Bei der Prunksitzung der GEK verwandelte sich die Mehrzweckhalle in ein närrisches Tollhaus
Jörg Buchmüller präsentierte dem Prinzenpaar und den Jecken ein tolles Programm
Erpel. Ausgelassene Hochstimmung herrschte schon am frühen Samstagabend lange vor Beginn der närrischen Prunksitzung, zu der die Große Erpeler Karnevalsgesellschaft (GEK) um ihre Vorsitzende Martina Schwager in das von Sandra Schürmann herrlich dekorierte Gürzenich der Alten und Freie Herrlichkeit eingeladen hatte. In das hatte sich sogar ein nicht ganz waschechter Pharao aufgemacht, um mit Lolli-Prinzessinnen und Clowns, Piraten und Teufelchen, Hexen und Waldschraten das von Präsident Jörg Buchmüller zusammengestellt Programm zu genießen, so neben dem Hausherrn, Rektor Jens Heinroth, und Bürgermeister Günter Hirzmann, auch Landrat Achim Hallerbach und die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth.
Pünktlich zog der Präsident dann mit der Vorsitzenden, dem Elferrat und den GEK-Senatoren, mit den Stadtsoldaten sowie der Prinzen- und der Kindergarde zum Larida-Marsch des Tambourcorps unter Stabführung von Dirk Richarz in die jecke Mehrzweckhalle als Vorhut des Prinzenpaares ein. Tulpenstrüssjer werfend genoss Udo I. (Gramenz) mit Ihrer Lieblichkeit, Susanne I. (Bittner), gefolgt von den Adjutanten, Nüsseleverwalter Joachim Waldmann und Terminator Andreas Schwager, sowie von Prinzenbruder Rüdiger als Köbes ausgiebig das Bad in der närrischen Menge, bis er die Bühne erreicht hatte.
„Nur Freude hat zu herrschen im Erpeler Land, ab jetzt herrschen hier nur Frohsinn und Heiterkeit“, verkündete Udo I. nach einem ersten dreifach donnernden „Erpel – Alaaf!“, bevor er sich der Vorsitzenden widmete. Die habe alles passend gemacht, vor allem das Prinzenornat, da er wie alle aus seinem Gefolge, mit Ausnahme von Naturschönheit Susanne, etwas stabiler gebaut sei als sein Vorgänger Bernd. Beim Ornatumbau auf seine Ausmaße habe sich Martina Schwager in der Hofburg aber der Nähutensilien der Tollitäten bedient, die dann nach Fertigstellung des Prinzenkostüms nicht mehr auffindbar gewesen waren. Grund genug für Udo I., sich bei der Vorsitzenden mit einem kleinen, durch eine Kette vor dem Verschwinden gesicherten Nagelscherchen für das Weiten des Prinzenornats zu bedanken.
Abwechslungsreiches Programm
„Schön, dat er all da siet!“, übernahm der Präsident die Moderation der Prunksitzung, bei der „Dä Knubbelich vom Klingelpütz“ nach einem fetzigen Brings-Potpourri des Tambourcorps als Eisbrecher diente. Und der kölsche „Deliktdesigner“ mit angeborener Allergie gegen „Schickerija-Vejanatüppe un „huhdütschkallende Minsche“ wurde dieser Aufgabe mehr als gerecht.
„Dat is jeil, alles ze bewäje“, erklärten dann die Jüngsten der Kleinen Prinzengarde mit Brings, bevor die Großen von Simone Spannuth und Saskia Germscheid trainierten Tänzerinnen zu „Su oder su, mir dun et suwiesu“ von den „Buure“ über die Bühne wirbelten, bevor sie Eulen nach Athen trugen, indem sie wie „Kuhl un de Gäng“ die knatsch-verdötschten Jecken aufforderten, de „Naach zom Daach“ zu machen. Den satirischen Nagel auf den Kopf traf wie schon im Vorjahr „Et Köbinche“ Silvia Gehrig mit ihren Geschichten aus dem Erpeler Nähkästchen wie etwa von dem unerreichbaren Briefkasten der Grundschule oder der „Langstrecken-Taxifahrt“ von „Melanie Woelk“ mit dem Zweitautoschüssel ihrer Nachbarn nach Norddeich. Subjekte der „Schadenfreude“ waren auch Hansi Freund mit seinem aussichtslosen Kampf gegen die neue Kettensäge, weil er nicht an die Kindersicherung gedacht hatte, und Prinz Udo. Der hatte den alles andere als ernst gemeinten Rat von Martina Schwager gefolgt, ihr Andreas habe sich vor acht Jahren „einfach“ die Beine rasiert, damit sich die schwarzen Haar nicht durch die weiße Strumpfhose drücken könnten. Dabei hatte ihr Göttergatte dies viel einfacher und vor allem weitaus weniger schmerzhaft durch ein zweites dieser eleganten Beinkleider verhindert.
