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Der einstige Hausener Layenarbeiter Heinrich Sauerborn erläuterte in ´Layen-Berichten` die speziellen Gerätschaften

„Jode Hällefte wurden aus Ächetrümmchje jemacht“

12.11.2017 - 09:57

Mayen/Region. Von ihren Ursprüngen an haben die Menschen entsprechende Werkzeuge entwickelt und eingesetzt, um ihre Vorhaben bei einer ganz bestimmten Arbeit effizienter erledigen zu können. So wie in jedem Beruf spezielle Arbeitsgeräte nach und nach entwickelt wurden, so besaßen auch die Arbeiter in der Region – der vulkanischen Osteifel – für die Bearbeitung der Basaltlava und anderen vulkanischem Gesteinsarten ihr dafür notwendiges Handwerksgerät. Sicherlich war die Entwicklung vom Faustkeil oder Hartbasalthammer bis hin zu den heutigen computergesteuerten Steinsägen ein langer Weg. Bei der nachfolgenden Betrachtung soll der Schwerpunkt jedoch auf jenen Arbeitsgeräten liegen, die von den Layern und Steinmetzen in der Hochblüte der heimischen Basaltlavaindustrie über eine längere Zeit benutzt wurden und den wenigen Ehemaligen dieser Berufe heute noch geläufig sind. Eine dazu kaum zu ersetzende Erinnerungsarbeit hat der einstige Hausener Layenarbeiter Heinrich Sauerborn mit seinen diesbezüglichen Layen-Berichten – veröffentlicht in der heimischen Presse der 1960er und 1970er Jahre – geleistet; er nannte die Gerätschaften schlicht nur „Laye-Jescheer“.


Verwendete Werkzeuge


Der Fachmann Sauerborn erklärte den Einsatz der verwendeten Werkzeuge oder er führte sie namentlich auf, wobei dann Berufsfremden nicht immer deren spezieller Einsatz eingängig war und ist. Ein Layer in der Basaltlavawand, der für die im Betrieb Beschäftigten genügend brauchbares Gestein dort herauszubrechen hatte, arbeitete mit der Spitzt (Zweispitz) und dem Wetzkopp. Mit Weckhammer und Stahlrohr wurden Sprenglöcher in der Wand angebracht, mit einem Krätzer säuberte man die Löcher. Oft kam der Layer in der Wand nicht ohne Handwinde und Hebeeisen aus, um Gestein effektiv lösen zu können. Stahlseile, versehen mit Klauenkette oder später auch mit Krampen und Ring, erleichterten durch die Kraft der Kräne enorm die Arbeit des Layers. Steinmetze setzten zum notwendigen Spalten der Steine auf der Traacht den Weckhammer ein und trieben damit Klaaf-Wecke ins Gestein. Watze waren dicke Eisenplatten; einfache Weck wurden zwischen eiserne Lämele gepresst, um große Blöcke spalten zu können. Auch hier kamen die Handwinde und das Hebeeisen häufig zum Einsatz. Zum abschließenden feineren Bearbeiten von Werksteinen – beispielsweise Bordsteinen – arbeiteten die Steinmetze mit der Flächt, bis irgendwann aus Amerika ein neues effektiveres Handwerkszeug – ein Dötzer – eingeführt und übernommen wurde. Der Dötzer hatte auf zwei Seiten je fünf Stahlplättchen befestigt, so dass mit jedem Aufschlag mehrere Rillen im Stein hinterlassen wurden.


Unterschiedliche Hämmer


Weitere Hämmer, wie die Bell, die Schlag, sind heute selbst Fachleuten kaum noch bekannt, während der Durchhau oder der Putzhammer des Pflastersteinschlägers noch als geläufige Werkzeuge von der Lay erinnerlich sind. Darüber hinaus verwendete man noch die unterschiedlichsten speziellen Hämmer, wie auf beigefügtem Bild eindeutig zu erkennen ist. Ein Steinmetz setzte natürlich auch Winkel, Zirkel, Richtscheit, Zollstock, Lehre und Schräif ein. Weiterhin wäre noch der hölzerne Klöppelhammer als Vorläufer des Stahlfäustels zu erwähnen; Sauerborn stellte fest, dass der Klöppelhammer vor 1900 auf unseren Layen verwendet wurde. Die vorstehend erwähnte Schräif war ein weiches kreideähnliches Gestein, welches man zum Markieren der Steine benötigte; die Steinmetze besorgten sich die Schräif für eine längere Zeit meist bei einem Wochenend-Spaziergang in der so genannten Pluns bei Mayen, wo sie das weiche Material ausgruben.


Was sind und waren Hällefte?


