Verhaftungen und Narrengericht: Andreas Trierweiler ist neuer närrischer Staatsanwalt
Jeder Sinziger ist ein potenzieller Angeklagter
Sinzig. Wer eine solche Einladung in der Tasche hat, hat immer auch eine bisschen Muffensausen. Genauer gesagt handelt es sich auch eher um eine Vorladung zum Narrengericht in Sinzig. Und das fand am Samstag in der Pizzeria „La Fontana“ am Brunnenplatz in seiner 13. Auflage statt.
„Bist du aus Spaß an der Freude da, oder hat du auch eine Vorladung?“, war am Samstagmorgen eine oft gestellte Frage. Denn das Sinziger Narrengericht kommt recht harmlos daher: „Es gelten alle Regeln des rheinischen Frohsinns“, heißt es da niedlich. Aber es gilt auch der Rechtsgrundsatz: „Saftige Geldstrafen sind immer angemessen“. Und dieses Gericht ist grundsätzlich für alles zuständig. In diesem Jahr hagelt es zur Freude der Angeklagten aber durchweg Freisprüche. Und dies war in dieser Form bereits seit 13 Jahren nicht unbedingt die Regel. Für den „Roten Fuchs“ Richter Gnadenlos Franz Hermann Deres und den neuen „Staatsanwalt“ Andreas Trierweiler, der ist seine Sache außerordentlich gut machte, ist das bloße Erscheinen vor den Schranken des Gerichts fast schon so etwas wie ein Schuldspruch. Und beide närrischen Juristen widmeten sich ungerührt ihrem ersten Beruhigungskölsch. Dieses Kölsche Hobby pflegt das hohe Gericht übrigens mit bewundernswerter Trinkfestigkeit während der gesamten Verhandlung. Bemerkenswert das Schwurgericht erschien in diesem Jahr etwas verspätet und wirkte teilweise von der Aktenlage eher etwas unsortiert. Eine der möglichen Ursachen: Staatsanwalt Ludger Lohmer, in Fachkreisen nur „Luzifer“ genannt wurde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger Andreas Trierweiler wurde flugs in die Robe gesteckt und lieferte die Anklagepunkte. Und bei den Sinziger Jecken sitzt man schneller auf der Anlagebank, als man Alaaf sagen kann. Nur die amtierende Tollität in diesem Jahr also Sentiaca Dagmar I genießt närrische Immunität.
Und so landete dann auch das Dreigestirn des Vorjahres ebenso auf der Anklagebank wie Sentiaca Kristina I. Dies settete zwar im Jahr 2016 den Trend zur Solo-Sentiaca, aber so was schützt in Sinzig nicht von närrischer Anklage.
Die Liste der Angeklagten war übrigens lang und illuster. Stammgäste auf der Anklagebank sind da die Sinziger Gastronomen und auch dem städtischen Beigeordneten Hans-Werner Adams. Auch die beiden neuen stellvertretenden Bürgermeister Roland Janick und Gänseblümchen Claudia Thelen hatte es erwischt. Gern auf der Anklagebank sind auch die Chefs des Krupp Verlags. Peter und Hermann Krupp wurden im Doppelpack abgehandelt.
Das Geschehen lebt von närrischer Spontaneität, genehmigten und ungenehmigten Zwischenrufen sowie netten Wortgefechten und sorgt für viele spontane Lacher. Im jecken Sinzig genießt das Verfahren längst einen gewissen Kultstatus.
Nur gefeit ist vor dem Gericht niemand. Und so landete dann auch die komplette hohe Geistlichkeit mit Pastor Frank Werner, Kaplan Thomas Hufschmidt und Altpastor Gerhard Hensel vor den Schranken des Gerichts. Premiere als Angeklagte feierten übrigens auch Mario Wettlaufer als neuer Westumer Ortsvorsteher und Hans-Jürgen Koffer aus Franken. Der neue Ortschef im kleinsten Sinziger Urteil wurde auch flugs dazu verurteilt, nach der Narrenmesse am Sonntag, auf dem Sinziger Kirchplatz, ein bisschen das Fähndel zu schwenken. Verknackt wurde man in Sinzig früher übrigens fast immer. Selbst beim diesjährigen Freispruch-Gewitter führte der Weg anschließend immer zur Gerichtskasse. Auch Freispruchgebühren und Gerichtskosten können immens sein.
Und über die Geldstrafen kommt ja auch Einiges für die blau-gelbe Vereinskasse zusammen. Übrigens Sinn und Zweck der Veranstaltung, bei der man immer ein dickes Portemonnaie dabei haben sollte. BL
Über die Geldstrafen kommt Einiges für die blau-gelbe Vereinskasse zusammen. Foto: RASCH
Auch in diesem Jahr sorgt das Event für viele spontane Lacher. Foto: RASCH
Vor dem närrischen Gericht ist keiner in Sicherheit. Foto: RASCH
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