Mit etwas derben Anekdoten von der Untersuchung beim Urologen und den „Herzkranzgefäßen“ seines Kurschattens wartete dann der „Flachlandtiroler“ Ralf Gerresheimer auf, der mit seinem abschließenden Appenzeller-Jodler die Jecken begeisterte. Hoch hinaus ging es dann von Anbeginn an bei der Prinzengarde um ihre starken Kääls, Nils Bornheim und Dominik Schwager. Mit ihrem „Wahnsinn“-Tanz ließ die Garde alles andere als die Seele der Narrenschar erfrier’n, sondern heizte ihr dermaßen ein, das sich die Frage: „Ganz oder gar nicht, gehen oder bleiben“ gar nicht erst stellte. Zumal ja auch schon mit den „Ratsherren“ die bekanntesten Blasmusik-Boygroup um den Erpeler Frontman, Jörg Weich, auf ihren Auftritte wartete. Schon mit ihrem „Bella ciao, ciao, ciao“, stellten se „alles op d’r Kopp“. Da wollte niemand die Ratsherren entlassen nach „Bye, bye my love“ maach et jood“, so dass die erst nach dem Bläck Fööss-Stammbaum die Bühne für Oma Finchen freigaben.
Das Erpeler Urgestein hatte sich vor elf Jahren selbst zur Weinkönigin ernannt. Da sie das große Burgunderglas seitdem nicht aus der Hand gegeben hatte, lag der Beschluss nahe: „Nu maachen ich den Rest och noch weiter bis zum bitteren Eng!“ Als schnell unterzuckerten „Jung“-Yogorette mit dem „mopsigen Feinkostgewölbe“ hatte sie sich dazu durchgerungen, an ihrem Herrmännchen nit mie erömzeschliefe. Der Grund: „Dem sinne Macke ännere ich eh nit mie!“
Wicki Junggeburth begeisterte
„Ein so tolles Publikum habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Zu später Stunde einem Vortrag noch so aufmerksam zu folgen. Das ist Spitze. Da habe ich 27 Jahre warten müssen, bis ich das hier erleben darf“, schwärmte kurz Wicki Junggeburth, das „zweibeinige Wikipedia“ des Kölschen Fastellaer bei seinem ersten Besuch bei der Erpeler Narrenschar. „Im Gürzenich darf jeder in de Bütt, nach Erpel wird man eingeladen“, hob er hervor, um sich zunächst Witze des unvergessenen Horst Muys zu widmen. Etwa dem von der Nonnen, die wegen des von ihr im Kinderwagen ausgeführten Babys auf ein „Klostergeheimnis“ angesprochen wird und die diese Fehlinterpretation mit der Antwort „eher Kardinalfehler“ richtigstellt. Von dem Selbstanzeiger, der angeblich seine Frau geamselt hatte, bis ihm die korrekte Bezeichnung für seine Straftat mit „erdrosselt“ einfällt, kam der Kölner Karnevalsprinz von 1993 auf die Ostkatze aus dem Jahr 1961 zu sprechen. Der Grund, warum sie mit hängenden Schwanz über die Berliner Mauer schlich, statt diesen stolz aufzurichten, war naheliegend: „Meinst du, ich wollt mir das letzte Loch auch noch zubetonieren lassen!“
Diese eher etwas leiseren Töne gab Wicki Junggeburth dann aber bei seiner England-Lummerland-Definition - „Eine Insel mit zwei Bergen“ - auf. So kommentierte er den Brexit mit Howard Carpendals „Dann geh doch“, während Premier Boris Johnson sich von ihm sagen lassen musste: „Man hat als Baby dich zu heiß gebadet!“ und der Komiker aus Washington war mit Gerd Kösters Lied „Sackjeseech“ noch ganz gut bedient. „Witzjer brenge, Liedscher senge, danze, sprenge, Kostümcher un en Pappnas em Jeseech, so wie hier: Dat es Karneval“, zollte er den us Rand un Band mitsingenden Erpelern höchste Lob. „Jetzt weiß ich was ich 27 Jahre versäumt habe. Schöner als bei Üch konnte für mich der Abend nit sein!“, verabschiedet er sich kurz vor Mitternacht. Ein Ende der super närrischen Prunksitzung war da aber noch längst nicht in Sicht. DL
Hoch hinaus ging es bei der Erpeler Prinzengarde, einem der Höhepunkte der Prunksitzung.
Mit einem silbernen Bierkranz, natürlich für Kölsch-Stängel, belohnte der Präsident das Erpeler Eigengewächs „Et Köbinche“.
Mit fetziger Blasmusik rissen die „Ratsherren“ die Erpeler Narrenschar von den Sitzen.
