Närrische Kunstausstellung im Kulturbahnhof
„Initiative Breisiger Künstler“ malte die fünfte Jahreszeit
Bad Breisig. Die „Initiative Bad Breisiger Künstler“ hat in den letzten Jahren viel Bewegung in die quellenstädtische Kulturszene gebracht. Die Präsentationen dessen, was künstlerisch begabte Laien, Semi-Professionells und Berufs-Künstler in ihren Wohnzimmern oder Ateliers an Kreativität auf Leinwand bringen, hat dem Kultur-Schaffen der quellenstädtischen Kreativen in puncto Quantität, aber auch hinsichtlich Qualität zu einem guten Ruf über die Grenzen der Stadt hinaus verholfen. Das alles hat zur Folge, dass sich auch Maler und andere Künstler aus dem Umkreis zur Breisiger Künstler-Initiative hingezogen, sich auch in deren Aufgabenstellung eingebunden fühlen.
Kunst zur fünften Jahreszeit
So auch jetzt wieder, da Hilla Hildebrand, die Vordenkerin, ihre Gleichgesinnten dazu animiert hatte, „Kunst zur fünften Jahreszeit“ zu schaffen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Kreativen der Bad Breisiger Kunstszene mit der Narretei beschäftigen. Schon in den 30er Jahren hat Erika von Roques, eine damals bedeutende Breisiger Malerin, Sujets aus dem Karneval in Öl auf Leinwand gebannt. In dieser Tradition haben sich jetzt auch die Mitglieder der aktuellen Initiative in die Gedankenwelt der Narren versetzt und Fantasievolles daraus – meist mit Acrylfarben - auf Leinwand gebracht.
In einer aufwändig gestalteten Vernissage wurden die Geheimnisse aus den Ateliers vor Ehrengästen wie MdL Guido Ernst, Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach, Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch und Waldi Fabritius, dem zum „Schirmherrn der Ausstellung“ ernannten Ehrenpräsidenten
der Karnevals-Gesellschaft gelüf tet. Gabriele Hermann-Lersch gab in einer inhaltsvollen Laudatio auf die Breisiger Kunstszene den Startschuss, Bernd Weidenbach dang mehr philosophisch in Mysterien und das Wesen der darstellenden Kunst ein und Waldi Fabritius nahm die Verbindung von Karneval und Kunst mehr von der fröhlichen Seite.
Erstaunliche Ausstellungsstücke
Dann genug der Vorreden: Der Rundgang zu den Erzeugnissen künstlerischer Schöpferkraft förderte Erstaunliches zutage: Immer wieder rückte das Bild des Clowns in den Mittelpunkt. Zum Beispiel setzt Doris Anger den fröhlichen Gesellen ins Bild und lackiert ihre farbenfrohe Darstellung auf Leinwand. Erika Weißenhagen versetzt ihn nach Venedig, widmete sich aber auch einer Möhnen-Versammlung und weint mit einigen „Trauerklößen“ in den nicht aufzuhaltenden Aschermittwoch. Der bekennende Berliner Klaus-Peter Büschel („Ick weeß nischt vom rheinischen Karneval“) orientiert sich weiter südlich und malt maskierte schwäbische Narren. Klaus Marek lässt Herzen an Ladys schenken, malt aber auch einen wunderschönen Bajazzo und darüber hinaus eine Narren-Familie, die gleich in zwei unterschiedlichen Techniken. Sophie Adrian kombinier abstrakt und gegenständlich das Sujet „Wurfmaterial“ im Karnevalszug. Hilla Hildebrand sieht auch integrierte Muslime im Karnevalstrubel, entdeckt aber auch abstrakt die Politik und deren Verwirrspiel in der Narrenwelt.
Annegret Brix-Schulz sieht die bunte Jeckerei in einem mit Kreide auf Holz übertragenen prächtigen Hahn. Edda Hoffmann ist vom Schmerz des Aschermittwochs gepackt: Das Aquarell des weinenden Clowns ist das Symbol. Soweit die Inspirationen der Maler und Zeichner. Aber da ist ja Paul Hömmerich, der sich der plastischen Darstellung verschrieben hat. Grandiose Masken, weinend, lachend, nachdenkend, schimpfend: Große Kunst, in Holz geschnitzt oder aus Steingut geformt. Und da sind die beiden fotografischen Sammlungen, die an den Sinn der Kunstausstellung erinnern: Arbeiten des ambitionierten Foto-Künstlers Walter Buhr, der vergangene Zeiten auf dem Narrenthron in den Mittelpunkt seiner Sammel -Tafel stellt, und zum andern ein Überblick über die verschiedenen in diesem Jahr zu feiernden Jubiläen der Bad Breisiger KG.
Ein Höhepunkt war der überraschende Besuch der Ausstellung durch Prinz Michael I. mit seinem Hofstaat. Er würdigte in einer launigen Ansprache die Idee einer Kunstpräsentation zur „fünften Jahreszeit“ und bedankte sich bei Hilla Hildebrand mit Sessionsorden und Bützchen. Schon allein die Idee, sich mit aktuellen Anliegen der Bürger - in diesem Fall: Karneval - auseinanderzusetzen, verdiene hohe Anerkennung. Und bald gäbe es ja eine neue Aufgabe für die Künstler-Familie. Der Besucher erinnerte daran: Vom 23. bis 25. Juni findet in Bad Breisig die „6. Biennale WASSER“ statt. Dazu müsse viel Neues - weniger Närrisches - geschaffen werden, damit die entsprechende Kunst für die Biennale wieder den gewohnten, angemessenen Mittelpunkt darstelle.
FA
