Die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen informiert
Integration - auf die spielerische Art
Theaterprojekt des Koblenzer Jobcenters will Flüchtlingen gesellschaftlichen und beruflichen Neustart erleichtern
Koblenz. Sie haben ihre Heimat oft unter dramatischen Bedingungen verlassen und versuchen in einer ihnen fremden Kultur mit einer Sprache, die sie kaum verstehen, einen Neuanfang. Das Leben der meisten Flüchtlinge in Deutschland ist nicht einfach. Aber es darf trotzdem Spaß machen, dachte man sich im Jobcenter Stadt Koblenz und entschloss sich für einen völlig neuen Weg: Ein professionell begleitetes Theaterprojekt soll jungen Asylantinnen und Asylanten nicht nur deutsche Sprache und Kultur nahebringen, sondern auch ihre Chancen auf dem regionalen Arbeitsmarkt deutlich verbessern.
Dass es bei der Integration von Flüchtlingen bessere Wege geben muss, als diese bloß zum Pauken der Sprache anzuhalten und sie mit der gesellschaftlichen Realität ihrer neuen Heimat zu konfrontieren, war Joachim Höllen schon länger klar. „Es gibt auf dem Markt auch jede Menge Ideen, die uns aber alle nicht restlos überzeugten“, erklärt der Teamleiter, der beim Koblenzer Jobcenter für die Betreuung von Flüchtlingen verantwortlich ist. Bis sie beim Blick über die Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen auf den Bildungsträger „defakto“ stießen, der mit seinem Theaterprojekt interessante Erfolge vorweisen konnte.
„Natürlich ist es eine bestechende Idee, dass man Menschen auf spielerische Weise in unsere Gesellschaft integrieren kann – und das im wahren Wortsinn. Aber nachdem wir uns intensiver mit dem Konzept von defakto auseinandergesetzt haben, sind wir vor allem davon überzeugt, dass die Teilnehmer während des Projektes auch Strategien kennenlernen, die ihnen bei der Suche nach Arbeit überaus nützlich sein werden.“ Denn bei „heim:ART®Koblenz“ geht es keineswegs nur darum, dass eine Handvoll junger Leute auf einer Bühne steht und ein Stück einübt.
Theater auch als Vorbereitung auf das Leben und Arbeiten in Deutschland
„Zum einen können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf sehr unterschiedlichen Gebieten rund um das Theater praktische Erfahrungen sammeln und Talente austesten, die ihnen bei der Orientierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt konkret weiterhelfen“, erklärt defakto-Projektleiterin Maja Niedernolte. So liegen zum Beispiel auch Bühnenbau, Technik, Requisite und Maske, aber auch Öffentlichkeitsarbeit und die Entwicklung des Stückes in der Verantwortung der Gruppe. Zum anderen gibt es im Projekt neben der eigentlichen Theaterarbeit viel Raum fürs sogenannte Job-Coaching, also Einheiten, die gezielt für die Vorbereitung auf eine spätere Arbeitsaufnahme vorgesehen sind.
„Das ist vielleicht die größte Stärke dieser Maßnahme“, meint Joachim Höllen. „Sie bereitet zwar auf ungewöhnliche Weise, aber dennoch gezielt auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vor. Inklusive individuellem Sprachunterricht und Beratung in allen persönlichen Belangen. Außerdem werden konkrete Praktikums-, Studien-, Arbeits- und Ausbildungsplätze gesucht – und hoffentlich auch gefunden.“ Eine anspruchsvolle Aufgabenstellung, räumt Höllen ein. Deshalb sorgen Job-Coach, Sprachtrainer und Theaterpädagogin für die notwendige Fachkompetenz.
Ausgelegt ist das neunmonatige Theaterprojekt für 20 Teilnehmer zwischen 18 und 40 Jahren, die zwar solide Sprachkenntnisse mitbringen sollen, aber nicht über Tanz- oder Theatererfahrung verfügen müssen. Los geht´s Ende August. „Im Moment wählen wir die Teilnehmer aus, und dabei achten wir darauf, dass es eine möglichst bunte Truppe wird“, erklärt Höllen. Dass die Zusammenarbeit von Frauen und Männern nicht für jeden der Mitspieler selbstverständlich ist, wird dabei sehr bewusst in Kauf genommen. „Schließlich wollen wir ja auch vermitteln, dass in Deutschland ein völlig anderes Rollenverständnis herrscht, als dies womöglich in der früheren Heimat der Flüchtlinge der Fall war. Damit müssen die Teilnehmer später im Berufsleben ohnehin zurechtkommen. Hier können sie sich darauf vorbereiten, dass der Chef in einem deutschen Unternehmen durchaus eine Frau sein kann.“
Das Theaterstück wird vor Publikum aufgeführt werden
Übrigens: Das Theaterstück, das zum großen Teil ebenfalls von der Gruppe selbst entwickelt wird, soll natürlich auch vor Publikum aufgeführt werden. Das stärkt dann nicht nur das Selbstwertgefühl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern bringt den alteingesessenen Koblenzern die neuen Bürger auch näher. Pressemitteilung der
Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen
