Allgemeine Berichte | 28.04.2020

Erkenntnis der medizinischen Bedeutung des Ahrweines Anfang des letzten Jahrhunderts

Ist Wein auch Medizin?

Werner Schüller berichtet über die Erkenntnis der medizinischen Bedeutung des Ahrweines Anfang des letzten Jahrhunderts.Foto: privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „...der Wein ist hiesiger Gegend führnehmste Nahrung...“, so schrieb es am 22. November 1602 der damalige Stadtschreiber Georg Schöneck in das Ratsbuch der Stadt Ahrweiler. Andere Urkunden belegen, dass seit über 1.100 Jahren der Weinbau an der Ahr eng mit der Kultur, dem Handel und dem Sinnen und Schaffen der Menschen verflochten ist. Der Ahrwein ist weit über die Grenzen der Bundesrepublik bekannt. Als Genussmittel wird dem Roten Rebensaft in seiner Heimat, der Ahr, immer noch gut zugesprochen. Bei vielen Festen und Gelegenheiten steht der Weinverzehr im Ahrtal von allen anderen geistigen Getränken an erster Stelle. Als Nahrungsmittel und Tauschmittel soll der Wein in schlechten Zeiten des letzten Jahrhunderts Bedeutung gehabt haben, als Winzer zwar guten Wein in den Kellern lagerten, aber die Absatzlage sehr schlecht war und somit für den nötigen Lebensunterhalt nur wenig Geld zur Verfügung stand.

Ist aber Wein auch ein Heilmittel?

Seit Alters her - schon in der Bibel - wird der Wein als solches geschätzt. Z.B. der barmherzige Samariter goss Wein und Öl in die Wunden des Mannes, der von Räubern überfallen worden war. Es war der Alkohol im Wein, der dort vor Infektionen schützen sollte. Der griechische Schriftsteller Plutarchos, der um 46 bis um 120 n. Chr. lebte, bemerkte treffend über den Rebensaft: „Der Wein ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneien das Schmackhafteste, unter den Nahrungsmitteln das Angenehmste“.

Nicht nur alte Winzer beherzigen dieses Zitat und genehmigen sich ihren täglichen Schoppen als Arznei und bestätigen, dass ein maßvoller Weingenuss für sie höchst gesundheitsfördernd wirke und das Leben erst wertvoll mache, wie Gewürze die Speisen. Auch der Mediziner Dr. Gerhard Kreuter, ehemaliger Chefarzt der Inneren Medizin im Krankenhaus „Maria Hilf“ von Bad Neuenahr, hat durch seine jahrelangen verschiedenen Studien festgestellt, dass moderater Weingenuss bei Männern, aber auch bei Frauen die Gesundheit fördern kann.

Andere Zeitgenossen behaupten allerdings, dass jede Form von „Alkoholika“ für den menschlichen Organismus von Schaden sei.

„Medizinwein als Argument für die Erhaltung des Ahrweinbaues“ beschrieb Dr. W. Kriege 1911 in einem Kapitel des Buches „Der Ahrweinbau“. Er verglich die Weine des Ahrtals mit französischen Bordeauxweinen und kam zu dem Schluss, dass der Rote von der Ahr in überwiegendem Maße als Medizinwein gebraucht werden könne. Die charakteristischen Eigenschaften und Vorzüge der Ahrweine lägen vor allen übrigen Weinen Deutschlands auf dem medizinischen Gebiet. Den Rückgang oder sogar den Verlust des Ahrrotweinbaues bezeichnete Dr. Kriege geradezu als nationalen Verlust eines wirtschaftlichen und medizinischen Gutes.

Vergleich Bordeauxweine mit Ahrweinen

In der „Deutschen medizinischen Presse“ ( Nr. 6,7 und 8) des Jahrgangs 1903 veröffentlichte der Neuenahrer Arzt Dr. von Ölele unter dem Titel „Deutscher Ersatz für Bordeauxweine am Krankenbett“ seine Untersuchungen und Erfahrungen über die medizinische Wirkung des Ahrrotweines im Vergleich zu ausländischen Rotweinen. Gestützt auf die Prüfungen des Chemikers Fritz Elser stellte er Analysen von drei Sorten Bordeauxweinen und drei Sorten Ahrweinen zum Vergleich gegenüber. Es wurde eine große Übereinstimmung zwischen den beiden Weinarten festgestellt, sodass eine Bevorzugung der Bordeauxweine bei Krankheitsfällen schon hierdurch nicht mehr bestätigt erschien.

