Die Koblenzer CDU sucht eine Kandidatin für die Nachfolge von Bürgermeisterin Mohrs: Die Überraschungs-Bewerberin besitzt eine beeindruckende berufliche Vita
Dr. Dagmar Kranz möchte ihre Kontakte für Koblenz nutzen
Koblenz. Es wird ein wichtiger Abend: Am Samstag, 24. Januar 2026, entscheidet sich auf dem Kreisparteitag der Koblenzer Christdemokraten, wen die CDU als Kandidatin oder Kandidaten für die Nachfolge von Bürgermeisterin Ulrike Mohrs ins Rennen schickt.
Deren Amtszeit läuft zum 30. November 2026 aus. Eine Wiederwahl galt als sicher.
Doch im Dezember teilte sie überraschend mit, dass sie sich beruflich neu orientieren wolle, zumal ihr auch ein „verlockendes Angebot“ gemacht worden sei.
Insofern muss die CDU für die Wahl, die voraussichtlich am 26. März im Stadtrat stattfindet, sich mit der Nachfolge beschäftigen. Früh wurde öffentlich über Interessenten gesprochen. Häufig hörte zum Beispiel den Namen des Rübenacher Ortsvorstehers Thomas Roos und der Rechtsanwältin Zemfira Dlovani. Als aussichtsreiche Kandidatin gilt auch Dr. Dagmar Kranz, die in der Koblenzer Kommunalpolitik bislang wenig in Erscheinung getreten ist und als Überraschungskandidatin gilt. Aufgrund ihrer beruflichen Vita werden ihr jedoch ebenfalls gute Chancen eingeräumt. Die 53jährige, die im Stadtteil Pfaffendorf lebt, stand „BLICK aktuell“ gerne für ein Interview zu Ihrer Kandidatur zur Verfügung.
Würden Sie sich bitte mit einigen persönlichen Informationen kurz vorstellen?
Aufgewachsen bin in der Nähe von Maria Laach. Mein Abitur habe ich in Andernach als Erste in der Familie absolviert. Seit 2006 lebe ich mit meinem Mann in Koblenz und habe zwei Kinder im Alter von 15 und 16 Jahren. Meine Freizeit verbringe ich gerne in der Familie mit Musizieren, Wandern oder Lesen. Außerdem praktiziere ich seit über zwanzig Jahren Yoga und reise gerne. Zudem bin ich in der Pfarrgemeinde Heiliggeist ehrenamtlich aktiv und begleite meinen Ehemann, der neben seinem Beruf als Richter auch als Diakon tätig ist.
Welchen beruflichen Werdegang haben Sie?
Nach dem Abitur habe ich zunächst bei der Deutschen Bank eine Ausbildung absolviert. Anschließend habe ich von 1994 bis 1999 Jura studiert. Mein Studium habe ich u.a. durch eine Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Bank-, Gesellschafts- und Zivilrecht von Prof. Dr. Mülbert absolviert. Bei ihm habe ich im Jahr 2005 im Aktien- und Kapitalmarktrecht promoviert. Nach Studium und Referendariat war ich zunächst bei der Staatsanwaltschaft Mainz als Staatsanwältin tätig. Nach zwei Jahren Tätigkeit als Klausurreferentin am Landesprüfungsamt für Juristen beim Justizministerium in Mainz, wo mein Mann und ich uns als Kollegen kennengelernt haben, sind wir im Jahr 2006 nach Koblenz gezogen. Dort war ich am Landgericht und Amtsgericht als Richterin mit Straf- und Zivilsachen befasst.
Seit dem Jahr 2015 arbeite ich für die rheinland-pfälzische Landesregierung in Mainz, zunächst als Referentin für Verbraucherschutz im SPD-geführten Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, dann für das von den Grünen geführte Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2017 bin ich wieder zum Ministerium der Justiz gewechselt, das zwischenzeitlich von Minister Mertin von der FDP geleitet wurde. Dort war ich zunächst als Referentin für das öffentliche Recht tätig.
Von 2019 bis 2023 war ich Bundesratsreferentin des Ministeriums der Justiz und habe das Haus in dieser Funktion regelmäßig bei Sitzungen des Rechtsausschusses des Bundesrats in Berlin sowie bei der Koordination mit anderen Landesministerien vertreten.
Seitdem ich im Jahr 2021 stellvertretende Abteilungsleiterin der Abteilung für Öffentliches Recht und Zivilrecht, Verfassungs-, Europa- und internationales Recht wurde, habe ich das Ministerium wiederholt bei Sitzungen auf Abteilungsleiterebene im gesamten Bundesgebiet, im Rahmen von Treffen der Justizministerinnen und -minister oder in der Landesvertretung in Brüssel repräsentiert. Im Jahr 2022 wurde ich zur Leitenden Ministerialrätin ernannt. Seit 2025 bin ich zudem Dozentin für Zivilrecht an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Rheinland-Pfalz.
