Allgemeine Berichte | 16.05.2017

„Mérite Européen in Bronze“in Koblenz verliehen

Jahrzehntelanger Einsatz für Europa

Luxemburger Stiftung würdigt die Verdienste von Dr. h.c. Friedhelm Pieper

Zur Auszeichnung von Friedhelm Pieper (3. v. r.) mit dem „Mérite Européen“ durch Christoph Konrad (l.), Ingeborg Smith (2. v. r.) und Adolf T. Schneider (3. v. l.) gratulierten besonders Herbert Mertin (2. v. l.) und Joachim Hofmann-Göttig (r.).  BSB

Koblenz. Für seine Verdienste um Europa, vor allem innerhalb verschiedener Organisationen der Europa-Union Deutschland, wurde Dr. h.c. Friedhelm Pieper jetzt mit dem „Mérite Européen in Bronze“ der Fondation du Mérite Européen im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz geehrt. Die in Luxembourg ansässige Stiftung „Mérite Européen“ wurde 1970 ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, durch gezielte Bildungsarbeit sowie durch internationale Veranstaltungen die europäische Überzeugung in der Bevölkerung zu stärken.

Ein Initiator der Partnerschaft mit Varazdin

Friedhelm Pieper, 1939 in Schermbeck geboren, hat die Bundeswehrzeit nach Koblenz geführt. 1963 fand der gelernte Bankkaufmann bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz eine Anstellung als Sachbearbeiter in der Außenwirtschaftsabteilung, eine Beförderung zum Außenwirtschaftsreferenten folgte. Zur Förderung der Wirtschaftsabläufe, Klärung von Zollfragen und Ausführung weiterer Aufgaben bereiste er in mehr als vierzig Jahren für die IHK sämtliche europäischen Länder. Diese Erfahrung führte ihn unter anderem in die Position als Vorsitzender des Kreisverbandes Koblenz und des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Europa-Union Deutschland, zu deren Präsidiumsmitglied er im Jahr 2013 gewählt wurde. Noch heute ist er stellvertretender Vorsitzender im Kreisverband und Mitglied des Landesvorstands der Europa-Union Deutschland. Er bezeichnet sich selbst als „Europäer mit Heimat in Deutschland“. In öffentlichen Vorträgen und bei dem Besuch von Schulklassen veranschaulicht er die Idee der Europäischen Union und die Arbeit eines Europapolitikers. Dass Koblenz mit der kroatischen Stadt Varazdin schon sechs Jahre, bevor Kroatien 28. Mitglied der Europäischen Union wurde, eine Städtepartnerschaft einging, ist maßgeblich der Initiative Piepers geschuldet, der natürlich auch Vorsitzender des Freundschaftskreises dieser Städtepartnerschaft ist.

Friedhelm Pieper lebe im privaten und ehrenamtlichen Umfeld das Gefühl vor, „Europäer mit Heimat in Deutschland“ zu sein, begründete Adolf T. Schneider, Präsidiums- und Gründungsmitglied des „Mérite Européen Freundes- und Förderkreis Deutschland e.V.“, die Auszeichnung. Piepers zivilgesellschaftliches Engagement sei Vorbild, besonders für die Jugend, und ein herausragendes Beispiel in und für Europa. Die Verleihung von Medaille und Urkunde nahm Dr. Christoph Konrad, Präsident des „Mérite Européen Freundes- und Förderkreis Deutschland e.V.“ gemeinsam vor mit der Generalsekretärin Ingeborg Smith und Adolf T. Schneider.

Ein Leben für Austausch und Völkerverständigung

Der Festakt, dem rund siebzig Gäste beiwohnten, war mit Grußworten und Ansprachen ausgestaltet. Den Auftakt machte Dr. Christoph Konrad, der daran erinnerte, wie bedeutsam es sei, den Europa-Gedanken zu pflegen, gerade bei dem Blick auf die nachdenklich machenden Wahlergebnisse in den Nachbarländern. Der Koblenzer Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig gab an, Friedhelm Pieper als einen ungeheuer engagierten Menschen zu schätzen, bei dem sich vor allem in der Arbeit für die EU zeige, wie sehr er für Europa lebe, für den Gedanken der Völkerverständigung im Rahmen eines friedlichen Austauschs und der Einbeziehung der Jugend.

