Realschule plus und Fachoberschule Mendig
Jubiläums-Sommerfest
Mittelschule Niedermendig wurde vor 75 Jahren eröffnet - Die Schulgeschichte Mendigs reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück
Mendig. Geschichte(n) rund um die Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Die ersten Schultage in Mendig liegen lange zurück. 1653 begann der erste Lehrer Kinder in Mendig zu unterrichten.
Im Laufe der Jahrhunderte erlebte Mendig eine wechselvolle Schulgeschichte mit zwei Volksschulen für die beiden Mendiger Ortsteile. Aus der Niedermendiger Volksschule ging die heutige Pfarrer-Bechtel-Grundschule hervor.
Die Obermendiger Volksschule erhielt 1968 neue Räumlichkeiten in der Fallerstraße und wurde als Hauptschule weitergeführt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren das Führen eines „Schülertagebuchs“ neben der Schiefertafel und das halbjährliche Ausstellen von Zeugnissen zur Pflicht geworden. Zu dieser Zeit gab es überwiegend Volksschulen, sowie Mittelschulen und Gymnasien.
Bildung im ländlichen Raum in Kriegszeiten
Vor 75 Jahren befand sich Europa mitten im zweiten Weltkrieg. Am 22,. Juni 1941 hatte Hitler die Sowjetunion angegriffen und damit einen schrecklichen neuen Kriegsschauplatz eröffnet. Trotz des Krieges und seiner weiteren Eskalation hatte das Reichserziehungsministerium in Berlin die einzelnen Bezirksregierungen aufgefordert, nach Standorten für mögliche Mittelschulen zu suchen.
Diese sollten – insbesondere im ländlichen Raum – begabte Jugendliche im Sinne des damaligen Nationalsozialistischen Staates erfassen und erziehen. So wurde im August 1941 die Kreismittelschule Niedermendig eröffnet.
Anfangs dachte man ausschließlich an eine Mädchenmittelschule. Es zeigte sich aber schnell, dass trotz der beiden Gymnasien in Mayen und Andernach auch der Bedarf für eine Knabenmittelschule vorhanden war.
So wurde nach den notwendigen Vorarbeiten der Plan zur Errichtung einer doppelzügigen Anstalt genehmigt. Träger sollte anfangs das Amt Niedermendig sein und die Schule in den freien Räumen der dortigen Volksschule untergebracht werden. Allerdings würde das nur für die ersten Klassen möglich sein. Also wurde ein Neubau in Erwägung gezogen, wodurch die Schullasten für das Niedermendiger Amt allerdings zu groß geworden wären.
Um den Schulstandort dennoch zu sichern, schaltete sich der Kreis als Träger ein. So erhielt die Schule den Namen Kreismittelschule Niedermendig. Als Zubringergemeinden wurden alle Orte zwischen Mayen und Andernach bestimmt. Die Zahl der vorläufigen Schülermeldungen, besonders die der Mädchen, stieg so hoch, dass es Überlegungen gab, zusätzlich zu den beiden Jungenklassen eine weitere Klasse für Mädchen zu bilden.
Stattdessen wurde dann in Mayen eine Mädchen-Mittelschule eröffnet. Die Schwierigkeiten, die der Schülertransport mit sich brachte, wurden in Kauf genommen. Am 18. August 1941 war es schließlich so weit: die Mittelschule Niedermendig wurde feierlich eröffnet! In die erste Klasse wurden parallel 47 Knaben (in Mendig) und 32 Mädchen (in Mayen) aufgenommen.
Als Leiter der beiden Schulen in Niedermendig und Mayen wurde Rektor Loch berufen. Als weitere Lehrpersonen unterrichteten Fräulein Müller (bisher Lehrerin in der Mittelschule Linz/Rhein) und in Niedermendig Hauptlehrer Geisen-Bickenich.
Nebenamtlich erteilten Fräulein Perskowitz Nadelarbeit und Turnunterricht und Fräulein Keuker Musikunterricht.
Die Schulräume befanden sich im Gebäude am Marktplatz, in dem sich heute die Amtsräume des Stadtbürgermeisters und die „Ratsstuben“ befinden. Als 1942 die Schulform der Hauptschule ins Leben gerufen wurde, wollte man auch die Niedermendiger Mittelschule in eine solche umwandeln.
Von Berlin wurde dies aber nur für die unteren Klassen genehmigt. 1943 wurde die Mittelschule (durch Erlass des Reichsministeriums) für die unteren Stufen in eine vierstufige Hauptschule umgewandelt. Am 1. Dezember 1943 wurde Rektor Loch auf seinen Wunsch hin von den Dienstgeschäften als Leiter der Kreismittelschule entbunden und Rektor Gret als neuer Leiter berufen. Zu der Zeit hatte die Schule 5 Klassen, und zwar Ia, Ib, II, IIIa und IIIb. Mit Beginn des Schuljahres 1944/45 zählte die Schule bereits 7 Klassen mit 237 Schülerinnen und Schülern.