Welche politischen Schwerpunkte haben Sie für die Zukunft bzw. was ist aus Ihrer Sicht für Ihre Heimatstadt Koblenz besonders wichtig?
Ich möchte als Bürgermeisterin meiner Heimatstadt Koblenz die gute Arbeit von Frau Mohrs fortsetzen. Von sehr großer Bedeutung ist für mich der Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, denn ein sicheres Miteinander ist die Grundlage für eine gesunde Wirtschaft sowie für ein blühendes kulturelles Leben in meiner Heimatstadt. Daneben liegt mir auch der soziale Bereich besonders am Herzen. Die Förderung der Jugend und des Sports und die Bildungsmöglichkeiten breiter Bevölkerungsschichten sind elementar für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben. In Sachen Bildung sollte es möglichst wenig Barrieren und für alle Gesellschaftsschichten eine Durchlässigkeit geben, so dass für alle Engagierten ein Aufstieg möglich ist. Von dieser Durchlässigkeit, die mir insbesondere das BaFöG ermöglicht hat, habe ich selbst profitiert.
Zudem muss aus meiner Sicht die Integration weiter gefördert und unterstützt werden, auch durch klare Vorgaben und Strukturen. Das Lotsenhaus Koblenz ist hierfür ein gutes Beispiel.
Zugleich sehe ich ein erhebliches Sparpotential durch den Abbau von Bürokratie. Dies allerdings kann nur durch intensive Arbeit erreicht werden, indem viele Abläufe geprüft und kritisch hinterfragt werden. Zwar werden in vielen Bereichen Gesetzesänderungen auf Bundes- und Landesebene erforderlich sein. In der Position als Bürgermeisterin könnte ich jedoch meine Kontakte zu den Landesministerien sowie auch im Bund nutzen und mögliche Reformen ganz konkret bei den jeweils Verantwortlichen anregen.
Sie haben bislang keine Gremienerfahrung in den städtischen Ausschüssen oder im Stadtrat. Ist das aus Ihrer Sicht eher ein Vorteil oder ein Nachteil?
Ich sehe es als Vorteil, dass ich bislang nicht in Gremien der Stadt tätig war und insoweit völlig frei von etwaigen Querelen der vergangenen Jahre bin.
Das Verhältnis der im Stadtrat vertretenen Fraktionen untereinander könnte besser sein. Beschreiben Sie bitte, welchen Beitrag Sie als Bürgermeisterin zu einer Verbesserung beitragen könnten.
Durch meine langjährige Tätigkeit als Bundesratsreferentin in der rheinland-pfälzischen Ampelregierung habe ich umfangreiche Erfahrungen dabei gesammelt, widerstreitende Interessen zu koordinieren. Denn die SPD-, grün- und FDP-geführten Ministerien haben oft vollkommen unterschiedliche Positionen zu einzelnen Gesetzesvorhaben. Die drei Koalitionspartner können im Bundesrat in Berlin aber nur mit einer Stimme abstimmen, so dass bei jedem Vorhaben die Koordination auf ein einheitliches Votum erforderlich ist.
Einen Ausgleich von Interessen habe ich nicht nur als Bundesratsreferentin, sondern auch immer wieder während der Vertretung der Abteilungsleitung vorgenommen.
Meine herausragendsten beruflichen Kompetenzen sehe ich in meiner Fähigkeit, Initiativen zu ergreifen und mit Menschen, die konträre Standpunkte vertreten, konstruktive gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Dabei konnte ich in der Vergangenheit immer wieder mit Freundlichkeit mein Kommunikationstalent, meine Durchsetzungsstärke und meine Zielstrebigkeit positiv einsetzen. Diese Charaktereigenschaften und Erfahrungen würde ich einsetzen.
Als Bürgermeisterin würden Sie deutlich mehr im „Licht der Öffentlichkeit“ stehen, wie bislang. Wie gehen Sie mit Kritik um, insbesondere wenn sie aus der Öffentlichkeit kommt?
Ich werde offen mit sachlicher Kritik umgehen und im Übrigen zurückhaltend sein.
Welchen Wert legen Sie auf Teamarbeit und wie würden Sie diese innerhalb der Verwaltung umsetzen?
Als stellvertretende Abteilungsleiterin vertrete ich einen kollegialen Führungsstil. Diesen habe ich auch praktiziert, als ich in den Jahren 2023 und 2024 aufgrund eines Vertretungsfalls über erhebliche, mehrmonatige Zeiträume für die Leitung der Abteilung des Justizministeriums verantwortlich war. Mit diesem Führungsstil ist es mir gelungen, Arbeitsprozesse zu organisieren, strategische Entscheidungen in der Abteilung zu treffen und zugleich für die Motivation meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für ein kollegiales Miteinander in der Abteilung Sorge zu tragen.