Hört man den nur Fachleuten geläufigen im Dialekt formulierten Ausdruck „Hällefte“, so kann man sich als Laie kaum vorstellen, um welchen Gegenstand es sich dabei handelt und von welchem Wortstamm dieser Ausdruck abgeleitet wurde. Insider erklären einem, dass es sich bei Hällefte um die Holzstiele der auf der Lay verwendeten Hämmer handelt. Sauerborn erwähnte in einem Artikel von 1975: „…Gute Hällefte als Hammerstiele besorgte vielfach der Obermenneje Steff. Seine Eichentrümmchen waren erste Qualität.“ Sauerborn nahm wohl an, der Kottenheimer Stefan Müller (1910 bis 1987), von Beruf Stellmacher, sei ein gebürtiger Obermendiger. Diese den Layern wohl bestens geläufige Person kannte kaum einer unter seinem richtigen Namen, sondern überwiegend nur mit dem Aliasnamen „Menneje Steff“. Mehrere Familienmitglieder waren wegen der Herkunft des Vaters, der allerdings aus Niedermendig stammte, mit dem Zusatz „Menneje“ belegt worden, wie dies vielfach in den Dörfern praktiziert wurde und wird.


Eichenholz für die Layenhämmer


Aber nicht nur diejenigen, die sich mit der Anfertigung von diesen Werkzeug-Stielen befassten, hatten ein Auge für nachwachsendes, geeignetes Hällefte-Holz, auch die täglich mit den Hämmern auf der Lay arbeiteten, gingen diesbezüglich aufmerksam durch die heimischen Wälder. Dann hieß es hin und wieder beim Plausch unter Kollegen: „Ech hann do es schöö Ächetrümmchje jesehn.“ Mit Ächetrümmchje bezeichnete man junge, etwa zehn Zentimeter dicke Eichenbäumchen, die man als die geeignetste Holzart für die Stiele der Layenhämmer hielt. Die Bäumchen wurden bis zu den Wurzeln ausgegraben, der Stamm zu zwei Hälften gespalten und dann entsprechend lange getrocknet. Aus den jeweiligen Hälften fertigte dann bei Bedarf ein Fachmann einen speziellen Hammerstiel an. Es kann also von daher schlüssig angenommen werden, dass der Ausdruck „Hällefte“ von diesen gespaltenen Eichenstämmchen herrührt. Den metallenen Keil (die Pinne) zum festen Sitz des Stiels im Hammerauge stellten die Layen-Schmiede zur Verfügung; hin und wieder - je nach Laune - auch kostenfrei, so Heinrich Sauerborn im erwähnten Zeitungsbericht.

Heute kann man die beschriebenen Layen-Werkzeuge nur noch in Museen oder in privaten Sammlungen vorfinden, und Hammerstiele werden schon lange nicht mehr von Stellmachern individuell, sondern in großer Stückzahl maschinell hergestellt.

Franz G. Bell

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Kommentare

Wortbruch

Michael Reisdorf:
Den Ausführungen des Hr. Kowallek kann ich nur zustimmen . Jedoch brauchte Herr Seemann keinen Schnellkurs , sondern hat sich als Aufsichtsratmitglied der SWN schon 2006 bei EON-Tour nach Norwegen dementsprechend schnell im Kreise der Altparteien eingereiht (sh. auch in You Tube). So ist das in einem Obstkorb , wenn erst mal eine faule Stelle da ist .... .
Patrick Baum:
Die Wut über die Pietätlosigkeit der AfD Westerwald, vor allem der des Kreisvorstandes, ausgerechnet am 09. November ein "Schlachtfest" zu veranstalten, ist kaum in Worte zu fassen. Zu nennen sind hier der AfD-Kreisvorsitzende Jan Strohe, seine beiden Stellvertreter Justin Cedric Salka und Andreas Schäfer, sowie der Kreisschatzmeister Gilbert Kalb. Man kann hieran auch erkennen, daß dem AfD-Landesvorsitzenden Uwe Junge kein Glauben geschenkt werden kann mit seiner angeblichen Abgrenzung nach Rechtsaußen, was hier beim Kreisvorstand der AfD Westerwald deutlich sichtbar wird. Der stellvertretende AfD-Kreisvorsitzende Justin Cedric Salka wird mehrfach im Verfassungsschutzbericht zur AfD genannt. Nicht ohne Grund. Und beim AfD-Landtagsabgeordneten Joachim Paul aus Koblenz gibt es ganz starke Indizien dafür, daß Paul für eine NPD-Zeitschrift geschrieben hat. Der rechte Sumpf bei der AfD Westerwald und beim AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz ist wohl noch tiefer als gedacht.
juergen mueller:
Mit Recht sind Kinder unsere wertvollste Ressource, eine Generation, deren Grundlage für eine gesicherte Zukunft mehr denn je auf dem Prüfstand steht und für die die Politik die Verantwortung trägt, was man im Hinblick auf die vergangenen Jahrzehnte nicht behaupten kann. Zum jetzigen Zeitpunkt, an dem sich offensichtlich nichts grundlegendes ändern wird, sollte man sich einen Wunsch nach Nachwuchs gut überlegen, da der Politik in ihrer Zukunftsfähigkeit nicht zu trauen und die von ihr gesetzten Schwerpunkte kein Garant dafür ist, einer nachfolgenden Generation eine gesicherte Zukunft zu garantieren.
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