Zusätzlich zu den bereits vorhandenen 3 Planstellen wurden 3 weitere rückwirkend genehmigt.
Schule wurde im Krieg für ein Jahr geschlossen
Im Laufe des Jahres 1944 wurden die Zugverbindungen von und nach Mendig immer häufiger durch Flieger der Alliierten beschossen, so dass Züge oft ausfielen und die Zugfahrt für die Schüler sehr gefährlich wurde. Unterrichtsausfälle häuften sich deshalb und am 2. September 1944 wurde die Schule schließlich komplett geschlossen.
Am 1. Oktober 1945 wurde die Schule mit Genehmigung der französischen Militärbehörde als Kreismittelschule Niedermendig wiedereröffnet. Zum Besuch der Schule meldeten sich 117 Knaben und 74 Mädchen, die in 5 gemischten Klassen untergebracht wurden. Mit den Vorarbeiten und auch mit der Leitung der Schule wurde Rektor Gret beauftragt.
Da die Zugverbindung zwischen Mayen und Mendig sehr schlecht war, wurden die Knaben aus Mayen vorübergehend an die dortige Mädchenmittelschule geschickt, wo sie dann aber doch endgültig eingeschult wurden.
So besuchten am Ende des Schuljahres 1945/46 96 Knaben und 68 Mädchen in fünf aufsteigenden Klassen die Schule in Niedermendig.
Die Mittelschulen in Mayen und Mendig wurden bis 1951 in Personalunion geführt, ein in Rheinland-Pfalz einmaliges Schulangebot. 1951 wurden die Mittelschulen in Realschulen umbenannt.
Ab 1963 – nach Verabschiedung des rheinland-pfälzischen Realschulgesetzes – wurden die Realschulen flächendeckend eingeführt. In Mendig mussten ab 1958 verschiedene Übergangs- und Zwischenlösungen in Kauf genommen werden, um die steigenden Schülerzahlen bewältigen zu können. 1967 wurde der Grundstein für einen Schulneubau in Obermendig gelegt. Am 13. September 1968 begann die Mendiger Hauptschule dort mit ihrem Unterricht.
Ende 1969 wurde im Kreistag entschieden, im Ortsteil Obermendig eine Realschule mit Sporthalle in Verbindung mit der bereits vorhandenen Hauptschule zu errichten. Im Schuljahr 1973/74 konnten die neuen Gebäude schließlich bezogen werden und der Schulbetrieb der Realschule Mendig in Obermendig mit 12 Klassen aufgenommen werden. 1974 fand die feierliche Eröffnung der „neuen“ Schule in Obermendig durch Herrn Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl statt. 1976 wurde die Realschule Mendig in den Gebäudekomplex der Hauptschule eingegliedert, seither arbeiteten beide Schulen getrennt, aber in räumlicher Verbindung. Die Hauptschule trug den Namen Geschwister-Scholl-Schule, die Realschule seit 1988 den Namen Hermann-Gmeiner-Realschule. Beide Schulen feierten im Laufe der Jahre verschiedene Jubiläen (1981: 40 Jahre RS Mendig, 1991: 50 Jahre RS Mendig, 2008: 40 Jahre HS Mendig). 2003 erhielt die Realschule einen Erweiterungsbau, das „Gebäude D“ mit einem flexiblen, großen Musikraum im Obergeschoss.
Seit 2010 Realschule plus
Im Rahmen der Schulstrukturreform wurde schließlich im Jahr 2010 die Realschule plus Mendig in kooperativer Form errichtet, indem man Haupt- und Realschule zusammenlegte. Obwohl der Standort Mendig im Gegensatz zu vielen anderen Realschulen plus den Vorteil hatte, bereits in einem gemeinsamen Gebäudekomplex untergebracht zu sein, dauerte es doch eine ganze Weile bis die beiden Schulen organisatorisch und auch baulich zusammenwachsen konnten.
Verwaltung, Lehrerkollegium, Eltern- und Schülerschaft waren vor große Herausforderungen gestellt, die sie hervorragend meisterten, so dass sich eine sehr harmonische Schulgemeinschaft entwickelt hat. Im kooperativen Schulmodell werden alle Schülerinnen und Schüler nach ihren Möglichkeiten gefördert und gefordert. Es gibt die Möglichkeit des Ganztagsunterrichts, eine Mensa mit Mittagsverpflegung, einen musikalischen und einen technischen Schwerpunkt. Verschiedene Aktionen wie die „Überlebensläufe“, die Teilnahme an der „Tour d’Europe“ und Konzerte runden den Jahreslauf ab. 2012 wurde die Fachoberschule mit der Fachrichtung „Technische Informatik“ an der Realschule plus Mendig errichtet. So können die Schülerinnen und Schüler an der Realschule plus Mendig individuell verschiedene Schulabschlüsse erreichen, vom Berufsreifeabschluss über die mittlere Reife bis zur Fachhochschulreife.
