Masgeik-Stiftung hatte zusammen mit dem Naturpark Nassau und dem Verkehrsverein zu einer Exkursion eingeladen
In Arzbach fühlen sich die Schwalben wohl
Arzbach. Die Masgeik-Stiftung hatte zusammen mit dem Naturpark Nassau und dem Verkehrsverein Arzbach zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der die heimischen Schwalbenarten im Vordergrund standen. Treffpunkt war der Jugendraum der Ortsgemeinde Arzbach in der Limeshalle. Dort stellte Naturschutzreferent Philipp Schiefenhövel von der Stiftung zunächst die beiden häufigsten heimischen Schwalbenarten vor, die Rauch- und die Mehlschwalbe. Der Name der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) basiert auf dem Wort „rustica“, was ländlich oder auch bäuerlich heißt. Der wissenschaftliche Name der Mehlschwalbe (Delichon urbica) beinhaltet das Wort „urbica“, das sich mit „städtisch“ übersetzen lässt.
Wie die Namen der beiden Kulturfolger des Menschen schon vermuten lassen, brüten Rauchschwalben eher in ländlichen Gebieten und dort vor allem in Aussiedlerhöfen und Reitanlagen. Die Mehlschwalbe hingegen nutzt gern Dörfer und Städte zur Aufzucht ihrer Jungen. Obwohl Schwankungen sowohl bei den Beständen der Rauch- als auch der Mehlschwalbe nichts Ungewöhnliches sind, wird in Deutschland seit den siebziger Jahren ein Rückgang beider Arten im ländlichen Raum verzeichnet. Der Bestandsrückgang der Rauchschwalbenpopulation ist in erster Linie in der Intensivierung der bäuerlichen Betriebe zu suchen, die in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. Durch den Wandel von kleinbäuerlichen Betrieben hin zu landwirtschaftlichen, industriell geprägten Großbetrieben geht die kleinräumige Bewirtschaftung der Flächen hin zu Monokulturen und großen Schlägen verloren. Dies führt zu „ausgeräumten“ Landschaften mit weniger Insekten und damit weniger Nahrungsgrundlagen für die Schwalben. Auch das Schließen von Ställen, um den EU-Hygieneanforderungen zu genügen, wirkt sich negativ auf die Bestände aus. Säuberungsmaßnahmen an Häusern sowie Veränderungen der dörflichen Strukturen führen zu einem Rückgang der Mehlschwalbenbestände. Auch klimatische Veränderungen, die eine Senkung des Nahrungsangebots zur Folge haben, können eine Bestandsfluktuation verursachen.
Ergebnisse vorgestellt
Nach dieser Einführung in die Biologie und die Lebensweisen der Schwalbenarten stellte Naturparkreferent Stefan Eschenauer die vorläufigen Ergebnisse der Schwalbenkartierungen vor. Dazu wurden von Simone Held, die im Naturpark ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, Aussiedlerhöfe und Reitanlagen im ganzen Gebiet des Naturparks angefahren und gefundene Nester und Brutpaare erfasst. Auch in der Ortsgemeinde Arzbach wurden die Nester notiert und nach Kunst- und Naturnestern unterschieden. Als Grundlage der Arbeit dienten zwei Kartierungen des Naturparks von 1997 und 1998, die unter Anleitung von Ursula Braun angefertigt wurden. Die Endergebnisse werden bald in Form eines Berichts veröffentlicht, der dann beim Naturpark bestellt werden kann.
Exkursion durch den Ort
Unter der Führung von Schiefenhövel folgte noch eine Exkursion durch die Ortsgemeinde. In Arzbach wurden in der Vergangenheit viele Kunstnester, insgesamt etwa 130, an den Häusern angebracht, sodass einige Schwalben beim Anflug der Nester und bei der Fütterung des Nachwuchses beobachtet werden konnten. Zum Abschluss der Exkursion ging es noch in die Halle der Firma Modigell-Scherer. Dort werden, obwohl Reinigungsmaßnahmen erhebliche Arbeit verursachen, seit Jahren die dort brütenden Rauchschwalben unterstützt. Ein beispielhaftes Vorbild im Schwalbenschutz und sicher ein Grund, wa-rum sich die heimischen Vögel in Arzbach wohlfühlen.
