Allgemeine Berichte | 09.02.2021

Profanierung der Pallottikirche in Rheinbach

In den Gedanken der Menschen werden die Pallottiner immer Teil von Rheinbach bleiben

Nach einer ebenso feierlichen wie wehmütigen Zeremonie ist die Pallottikirche kein Gotteshaus mehr, sondern lediglich „ein schöner großer Raum, der mal als Kirche gebaut worden ist“

Pallottiner-Provinzial Pater Helmut Scharler zelebrierte den Profanierungs-Gottesdienst in der Pallottikirche.Fotos: JOST

Rheinbach. Es ist vollbracht. Die Pallottikirche in Rheinbach wurde am Samstag in einer ebenso feierlichen wie wehmütigen Zeremonie profaniert und ist jetzt kein Gotteshaus mehr, sondern lediglich ein „schöner großer Raum, der mal als Kirche gebaut worden ist“, wie Rheinbachs Pfarrer Bernhard Dobelke in seinem Grußwort bemerkte. Den letzten Gottesdienst zelebrierte Pallottiner-Provinzial Pater Helmut Scharler mit Unterstützung von acht Mitbrüdern und Geistlichen. Darunter war Kreisdechant Hans-Josef Lahr, der auch das entscheidende Dekret des Erzbistums Köln verlas, mit dem die Kirche ihren sakralen Status verlor und künftig als säkulares Gebäude - wohl unter Denkmalschutz - weiter existiert.

Verstand, Herz und Gemüt wurden hier gebildet

Doch zuvor erlebten coronabedingt lediglich 60 Gottesdienstbesucher eine emotionale Eucharistiefeier, bei der Pallottinerin Ursula Knoch (UAC) die Lesung übernahm. In seiner Predigt gab Pallottiner-Provinzial Pater Helmut Scharler zu, dass ein Abschied zwar nicht schön sei, dennoch aber gestaltet werden müsse, denn er gehöre zum Leben dazu. Rheinbach sei „die große Zeit“ für die Pallottiner gewesen, „da war Leben, Buntheit, Jung und Alt gemeinsam unterwegs - da war was los in einer Bildungseinrichtung, in der nicht nur der Verstand, sondern auch das Herz und das Gemüt der Schüler gebildet wurden.“ Viele Menschen seien hier geprägt worden, hätten Orientierung erhalten, Freundschaften geknüpft und seien auf ein gelingendes Leben vorbereitet worden. Die Kommunität sei eine Art „kleines pallottinisches Dorf“ innerhalb der Stadt gewesen mit eigener Gärtnerei und Bäckerei, „wir haben das Stadtbild geprägt, man kannte uns.“ Doch das sei nun endgültig Vergangenheit.

Dankbar blickten die Pallottiner auf diese Zeit zurück. „Wir durften sehr vielen jungen Menschen das Rüstzeug für ihr Leben geben - gibt es etwas Schöneres?“ Doch nun sei es Zeit, weiterzugehen und aufzubrechen. Dabei wolle man nicht rückwärtsgewandt zurückschauen, sondern hoffnungsvoll nach vorne blicken. „Abschiedsschmerz gehört dazu, aber auch die Ausrichtung auf das Neue. Wenn es noch Leben in uns Pallottinern gibt, dann gehen wir weiter, dem nächsten Abenteuer entgegen.“ Künftig wolle man zum Aufbau von Kirchen in Afrika beitragen und zugleich den Horizont erweitern, denn dort habe man eine Perspektive, der Abschied bringe Lust auf Neues. Als Zeichen des Aufbruchs übergab der Provinzial das Altarkreuz aus der Pallottikirche mit den eingelassenen Reliquien des heiligen Vinzenz Pallotti an Pater John, der es in eine gerade entstehende neue Kirche in Malawi bringen wird.

Eines der herausragenden Bauwerke in ganz Rheinbach

Nach der letztmaligen Kommunionsausteilung ergriff Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken (parteilos) das Wort und blickte dankbar auf das Wirken der Pallottiner in Rheinbach zurück. „Die Pallottikirche ist heute noch eines der herausragenden Bauwerke in ganz Rheinbach.“ Sie sei der Mittelpunkt des pallottinischen Handelns gewesen und habe über Jahrzehnte hinweg das Stadtbild mitgeprägt. „Die Stadt bedauert es sehr, dass die Pallottiner nicht mehr in der Lage sind, den Standort aufrechtzuerhalten.“ Das ziehe einen strukturellen Verlust für die Stadt nach sich, und das gelte auch für die Profanierung der Kirche. Erfreulich sei es immerhin, dass viele liturgische Objekte künftig in aller Welt weiterverwendet würden, „sie werden weiterleben und ihre Funktion an anderer Stelle erfüllen.“ Leider sei derzeit noch völlig unklar, was aus dem säkularisierten Kirchengebäude werde: „Was die Zukunft des Baudenkmals betrifft - da muss man abwarten.“