Herbert Mertin, Justizminister von Rheinland-Pfalz, übernahm die Festansprache. Über seine chilenischen Wurzeln, die Gründung des Landes Rheinland-Pfalz und die geschrumpften Hürden für den Austausch über Landes- und Staatsgrenzen hinweg forderte er dazu auf, sich bewusst zu machen, was Europa eigentlich sei und welche Vorteile es allein hinsichtlich der Reisefreiheit und der Arbeits- und Studienplatzwahl biete. Diejenigen, die auf das Staatenbündnis schimpften und die hohe Diskussionsfreude im Parlament kritisierten, sollten sich klar darüber sein, dass das Teil einer Demokratie sei. Wir sollten froh darüber sein, in einem demokratischen Staat leben zu dürfen, und nicht alles als faule Kompromisse abwerten, was auf europäischer Ebene zustande kommt. „Europa ist die tollste Einrichtung, die es gibt.“ Das müssten die Europäer nur glauben und verstehen. Außerhalb von Europa sei das längst verstanden. Und Friedrich Pieper habe es auch verstanden. Er habe das getan, was in seinen Möglichkeiten lag, um ein grenzüberschreitendes Europa zu schaffen.

Erinnerungen an die Zeit des Eisernen Vorhangs

Als neuer Würdenträger bedankte sich Pieper bei den Vertretern von „Mérite Européen“, den Rednern und allen Gästen, zu denen seine beiden Töchter und Lebensgefährtin Musch Jansen gehörten. Europa habe schon früh begonnen, ihn zu interessieren und dann einfach nicht mehr losgelassen. Noch einmal blickte er zurück auf sein IHK-geprägtes Berufsleben. Gerne erinnert er sich an die Verhandlungen, die er als Mitglied im innerdeutschen Ausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertags noch bis zum Mauerfall mit den Wirtschaftsorganisationen der DDR führte. Den Tag des Mauerfalls persönlich mitzuerleben, ließ er sich natürlich nicht entgehen. Seine Verbundenheit mit Europa lasse ihn besonders sorgenvoll in Richtung Türkei und Russland blicken und sich Fragen zur weiteren Entwicklung der Europäischen Union stellen. Wie kann sich beispielsweise die EU auf dem Balkan entwickeln? Wird Schottland bald der neue 28. Mitgliedstaat der Union? Die Brexit-Entscheidung bedaure er vor allem aus dem Blickwinkel der jungen Generation außerordentlich. „Wir dürfen uns die EU nicht kaputtmachen lassen von den politischen Auswüchsen in den Nachbarländern“, appellierte Pieper und forderte dazu auf, sich politisch zu engagieren, um Änderungen zu erwirken. Ganz Europa sei für uns alle eine große Chance, um die es sich zu bemühen gelte: „Wir brauchen Ihre Unterstützung!“

Nachdem der Männergesangverein Cäcilia 1852 Moselweiß, dessen Vorsitzender Friedhelm Pieper ist, die Europahymne, begleitet von einem vielstimmigen Gästechor, vorgetragen hatte, gab es bei dem anschließenden Empfang die Gelegenheit, persönliche Glückwünsche auszusprechen. Der Chor, der schon die Eröffnung des Festaktes gestaltet hatte, ließ die Stunde mit weiteren Liedern ausklingen. BSB

Der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin war einer der Laudatoren.

Der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin war einer der Laudatoren.

Als Sänger im MGV Cäcilia 1852 Moselweiß trug Friedhelm Pieper (r.) selbst zur musikalischen Umrahmung des Festaktes bei.

Als Sänger im MGV Cäcilia 1852 Moselweiß trug Friedhelm Pieper (r.) selbst zur musikalischen Umrahmung des Festaktes bei.

Für die Auszeichnung Friedhelm Piepers und dessen Dank gab es großen Applaus.

Für die Auszeichnung Friedhelm Piepers und dessen Dank gab es großen Applaus.

Zur Auszeichnung von Friedhelm Pieper (3. v. r.) mit dem „Mérite Européen“ durch Christoph Konrad (l.), Ingeborg Smith (2. v. r.) und Adolf T. Schneider (3. v. l.) gratulierten besonders Herbert Mertin (2. v. l.) und Joachim Hofmann-Göttig (r.). Fotos: BSB

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