Allgemeine Berichte | 05.09.2016

328. Jahrsfelder Markt

„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten

Tradition seit 1688 - Damals herrschten rauhe Sitten auf der Gewerbeveranstaltung

„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten

Straßenhaus. Bei angenehmen Sommertemperaturen versammelten sich schon zur Eröffnung am frühen Donnerstagmorgen Massen von Menschen auf dem Jahrsfelder Markt. Alt und Jung bummelten durch die Gassen der Marktbeschicker an den Ständen vorbei und besahen sich Wurst, Socken, Scheren und Messer, Unter- und Oberbekleidung, Lederwaren, Gewürze und all die anderen tausend Dinge, die hier angeboten wurden. Der Jahrsfelder Markt in Straßenhaus hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Nun fand er zum 328. Mal statt. Erstmals erwähnt wurde der Markt in den wiedischen Akten im Jahre 1688. Dort wurde von einem bunten Treiben auf einem Viehmarkt berichtet.

Viehmarkt und Treffpunkt

Damals sah ein Markt allerdings anders aus: Er diente dem Kauf und Verkauf von Vieh sowie Gegenständen des bäuerlichen Lebens. Es wurden per Erlass der fürstlich-wiedischen Verwaltung alle Handelsleute und Bürger, die etwas zu verkaufen hatten, bei Strafandrohung gezwungen, den Honnefelder Markt zu besuchen. Der „Jorschelder Moat“ fand früher nicht auf dem jetzigen Gelände statt, sondern auf dem Gelände der Kläranlage im Jahrsbachtal. Die Bauern trieben ihr Vieh durch die Täler dorthin, um es zu verkaufen. Wahrscheinlich erst 1828 wurde der Markt unter der Bezeichnung „Jorschelder Moat“ an den heutigen Standort verlegt. Der Dichter des Westerwaldliedes, besonders der Strophe „Und ist das Tanzen dann vorbei, gibt es häufig Keilerei“, muss Mitte des letzten Jahrhunderts oft zum Jahrsfelder Markt gekommen sein, denn Schlägereien waren an der Tagesordnung. Ein Bürgermeister beschwerte sich bei der fürstlich-wiedischen Regierung wegen dieses Tatbestandes.

Schlägerei war Markttradition

Am 4. September 1844 gab es auf dem Jahrsfelder Markt 44 Wirte mit Speisen und Getränken und man beschloss, diese Zahl zu reduzieren, wobei man zeitweise sogar den Ausschank von Branntwein verbot. 1883 wurden auf dem Markt Arrestzellen gebaut und zusätzlich Gendarmen eingestellt. 1897 wurde sogar ein Mann bei einer dieser Keilereien getötet.

1847 beschloss man, den Markt zu verpachten, da man Probleme mit den Schützen hatte, die die Gelder kassieren sollten. Ein Bürgermeister beschwerte sich, dass sie alle bestechlich wären und lieber dem Alkohol zugetan seien. Die Verpachtung erfolgte bis 1886.

Der Markt lebt immer wieder auf

Während des Ersten Weltkrieges gab es keinen Markt. Erst 1927 fand wieder ein Markt statt und die Kreisverwaltung erkundigte sich im Oktober beim Bürgermeister, ob der Neuanfang gelungen sei. Auch während des Zweiten Weltkrieges war er eingestellt.

In den letzten 20 Jahren hat sich sehr viel verändert. Die Viehhändler und die Anbieter landwirtschaftlichen Gerätes sind verschwunden, dafür kommen jetzt jede Menge fahrender Händler. Es ist auch gelungen, die beiden Burschenvereine aus Jahrsfeld und aus Niederhonnefeld-Ellingen dazu zu veranlassen, den Jahrmarkt und die anschließende Kirmes gemeinsam in einem Zelt auf dem Kirmesplatz in Straßenhaus zu feiern.

Der Markt wächst mit

Ein breitgefächertes Marktangebot erwartet heutzutage jährlich die Besucher. Rund 200 Markthändler bieten Waren aller Art, von der Kittelschürze bis hin zu landwirtschaftlichen Bioprodukten, vom Küchenmesser bis zu Spielwaren. Auch für das leibliche Wohl ist immer bestens gesorgt.

Neben dem klassischen Angebot können auch immer wieder neue Händler aus der Region gewonnen werden. Im Bereich der Schule und des Kindergartens ist im Jahr 2009 ein Erlebnisbereich entstanden, der an längst vergangene Zeiten erinnern soll. Erstmals seit Jahrzehnten konnte dort eine große Tierschau mit Hühnern, Kaninchen, Schafen, Alpakas und weiteren Tieren bestaunt werden.

Viele Vereine sorgen ebenfalls für ein umfangreiches Angebot fester und flüssiger Lebensmittel und bieten Abwechslung sowohl für die kleinen als auch für die großen Marktbesucher.

Prominente Gäste

Die traditionelle Eröffnung der Großveranstaltung ging im Festzelt über die Bühne, mit Ansprachen, Faßbieranstich und flotter Musik der Schlagersängerin Marry, die sonst auf Mallorca die Partypaläste zum Brodeln bringt. Die adrette blonde Frau, im nahen Großmaischeid lebend, spielte den Heimatbonus aus: „Wenn ich schon mal so nah zu meinem Wohnort auftrete, dann sollt ihr auch so viel wie möglich von mir kriegen!“ Das wiederum bedeutete auch, dass die Gäste und die Ehrengäste immer wieder animiert wurden, sich zu erheben und mit zu klatschen. Der Aufforderung der sympathischen Sängerin kamen alle gerne nach: Landrat Rainer Kaul, Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Straßenhaus-Ortsbürgermeisterin Birgit Haas, Rengsdorfs VG-Bürgermeister Hans-Werner Breithausen und Ortsbürgermeister Christian Robeneck, der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, Noch-VG-Bürgermeister Werner Grüber (Waldbreitbach) und - um nur einige wenige der prominenten Ehrengäste zu erwähnen - der Ex-Bundestagsabgeordnete und -Handwerkskammer-Präsident Werner Wittlich aus Kurtscheid.

Nicht weniger Applaus als die Stimmungskanone aus Großmaischeid erhielten die Minis der evangelischen Kindertagesstätte Straßenhaus, die lautstark und von Kachon und Gitarre begleitet ihre Lieder vortrugen. Dann schlug die Stunde und der Hammer von Werner Grüber, der in Reimform sein Loblied auf den Jahrsfelder Markt und die Fusion der Verbandsgemeinden Waldbreitbach und Rengsdorf vortrug. Mit „Wied in Flammen“ und dem Markt habe die Großgemeinde dann schon mal zwei überregional bekannte Publikumsmagneten. Gekonnt schwang der Bürgermeister den Hammer und trieb den Zapfhahn in das riesige Holzfass, aus dem anschließend das Bier in Strömen floss. Wie hatte Birgit Haas in ihrem Grußwort in der Festbroschüre so schön geschrieben: „Es sind nicht nur die angebotenen Waren, die in ihrer Qualität und Vielseitigkeit einen Besuch so lohnenswert machen. Es sind auch nicht nur die freundlichen Händler und Kirmesfamilien, immer zu einem kleinen Schwätzchen bereit. Es ist vor allem auch die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, die hier leben und die Kirmes und den Markt immer wieder zu einem Erlebnis machen.“

„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten
„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten

„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten

„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten

„Jorschelder Moat“ begeistert die Besucher seit Jahrhunderten

Auch die Minis aus Straßenhaus begeisterten mit ihrer Musik. -KER-

Auch die Minis aus Straßenhaus begeisterten mit ihrer Musik. Fotos: -KER-

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