Theater in Dohr
„Jubel, Trubel, Eitelkeit“ sorgt für reichlich Heiterkeit
Dohrer Ensemble begeistert in der Schönheitsklinik Schwanensee
Dohr. Man musste schon über ein strapazierfähiges Zwerchfell verfügen, wenn man sich denn am vergangenen Wochenende für einen der begehrten Sitzplätze im Dohrer Theater-Forum entschieden hatte. Unter der Spielleitung von Ingo Köhler liefen die Laienschauspieler des heimischen Ensembles nämlich wieder einmal zur Höchstform auf. Da stimmte von der Mimik über den Ausdruck bis hin zur Selbstverwirklichung der jeweiligen Figur einfach alles, wenngleich Situationskomik und Mundartspäße das schmackhafte Salz in der Suppe waren.
Turbulentes Theater
So geht es in der Dohrer Schönheitsklinik „Schwanensee“ von Beginn an hektisch und turbulent zur Sache, weil der Besucher aufgrund des trefflich gewählten Bühnenbilds nicht nur die aktuellen Geschehnisse im Empfangsbereich, sondern auch die durchweg sehr gut betuchte Klientel auf dem medizinischen Behandlungsmöbel miterlebt. Hier betätigt sich in erster Linie der auf schnelles Geld gepolte Hochstapler Dr. Roland Meister (hervorragend verkörpert von Günter Erdmann), der mit windigen Geschäfts-/Eingriffspraktiken möglichst schnell zum Klinikchef aufsteigen möchte. Dazu gesellt sich in der Folge sein alter Spezi Moritz Engel (überzeugend als Italo-Charmeur, Mirko Röhr), der als ertappter Heiratsschwindler die Rache von Tilly Königs Vater fürchtet und sich deshalb von Kumpel Roland ein neues Gesicht wünscht. Helene Gilles begeistert im Part der Tilly und als Tochter des steinreichen Wurstfabrikanten, vor dem sich Moritz Engel berechtigterweise fürchtet. Gleichwohl bleibt er seiner Linie als Betrüger treu, denn er versucht sich sogleich mal als werbender Galan bei der übergewichtigen Rosa Schulze (köstlich in Szene gesetzt von Helene Maas), die nach einer misslungenen Schoko-Diät jetzt auf die OP-Hilfe von Dr. Meister setzt. Diese kann sie sich nun leisten, weil ihr kürzlich ein willkommener Lottogewinn ins Haus flatterte. Mit auf dem Bühnenparkett auch der selbsternannte Künstler Kuno von Kaienberg (betörend schräg, Stefan Schäfer), der sich als durchgedrehter Vollpfosten outet und dennoch herrlich in das Spektakel passt. Urkomisch und überzeugend gibt Nadja Lenz-Fritzen die Blaublütige Herlinde von Hohenstein, der man die versnobte Haute-Couture-Trägerin auf Anhieb abnimmt. Dr. Roland Meister zeigt sich derweil von den aktuellen Ereignissen etwas überfordert. Zwar will er dem Ex-Kumpel Moritz Engel nicht unbedingt ein neues Antlitz verpassen, doch der weiß etwas Brisantes über den Schönheitschirurgen, was er unisono als Druckmittel einsetzt. Der so gestresste Arzt lässt seine Arbeit meist von seiner aktuellen Verlobten und überzeugenden Ensemble-Debütantin Steffi Erdmann verrichten. Die will der böse Doktor, wenn es denn nach seinem Willen geht, aber zeitnah gegen die schwerreiche Gräfin Herlinde austauschen, deren Silikonattribute förmlich ins Auge stechen.
Zusätzliches Leben in die Bude bringt, von ihrem emanzipierten Auftreten her, die mit reichlich Testosteron ausgestattete Astrid Sacher (glaubhaft resolut, Tanja Schäfer). Sie erfreut als polizeiliche Ermittlerin mit Format und abschließendem Erfolg. Karin Kehrer ist die flotte Klinikangestellte mit losem Mundwerk und viel eigener Meinung (exzellent dargeboten von - und eine Paraderolle für - Ines Grundmann). Abschließend sei nicht zu viel verraten, denn am heutigen Wochenende darf man mit den Akteuren des Dohrer Theatervereins (Sa, 19 Uhr + So, 17.Uhr) noch einmal viel Spaß haben. TE
Unglaubliche neue Erkenntnisse stellen sich ein. Rosa Schulze und Tilly König zeigen sich erschreckt.
Herr Doktor führt nichts Gutes im Schilde. Noch ist er sich seiner bösen Sache allerdings sicher.
Das Aufbringen von Mager-Joghurt im Angesicht sorgt für einen glaubhaften Placebo-Effekt.
