Winterwanderung der Europa-Union Mayen-Koblenz
Im Reisebus zum Heiligen Christophorus
Der alljährliche Ausflug führte die zahlreichen Teilnehmer diesmal in eine geschichtsträchtige Stadt in der Region
Münstermaifeld. Von fern schon lässt sich das Wahrzeichen des Reiseziels sehen, aber steht man erst einmal auf dem weiten Platz, auf dem sich das Bauwerk aus der Bebauung des umgebenden Stiftsbezirks heraushebt, wird der monumentale Eindruck noch unterstrichen: 34 Meter ragt der wuchtige Doppelturm der Stiftskirche in den wolkenverhangenen Himmel. Am Kirchenschiff selbst fließen romanische und gotische Stilelemente ineinander über – den im schon hochgotischen „Paradies“, dem Haupteingang stehenden 40 Besuchern, allesamt Mitglieder und Freunde der Europa-Union Mayen-Koblenz, lassen die beiden Stadtführer Bedeutung und Baugeschichte der Stiftskirche und des Chorherrenstifts vor dem geistigen Auge lebendig werden: im Inneren des Gotteshauses belegen allein schon der reichlich vergoldete spätgotische „ Antwerpener“ Hochaltar und das imposante, lange unter dicken Farbschichten verborgene Wandbild des Heiligen Christophorus, im 13. Jahrhundert „al fresco“ auf die Wand gemalt, die Bedeutung augenfällig.
Wo mag die Reise hingeführt haben? Kleiner Tipp: Auch Nikolaus von Kues, einer der großen mittelalterlichen Theologen und Humanisten von europäischem Rang, lebte hier über zehn Jahre als Probst. Aber vielleicht erst noch etwas vom Besuch des neu geschaffenen Archäologischen Museums im Gewölbe der alten Propstei: von rekonstruierten Gräbern, recht echt wirkende Nachbildungen einiger der über 500 merowingisch-fränkischen Gräber, die die Archäologen rund um die Kirche herum bei der Neugestaltung des Platzes gefunden haben – oder von den neben (kunststoff)bleichen Gebeinen liegenden, gut erhaltenen Grabbeigaben wie Kämmen und Fibeln, mit denen die Vorfahren lange vor der Erfindung von Knopf und Reißverschluss die Gewänder zusammen hielten, aber auch von verbogenen bronzenen und halb zerfressenen eisernen Schwertern aus auch damals unfriedlicher Zeit.
Faustkeile und bauchige, verzierte Keramikfunde zeigen an, dass die Besucher sich an einem Ort befinden, der schon frühzeitlich in der Jungsteinzeit, also lang vor Kelten, Römern und Franken besiedelt war. die Jahresabschlussfahrt, kurz vor Jahresende, führte - ins nahe Münstermaifeld. Die beiden in Heimat- wie in Kunstgeschichte wohl bewanderten Stadt-, Kirchen- und Museumsführer, deren einer sein Wissen sogar in schönstem Dialekt – und doch überaus verständlich - auszubreiten wusste, führten durch die engen Gassen, vorbei an Höfen und barocken Stadthäusern der Stiftsherren, machten an etlichen Gebäude halt, wussten humorvoll von Personen und Ereignissen zu berichten und konnten so manchem der aus dem nachbarlichen Mayen und Umgebung angereisten Besuchern doch etliches zeigen und berichten, was selbst denen neu war, die meinten, sich im nahen Münstermaifeld nun doch wirklich auszukennen, da sie doch hier schon des Öfteren „löffelnd“ zu Gast gewesen waren.
Bewegender Synagogenbesuch
Kaum einer dürfte freilich zuvor Zutritt zur ehemaligen Synagoge Münstermaifelds gehabt haben - um 1885 erbaut, wurde das Gebäude beim Novemberpogrom 1938 verwüstet und angezündet: Dachstuhl, Innenausstattung - alles wurde zerstört, praktisch nur die Außenmauern überstanden. Nachdem das Gebäude 1986 unter Denkmalschutz gestellt war, beschloss die Stadt, das Bauwerk als Gedenkstätte für die jüdischen Opfer Münstermaifelds zu erhalten. Nachdem sich auf die Initiative von Schülern des Gymnasiums ein Förderverein gebildet hatte, erhielt die Ruine wieder ein Dach. Seit dem Jahre 2013 dient das Gebäude als Mahnmal und museale Erinnerungsstätte. Die Teilnehmer haben sie tief bewegt in der Abenddämmerung verlassen.
Zurück auf dem Marktplatz, zu Gast in einem neu gestalteten Lokal und mit allen kulinarischen Annehmlichkeiten versorgt, vergingen die zwei Stunden bis zur Heimfahrt wie im Fluge. Und St. Christophorus hat das Gefährt auch auf der Heimfahrt getreulich begleitet.
