Allgemeine Berichte | 14.10.2022

Viele offene Fragen zur Zukunft des Einzelhandels in der Kreisstadt

Impulse für die Innenstadt von Bad Neuenahr und Ahrweiler dringend gesucht

Stadtrat beschließt „Sofort-Strategie 2022/23“ mit Maßnahmen, um ein digitales Leerstand- und Ansiedlungsmanagement zu etablieren – Pop-up-Stores sollen Leerstände überbrücken – Neue Festformate für die Innenstädte

Die Innenstadt von Ahrweiler ein Jahr nach der Flut.  Foto: ROB

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit einer „Sofort-Strategie 2022/23“ will der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler dem Einzelhandel in der Kreisstadt wieder auf die Beine helfen. Laut einstimmigem Beschluss sollen im Rahmen des Modellvorhabens „Innenstadt-Impulse“ nach einer bereits festgelegten Priorisierungsliste Maßnahmen umgesetzt werden, um ein digitales Leerstand- und Ansiedlungsmanagement zu etablieren. So hofft man, in Erfahrung zu bringen, welche Geschäfte in den Innenstadtbereichen von Ahrweiler und Bad Neuenahr wieder aufgebaut werden und welche wohl nicht mehr wiederkommen wollen. Denn derzeit könnten diese Fragen von niemandem beantwortet werden, hieß es in der jüngsten Stadtratssitzung.

In Workshops war die Prioritätenliste erarbeitet und anschließend in eine Priorisierungsmatrix überführt worden, an der neben Vertretern der Werbegemeinschaft und der GrünCard auch der Ahrtal-Tourismus und die IHK Koblenz mitgewirkt hatten. Ganz oben auf der Wunschliste stand dabei die Entwicklung von „Pop-up-Konzepten“ sowie ein Gestaltungsleitfaden für leerstehende Immobilien. Schnell umgesetzt werden sollen zudem digitale Alltagsbegleiter wie eine App zum Stadtportal, und nicht zuletzt sollen auch Feste und Events ins Leben gerufen werden, die die Innenstädte wieder lebendig werden lassen. Besonders die Idee einer neuen Wein- und Genussmeile stieß auf viel Gegenliebe.

Arbeitskreis Leerstandsmanagement gründen

Das geplante Leerstands- und Ansiedlungsmanagement soll sich in mehrere Teilbereiche untergliedern, die die Düsseldorfer Vitail GmbH zu einem Katalog zusammengestellt hat. An erster Stelle steht hier die Etablierung eines „Arbeitskreises Leerstandsmanagement“, in dem sich die städtische Wirtschaftsförderung in enger Zusammenarbeit mit den Stadtplanern um die Aktivierung eines Eigentümernetzwerks für die Innenstadt von Bad Neuenahr und das Stadtzentrum von Ahrweiler kümmern sollen. Dafür soll eine entsprechende Datenbank angelegt werden, die auch mögliche Interessen und Auflagen der jeweiligen Eigentümer umfassen soll. Als nächstes steht das Erstellen eines Leerstandskatasters auf dem Programm. Über einen digitalen Leerstandsmelder, der auf der Webseite der Stadt eingebettet werden soll, werden dann die zuvor erhobenen Leerstände angezeigt. Hier können sich Interessenten über mögliche künftige Geschäftsräume informieren. Zudem ist für die interne Nutzung ein digitales Leerstandskataster mit Kartierung und einer Adressdatenbank für den immobilienwirtschaftlichen Dialog in Planung. Die Vitail GmbH schlägt hierfür die das digitale Tool LeAn vor, das im Rahmen des durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Projekts „Stadtlabore für Deutschland“ entwickelt wird.

Um die künftige Leerstände zu überbrücken, könnten „Pop-up-Stores“ mit temporären Angeboten beispielsweise für Saisonartikel oder zum Testen von Geschäftsideen dort vorübergehend einziehen, möglicherweise auch im Rahmen eines Start-up-/Gründer Wettbewerbs. Allerdings müssten in diesem Fall die Vermieter bereit sein, auf langfristige Mietverträge zu verzichten.

