„Närrisches Kurhaus“: Kölsche Stars - von Guido Cantz bis „Kasalla“ - gastierten im altehrwürdigen Saal in der Kreisstadt
Jeckes Spektakel für den guten Zweck
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ein solch großes Aufgebot Kölner Karnevalisten der allerersten Garde, wie sie sich in Bad Neuenahrer die sprichwörtliche Klinke in die Hand gaben, sind selbst bei den großen Sitzungen der Domstadt nicht alltäglich. Das, was die Elferrat Kurhaus Bad Neuenahr GbR im Rahmen des „Närrischen Kurhaus“ aufgeboten hat, war ein karnevalistisches Spektakel der Extraklasse, das den 750 Jecken im voll besetzten Saal kaum Zeit zum Durchatmen ließ. Den Auftakt machte die Kölner Bürgergarde „Blau-Gold“ von 1904, die unter ohrenbetäubenden Spielmannsklängen einmarschierte und vom Gardechef als die „schönsten Männer Kölns“ angekündigt wurde. Auch das Tanzpaar der „Blau-Goldenen“ hatte einiges fürs Auge zu bieten und wirbelte übers Parkett. Als dann die Melodie von „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“ erklang, wusste die versammelte Narrenschar auf Anhieb, dass nun der Auftritt von Bernd Stelter bevorstand. Der bekennende Ahrtal-Fan präsentierte seine bewährte Mischung aus Wortvortrag und Gesang und spannte bei seinem Jahresrückblick den Bogen vom VW-Abgasskandal über den bevorstehenden Abschied von Bayern-Trainer „Pep“ Guardiola bis hin zu den „sommerlichen“ Weihnachtstemperaturen. Sein laut eigener Aussage inzwischen fortgeschrittenes Alter beschrieb Stelter mit „ich bin in der Phase zwischen gepflegt aussehen und gepflegt werden.“ Das Lied „Ich will da sein, wo der Dom ist und Du“ bot dem Publikum die erste Mitsinggelegenheit des Abends. Spektakuläre Hebe- und Wurffiguren zu Rock ´n Roll und kölscher Musik bot anschließend die Tanzgruppe der „Kammerkätzchen und Kammerdiener“ der Alten KG „Schnüsse Tring“. Erste Stimmungsband der Sitzung waren die „Domstürmer“, die mit „Es datt Hollywood? Nä, die Hölle vun Kölle“ und „Mach dein Ding“ das närrische Volk in Windeseile von den Stühlen rissen. Spätestens bei „Ohne Dom, ohne Wing, ohne Sunnesching“ geriet der barocke Putz im altehrwürdigen Kurhaus erstmals ins Wanken und auch der Elferrat um Sitzungspräsident Udo Groß schunkelte leidenschaftlich mit. Auf dieser Stimmungswelle konnten die Jungs von „Kasalla“ danach problemlos weiterreiten - und sogar noch einen draufsetzen: Stücke wie „Pirate“ oder „Immer noch do“ kann einfach jeder mitsingen. Dass der Karneval durchaus auch melancholische Momente haben kann und darf, bewies die Gruppe um Frontmann Basti Campmann mit „Alle Jläser huh“, einem Song, der den Tod als Teil des Lebens zum Thema hat.
„Querbeat“ mit „Kuhglockensolo“
Wieder hinsetzen brauchte sich im Saal niemand, denn „Kasalla“ übergaben das jecke Staffelholz an die Brass- und Marchingband „Querbeat“. Dominiert von wuchtigem Bläsersound, kann man sich der schnellen Mundartmusik des 15-köpfigen Ensembles kaum entziehen. Dabei sind „Querbeat“ ständig in Bewegung und scheuen auch nicht davor zurück, mitten im Publikum zu musizieren oder ein „Kuhglockensolo“ zu zelebrieren. Wer nun dachte, dass die aufgeheizten Fastelovendsfreunde nicht mehr in der Lage gewesen wären, einem Redner zu lauschen, sah sich beim Auftritt von Guido Cantz eines Besseren belehrt. Ruckzuck hatte der Routinier die Lacher auf seiner Seite, als er erstaunt feststellte, dass es in Bad Neuenahr sogar junge Menschen gibt. Überhaupt nahm Cantz die demographische Situation in der Kurstadt gerne aufs Korn. Ein halbes Kompliment für die Gastgeber war dann aber doch noch drin: „Das hier ist einer der schönsten Säle im Karneval - nur die Blumen bringt Ihr bitte nicht zum Friedhof zurück.“ Cantz verabschiedete sich angesichts der weltweiten Terroranschläge mit einem nachdenklichen Appell: „Lasst Euch trotz dieser Bekloppten den Spaß nicht verderben. Lasst und gemeinsam Karneval feiern!“
„Cat Ballou“ begeistern mit „Et jitt kei Wood“
„Cat Ballou“ wussten anschließend mit ihrem Sessionshit „He nit weg“ ebenso zu begeistern, wie mit ihrer Köln-Hommage „Et jitt kei Wood“. Den Schlusspunkt setzten dann die „Räuber“, die kürzlich mit „Dat es Heimat“ sogar Schlagerkönigin Helene Fischer acht Tage lang von Platz 1 der Charts verdrängen konnten. Aber was wäre ein „Räuber“-Auftritt ohne Klassiker wie „Denn wenn et Trömmelche jeit“? Diesen und weitere Hits ihrer langen Karriere servierten die Altmeister den Narren und sorgten so für ein furioses Finale, bei dem auch die zahlreichen Ehrengäste, darunter der Kreisbeigeordnete Horst Gies, Bürgermeister Guido Orthen sowie Vertreter der Katholischen und Evangelischen Kirche, begeistert einstimmten. Beendet war die Sause damit aber noch lange nicht, denn zur After-Show-Party mit „DJ Fosco“ ließen sich die feierwütigen Jecken nicht lange bitten.
Für die gute Sache
Ganz in der Tradition der alten „SC 07-Sitzung“ von Oskar Hauger hat sich auch das „Närrische Kurhaus“ der Gemeinnützigkeit verschrieben. Jedes Jahr wird eine gemeinnützige Organisation aus dem Stadtgebiet mit der Veranstaltung unterstützt. Diesmal gehen die Spendengelder an die Levana-Schule im Stadtteil Bachem. Die Levana-Schule ist eine von fünf Förderschulen in Kreisträgerschaft.
Die Kölner Bürgergarde „Blau-Gold“ kündigte sich als „schönste Männer Kölns“ an. DU
Brachten den Saal mit „Mach dein Ding“ zum Kochen: Die Domstürmer.
„Kasalla“ begeisterten unter anderem mit „Pirate“.