Ahrweine als Heilfaktor

Nicht minder günstig für den Ahrwein fiel ein Gutachten des Geheimen Medizinalrates Dr. Kohlmann aus Koblenz vom 15. Januar 1907 aus. Da hieß es u.a.: „...dass die zu begutachteten Ahrrotweine als Medizinalweine zu bezeichnen seien“. Dr. Kriege fasste Berichte und Erfahrungen mit Ahrrotweinen von anderen Ärzten zusammen und schrieb weiter:“ Der Ahrrotwein, von Alters her als aromatischer, würziger und feuriger Wein geschildert, sei als solcher auch ärztlicherseits anerkannt und sei von allen anderen Rotweinen in jenen Krankheitszuständen, in welchen kleine Gaben alkoholischer Getränke als angemessen erschienen, als Heilfaktor zu bevorzugen. Besonders bei verschiedenen Formen von Herzschwäche, wie auch bei den in der modernen Zeit verbreiteten Erschöpfungszuständen des Nervensystems (Neurasthenie), ferner bei Stoffwechsel und Infektionskrankheiten sei Wein medizinisch anerkannt. Alkohol in kleinen Gaben sei oft schon deshalb erwünscht, weil er dann eine Vermehrung der Verdauungssäfte und dadurch Anregung des Appetits sowie eine Förderung der Verdauung hervorrufe. Es würde daher der Ahrrotwein ärztlich als sogenanntes - Stomachikum - verordnet. So sei es leicht verständlich, dass Rotwein im Volksmund als blutbildendes Mittel bezeichnet würde. Eine sehr wertvolle Eigenschaft des Ahrrotweines sei auch der relativ geringe Zuckergehalt (heute als trockene Weine bezeichnet), weshalb ihn die zuckerkranken Kurgäste zu Neuenahr vor anderen Rotweinen vorzögen. Letzteres sei u.a. durch die Tatsache erwiesen, dass die Kurgäste nicht nur Ahrwein trinken, sondern sich ihn auch in Sendungen nach Hause kommen ließen.“

Lebenserhaltende Kraft des Weines bis ins hohe Alter

Anders berichtete die „Illustrierte Wein Zeitung“, 4.Jahrgang 1930, anhand von amtlichen Zahlen von Bürgermeistereien und Standesämtern über die lebenserhaltende Kraft des Weines. Dazu sei bemerkt, dass um die Jahrhundertwende das Erreichen von über 80 Lebensjahren recht selten war. Goethe sagte einmal: „Und trinkt sich das Alter wieder zur Jugend, so ist das wundervolle Tugend“. Das Blatt berichtete: „Auch das Weinbaugebiet der Ahr, das einen hochrenomierten Rotwein baut, hat viele alte weingrüne Winzer aufzuweisen, die dank des guten und feurigen Ahrrotweines ihr Leben so sehr verlängern konnten. In Ahrweiler leben noch 20 Leute über 80 und 2 über 90 Jahre. In Bachem leben noch 2 Winzer über 80 und 1 über 90 Jahre und seit 1909 starben hier 2 Winzer über 90 und 4 über 80 Jahre. Walporzheim hatte seit 1900 drei Leute über 90 und 9 über 80 Jahre. In Dernau starben seit dem (ersten) Kriege Leute von 89,90,94 und 95 Jahren. Der älteste Winzer in Mayschoß ist 86 Jahre alt und es leben im ganzen hier vier über 80 Jahre“

Rotwein als Start für den Tag

Viele von uns werden sich vielleicht noch erinnern, dass unsere Eltern und Großeltern morgens schon zum Frühstück in einer halben Tasse Rotwein ein Ei einrührten, mit einem Löffelchen Zucker dazu, zur allgemeinen Stärkung tranken. Wie medizinisch wertvoll der Wein heute sein kann, ist nur in umfangreichen weiteren wissenschaftlichen Studien zu ergründen. Aber irgendeine medizinische Wirkung muss der Wein wohl haben, denn eines der häufigsten Mitbringsel zu Krankenbesuchen, sei es zu Hause oder im Krankenhaus, ist eine Flasche Wein. Gerne wird der Wein zu runden Geburtstagen, besonders an betagte Menschen verschenkt, vielleicht mit dem Hintergedanken für ihre Gesundheit etwas Gutes zu tun. Ob allerdings demnächst Wein auf Rezept zu verordnen ist, erscheint sehr fraglich. Schön wär´s! Für den Gebrauch des Ahrweines brauchen wir wie bei anderen Arzneimitteln bei mäßigem Genuß folgenden Spruch nicht zu befolgen: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie... und fragen Sie Ihren Arzt! oder Apotheker?“Werner Schüller

Werner Schüller.Foto: privat

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Werner Schüller berichtet über die Erkenntnis der medizinischen Bedeutung des Ahrweines Anfang des letzten Jahrhunderts.Foto: privat

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