Als nächstes soll ein Gestaltungsleitfaden für leerstehende Immobilien entwickelt werden, der beispielsweise verpflichtend vorgeben könnte, wie Schaufenster zu gestalten sind. Dieser Gestaltungsleitfaden könnte sich aber auch aktueller Baustellen annehmen, um zu signalisieren, dass sich in der Stadt etwas tut, etwa indem historische Bilder großformatig dargeboten werden, oder ein Kunstprojekt sorgt für Aufmerksamkeit.

Entwicklung von digitalen Alltagsbegleitern

Wichtig für den Einzelhandel in der Kreisstadt ist zudem die Entwicklung von digitalen Alltagsbegleitern. In diesem Bereich gebe es bereits eine große Fülle von erprobten Konzepten und auch die passenden Module, hier gelte es vor allem, die richtigen für die Bedürfnisse der Kreisstadt zu finden. Das reicht über digitale Community-Begegnungsräume wie Chats, Flohmärkte oder Jobbörsen über digitale Schaufenster bis hin zum Abbau von Zutrittshürden mittels digitaler Bürgerkarten.

Priorität haben auch Maßnahmen für „Lebendige Städte durch Feste und Events“, neue Formate für Festivitäten sind hier gerne gesehen. So komme die Etablierung eines Feierabend-Marktes infrage als Kombination von Wochenmarkt mit Speisen, Getränken und Musik.

Die städtische Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft soll darüber hinaus beauftragt werden, Maßnahmen vorzuschlagen, die im Kern auf die Neugestaltung der Innenstädte abzielen. Gedacht wird hier etwa an das Schaffen eines Wasserlaufs oder eines begehbaren Wasserspielplatzes, das Anlegen von Sitzmöglichkeiten, die „Mediterranisierung“ öffentlicher Plätze oder sogar einen Stadtstrand. Hier sind auch die Öffentlichkeit und die Bürger um ihre Beteiligung gefragt.

Hoffnung auf finanzielle Förderung

Mit alldem soll möglichst schnell begonnen werden, deshalb hat die Verwaltung bereits Maßnahmen für das Modellvorhaben „Innenstadt-Impulse“ beantragt, auch in der Hoffnung auf eine finanzielle Förderung. So gibt es bereits Förderanträge für Kooperatives Innenstadtmarketing, Aktionstage für eine aktive und lebendige Innenstadt oder die Fusion der beiden Werbegemeinschaften. Denn dem Stadtrat war auch klar, dass der Maßnahmenkatalog sowohl für die schnelle Umsetzung einer Sofort-Strategie 2022/23, als auch für die Umsetzung eines integrierten Innenstadtkonzept 2030 sehr lang ist und nicht ausschließlich von den örtlichen Akteuren umgesetzt werden kann.

Damit Stadt, IHK oder Werbegemeinschaften wissen, was bei externer Beratung auf sie zukommt, hat die Vitail GmbH der Auflistung der Maßnahmen mit detaillierten Abläufen auch die möglichen Kosten externer Dienstleister angefügt. Demnach dürfte sich die Etablierung eines „Arbeitskreises Leerstandsmanagement“ auf 17.850 Euro belaufen. Die Einführung eines digitalen Leerstands- und Ansiedlungsmanagements beziffert Vitail auf 10.900 Euro für die Einrichtung und Entwicklung zuzüglich jährlicher Fixkosten von 3.600 Euro. Ein Schulungstag für „Visual Marketing“ im Hinblick auf die Entwicklung eines verpflichtenden Gestaltungsleitfadens fürr leerstehende Immobilien schlägt mit 5.000 Euro zu Buche. JOST

Die Innenstadt von Ahrweiler ein Jahr nach der Flut. Foto: ROB

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