Der leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Martin in Rheinbach, Bernhard Dobelke, erinnerte daran, dass die Pallottiner nach biblischem Maßstab mehr als ein Menschenleben lang die Stadt und das Leben der Menschen hier mitgeprägt hätten. Und er war sich sicher: „Etwas von dem, was sie hier gewirkt haben, wird bleiben.“ Leider werde aus dem bisherigen Kirchengebäude nun „ein schöner großer Raum, der mal als Kirche gebaut worden ist.“ Sämtliche kirchlichen Termine, die bislang in der Pallottikirche stattgefunden hätten, würden künftig in der Pfarrkirche St. Martin eine neue Heimat finden. Immerhin bleibe aber auf jeden Fall die kleine Marienkapelle der Pallottiner als Sakralbau erhalten, um den sich die Pfarrgemeinde künftig kümmern werde. Dobelke schloss mit dem Wunsch: „Vergelts Gott, für alles, was ihr hier getan habt.“

Abschied heißt nicht, dass die Pallottiner weg sind

Auch der ehemalige Verwaltungsleiter des Pallottiner-Standorts Rheinbach, „Ehrenvizeprovinzial“ Jürgen Wünsch, bestätigte: „Es war eine schöne Zeit mit Ihnen allen!“ Erfreulicherweise hätten mittlerweile alle Mitbrüder eine neue Heimat gefunden oder stünden kurz davor. Er wusste aber auch, dass es für einige von ihnen ein Schritt ins Ungewisse sei. Doch er stellte auch klar: „Wenn die Kirche profaniert und die Tore der Bildungsstätte geschlossen sind, heißt das noch lange nicht, dass die Pallottiner weg sind - in den Gedanken der Menschen werden die Pallottiner immer ein Teil von Rheinbach sein.“

Schließlich wurde noch ein Brief von Weihbischof Dominik Schwaderlapp verlesen, der einerseits bedauerte, dass die Pallottiner ihren Standort in Rheinbach nun endgültig auf Gegebenheiten, zugleich aber anerkannte, dass der Orden weiterhin an Aufbau des Reiches Gottes mitarbeite, wenn auch in Übersee.

Ritus der Profanierung unter dramatischen Orgelklängen

Nun folgte der eigentliche Ritus der Profanierung mit dem Abschiedsgebet von Pater Bruno Kremsler, dem letzten Pallottiner in Rheinbach. Die Reliquien wurden unter dramatischen Orgelklängen von Seelsorgebereichsmusikerin Christiane Goecke-Goos dem Altar entnommen, in den sie eingemauert waren. Anschließend wurde das ewige Licht gelöscht, ebenso die Altarkerzen, und der Tabernakel mit dem Allerheiligsten und den Heiligenfiguren in einer stillen Prozession nach draußen getragen. Das Inventar der Kirche wird später an verschiedenen sakralen Standorten weiter im religiösen Rahmen genutzt: Die Marienstatue geht beispielsweise nach Kamerun. Altar, Bänke und Orgel finden in Pristina im Kosovo eine neue Heimat. Das Stahlkreuz über dem Altar und der Tabernakel werden nach Nigeria gebracht, wo die Pallottiner ein Jugendhaus bauen werden. Das Altarkreuz hat einen neuen Standort in einer im Bau befindlichen Kirche in Malawi.

Wenn eine Kirche entweiht wird, ist die logische Voraussetzung, dass sie zuvor geweiht worden ist. Dieser Ritus wird bei der Profanierung sozusagen rückgängig gemacht. Die wichtigste Handlung bei der Weihe einer neuen Kirche ist die Altarweihe. Dazu gehört die Besprengung des Tisches mit Weihwasser, seine Salbung mit Chrisam, das Verbrennen von Weihrauch auf dem Altar, das Weihegebet, das Auflegen des Altartuchs mit Anzünden der Kerzen. Und vor all dem die Beisetzung von Reliquien im Altar.

Es handelt sich bei Reliquien um Überreste religiöser Persönlichkeiten, im Fall der Pallottikirche Reliquien vom Heiligen Vinzenz Pallotti. Dabei muss es sich übrigens nicht zwingend um ein Körperteil handeln, sondern kann auch ein Stück Kleidung der Person oder ein Gebrauchsgegenstand sein, mit dem der Heilige in Berührung gekommen ist.

JOST

Das Altarkreuz findet künftig seinen Platz in einer Kirche in Malawi.

Das Altarkreuz findet künftig seinen Platz in einer Kirche in Malawi. Foto: Volker Jost

Bürgermeister Ludger Banken dankte den Pallottinern für ihr Wirken in der Stadt über fast neun Jahrzehnte.

Bürgermeister Ludger Banken dankte den Pallottinern für ihr Wirken in der Stadt über fast neun Jahrzehnte. Foto: Volker Jost

Pallottiner-Provinzial Pater Helmut Scharler zelebrierte den Profanierungs-Gottesdienst in der Pallottikirche.Fotos: JOST Foto: Volker Jost

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