Wie sehen Sie Ihre Chancen, bei einer Abstimmung beim Kreisparteitag die meisten Stimmen auf sich zu versammeln?
Trotz meiner langjährigen Mitgliedschaft in der CDU und im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen Rheinland-Pfalz (ACDJ Rheinland-Pfalz) habe ich mich bislang nicht kommunalpolitisch engagiert, weil dies zwangsläufig zu Interessenkollisionen bei meiner Tätigkeit als Bundesratsreferentin des Landes sowie als Vertreterin der Abteilungsleitung geführt hätte. Da ich als Führungskraft in der Ministerialverwaltung der rheinland-pfälzischen Ampelregierung meinem Dienstherrn verpflichtet bin, habe ich mein politisches Engagement aus Loyalitätsgründen auf den ACDJ Rheinland-Pfalz beschränkt.
Ich sehe – gerade angesichts des aus meiner Sicht gelungenen Stimmungstests in der Kreisvorstandssitzung – gute Chancen für eine Mehrheit. Ich bin die einzige Kandidatin, die überzeugend als von kommunalpolitischen Querelen unbelastet, von außen kommend antreten kann und habe zudem umfassende Verwaltungserfahrung, auch auf Führungsebene, sowie beste Kontakte zu Bundes- und Landesministerien.
Konkret habe ich langjährige weit gefächerte und fundierte Fachkenntnisse im öffentlichen Recht, u.a. im Bereich des Polizei- und Ordnungsbehördenrechts, des Aufenthalts- und Asylrechts sowie des Sozialrechts. Zuletzt war ich beispielsweise mit der Novellierung des Bestattungsrechts, das unmittelbare Auswirkungen auf die Kommunen hat, befasst. Mit diesen Kompetenzen kann ich rechtssichere Entscheidungen mit bürgernahen und pragmatischen Lösungen in der Verwaltungspraxis verbinden.
Zudem habe ich das Ministerium der Justiz wiederholt nach außen repräsentiert, bin also mit öffentlichen Terminen vertraut.
Durch diese Qualifikationen und Erfahrungen kommt mir im Kandidatenumfeld ein Alleinstellungsmerkmal zu, das mir gute Chancen auf dem Kreisparteitag eröffnet. KH
Weitere Themen
Artikel melden
Sozial Kaufhaus Bendorf geschlossen!
- Tanja Busch : Ich kaufe am liebsten nachhaltig und finde es mehr als schade, dass Inpetto schließen musste. Es war immer ein Erlebnis dort einzukaufen und ich würde mir wünschen, dass sich ein neuer Platz in Bendorf anbietet für Second Hand Ware.
Illegale Müllentsorgung sorgt erneut für Ärger
- Heuschrecke: Das ist leider nicht nur in Kesselheim es sieht leider überall an den Container so aus
- Boomerang : Schlimme Zustände. Allerdings wird da anscheinend auch nicht oft genug geleert. Und der Wertstoffhof war zwischen den Jahren komplett zu.
Karriere - und Laufbahnberatung für Frauen
- Boomerang : Ist schon lustig.In gut bezahlten Führungsberufen ist die Frauenquote Gaaanz wichtig und wird gefördert und gefordert.Was ist mit dieser Quote bei LKW Fahrern , Dachdeckern, Maurern usw? Es geht nicht um Gleichberechtigung es geht um Geld Neid.
Eifelverein Mayen
Wanderjahr 2026 mit gelungener Auftaktwanderung eröffnet
Mayen. Mit einer gut besuchten Auftaktwanderung ist der Eifelverein Mayen erfolgreich in das Wanderjahr 2026 gestartet. Rund 60 wanderbegeisterte Mitglieder und Gäste versammelten sich am Schützenplatz in Mayen, um gemeinsam die neue Wandersaison zu eröffnen.
Weiterlesen
Weihnachtsfeier der Schützengesellschaft Mayen
Spendenübergabe sorgt für besondere Überraschung
Mayen. Unter dem Motto „Gemeinsam Freude schenken“ lud die Schützengesellschaft Mayen zur festlich geschmückten Weihnachtsfeier ein.
Weiterlesen
Engerser Möhnen glänzten mit Überraschungen und Höhepunkten
Möhnenverein proklamierte Claudia II. von Zahn und Seide
Engers. Das konnte nur großartig werden: Schon am 10. Dezember vermeldete der Möhnenverein Engers 1936 e.V. „ausverkauft“. Alle wollten erleben, wie Claudia Kirchhof-Verrelli zu Obermöhn Claudia II. von Zahn und Seide proklamiert wird.
Weiterlesen
