zeitenübergreifenden Ansatz.
Die große Doppelausstellung wurde in Kooperation mit dem Musée des Impressionisme, Giverny entwickelt. Im französischen Giverny zog sie spektakuläre 120.000 Besucher an, ein Erfolg, den dessen Generaldirektor Frédéric Frank „beim zweiten Leben der Ausstellung“ auch dem Partner in Rolandseck wünscht. Die Präsentation am Rhein ist jedoch nicht dieselbe. Sie kommt mit renommierten, aber etwas weniger Leihgaben daher als in Frankreich, weist andererseits jedoch einen zusätzlichen Ausstellungsschwerpunkt auf. Gemeint sind Manga, also Comics und Anime, japanische Zeichentrickfilme, die hierzulande seit der Verfilmung von Biene Maja und Heidi in den 1970er Jahren bekannt sind. Frankreich, Deutschland, Japan – das Arp Museum vollzieht also einen dreifachen Brückenschlag.
Ästhetische Revolution
In diesem ersten Beitrag zur Ausstellung in BLICK aktuell wird die Rede von den Anfängen des Japonismus sein. Der Beginn der Meiji-Zeit (1889 - 1912), der sich 2018 zum 150. Mal jährt, bot den Anlass für das Ausstellungsprojekt. Damals öffnete sich Japan nach fast 200 Jahren Isolation dem Westen, was zu politischen und wirtschaftlichen Beziehungen führte, aber in der westlichen Welt auch eine ästhetische Revolution auslöste. Millionen Menschen lernten die japanische Kunst bei den großen Weltausstellungen in Wien (1873) und in Paris (1878) kennen, an denen die Meiji-Regierung teilnahm, um japanischen Künstlern und Kunsthandwerkern neue Märkte zu eröffnen.
Der japanische Einfluss erreichte die westliche Gesellschaft und außerdem alle Gattungen des Kunstschaffens. Viele Künstler im Westen nahmen die exotischen Neuheiten begeistert auf, darunter Claude Monet, Paul Signac und Vincent van Gogh. „1868 weitet sich plötzlich der Horizont. Die aufgehende Sonne gewährt Gästen Eintritt in ihr Reich. Die berufsmäßigen Voyeure – die Maler – eilen herbei“, umreißt Erik Orsenna, Präsident des Festivals Normandie Impressioniste, im Ausstellungskatalog das Phänomen. Es greift um sich, dass die Künstler japanische Holzschnitte sammeln. Und so treffen die Besucher in der Kunstkammer Rau zuerst auf die Künstlerateliers, um nachzuvollziehen, wie sich das Japanfieber in deren Interieurs von James Ensor bis Félix Vallotton manifestiert.
Fernöstlicher Traum
Vallotton stellt im Gemälde sein Atelier vor, darin seinen Schwiegersohn vor zwei Werken des für seine Farbholzschnitte bekannten japanischen Künstlers Utamaro. Von Ensor stammt ein Stillleben mit lauter Chinoiserien. Louis Valtat malte 1893 eine sitzende Nackte mit japanischem Fächer, die offenbar amüsiert „Die weißen Mäuse“ auf ihren Beinen beobachtet. Unabdingbar: Claude Monet. Er präsentiert sich auf einem Foto von um 1915 in seinem Esszimmer in Giverny. An den Wänden hängt seine berühmte japanische Farbholzschnittsammlung. Monet ist für die Ausstellung in doppelter Hinsicht bedeutsam, wegen seiner Gemälde und eben jener Sammlung farbiger Holzschnitte des Museums in Giverny. In Rolandseck werden erstmals in einem größeren Konvolut außerhalb Frankreichs gezeigt.
Mit dem Garten in Giverny, mit asiatischen Pflanzen wie Azaleen und Chrysanthemen, mit Seerosenteich und Brücke, realisierte Monet seinen fernöstlichen Traum. Die von ihm wieder und wieder gemalten Seerosen sind im runden Bildformat präsent. Der Teich schimmert in einem weiteren Bild durch einen Trauerweidenvorhang. Und die geschwungene Brücke hat er in einem wieder anderen Format in einer dampfenden, schlingernden grün-blauen Gartenimpression mehr versteckt als dargeboten. Generell wirkte der Einfluss Japans am nachhaltigsten auf die Naturwahrnehmung europäischer Maler. Deren neuer kontemplativer Blick auf die Umwelt ließ die Landschaften und Stillleben impressionistischer und fauvistischer Künstler nun direkter und lebendiger aussehen. Vor den Exponaten lassen sich die Gründe nachvollziehen, die Kuratorin Dr. Susanne Blöcker im Ausstellungskatalog so beschreibt: „er (der Einfluss Japans) weitete und schärfte unsere Wahrnehmung, lenkte unser Augenmerk auf unsere Umwelt, auf die Schönheit jedes Details. Gewagte Naturausschnitte, hohe Horizonte, überraschende Nahsichten und die Unmittelbarkeit des Augenblicks bestimmten seitdem viele Landschaften und Stillleben von Monet, Caillebotte, Signac bis van Gogh.“
Ein Ausstellungsteil widmet sich dem Thema der Geisha. Einige Maler staffierten ihre Modelle, die als neue Verkörperung weiblicher Sinnlichkeit auftraten, mit Schirmen, Fächern und Kimonos aus. Das ging nicht selten mit der Verwechslung von Geisha und Kurtisane einher.
„Im Japanfieber - Von Monet bis Manga“, ist im Arp Museum, Hans-Arp-Allee 1, bis 20. Januar 2019 zu sehen.
HG
Louis Valtat malte 1893 die nackte Frau mit weißen Mäusen und japanischem Fächer.
Wie durch einen Trauerweidenvorhang geht Monets Blick auf seinen Gartenteich.
