Die Welt aus gemeinsamer Verantwortung gestalten.
Jörg Lange erneut in Westafrika in Verantwortung
aus Unkel
Was kann einen Menschen motivieren, nach über vierjähriger Geiselhaft erneut Verantwortung zu übernehmen?
Unter dem Titel „Nach 1702 Tagen in dschihadistischer Geiselhaft in Mali wieder neu in der Verantwortung für Westafrika“ sprach Entwicklungshelfer Jörg Lange auf Einladung der Bürgerstiftung Unkel „Willy-Brandt-Forum“ über seine mehr als vierjährige Geiselhaft in Mali und seine Motivation, trotz alledem auch heute noch regelmäßig in Westafrika zu wirken. Sein Vortrag am Dienstag, den 20. Oktober 2026, hätte kaum besser zum Jahresthema „Verantwortung“ im Willy-Brandt-Forum passen können.
Sabine Köppe, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Unkel, begrüßte die zahlreichen Teilnehmenden und führte zum beruflichen und persönlichen Hintergrund von Jörg Lange ein. Zunächst Theologe wurde Lange später Wasserbauingenieur und war als Landesdirektor der Hilfsorganisation Help 2018 nach Niger entsandt worden. Millionen von Binnenflüchtlingen sollten mit Wasser versorgt werden.
Mit seinem Vortrag und den aus seinem im März 2027 erscheinenden Buch vorgetragenen Passagen zog er die Anwesenden in seinen Bann.
Eingangs erläuterte Jörg Lange die politischen Rahmenbedingungen in Westafrika anhand der Landkarte.
Als Jörg Lange seine Gefangennahme und die Fahrt gefesselt und mit verbundenen Augen auf rasenden Motorrädern sowie die dann folgenden Phasen des gesamten Albtraums beschrieb, gefror den Zuhörenden buchstäblich das Blut in den Adern. Es gab mehrere Situationen, in denen er seine letzte Stunde als gekommen sah, einmal sogar herbeiwünschte, weil es nicht mehr auszuhalten schien. Grausam und kaum anzuhören war die Schilderung, wie der Chef seiner Entführer namens Hakim, ein Polisario-Kämpfer, Morde verübte.
Während diese Dinge geschahen, hat sich Lange regelmäßig dissoziieren können. Er dachte an Filmszenen oder Bibelzitate. Die Sichtweise, wonach er ohne die Geiselhaft nie zwei Tage lang Vögeln beim Nestbau hätte zuschauen können, macht deutlich, dass er trotz der Leiden „Kapitän über die Deutung des eigenen Lebens“ blieb.
Eindrucksvoll schilderte Lange seine Gespräche mit den Entführern über Religion, Geschichte und Politik sowie den täglichen Kampf ums Überleben. Er gab Einblicke in Denkweisen, Ideologien und Rekrutierungsstrategien dschihadistischer Gruppen.
Es gab innerhalb der über vier Jahre Verbindung mit Zuhause, und er erhielt sogar die erbetenen vier Bücher zugesandt: eins von Jürgen Todenhöfer, eins von Peter Scholl-Latour, den Koran und die Bibel.
Dass es gelingen konnte, ohne posttraumatische Störungen die Geiselhaft zu überwinden, ist Lange zufolge auf physische, psychische und geistige Ressourcen zurückzuführen. Er betonte auch sein Verhältnis zum Transzendenten.
Die Überzeugung, dass wir Menschen Verantwortung für die Welt haben und sie aus gemeinsamer Verantwortung gestalten sollen, ist Motivation für sein weiteres Engagement in Westafrika. Er reist zweimal jährlich nach Burkina Faso. Wer diese Arbeit unterstützen möchte, kann an den 2009 gegründeten „Fathima Verein e.V.“ in Bad Honnef spenden: IBAN DE053806 0186 5617 0570 10. Einzelheiten sind nachzulesen unter www.fathima-ev.de
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Jörg Lange erläutert die Hintergründe seiner Entführung von Niger nach Mali Foto: Hilaria Dette