„Geschichtenwanderung“ von Eifelverein und Rheinbach Liest
Junge Geschichtenwanderer im Merzbacher Wald
Mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer lauschten an den Haltepunkten Auszügen aus ausgewählten Kinderbüchern - auch die Einkehr im Lesegarten von Christiane Stockmanns in Neukirchen ist gute Tradition
Rheinbach. Die Idee bei der „Geschichtenwanderung“ für Familien ist denkbar einfach: Beim Wandern reichlich Pausen machen und währenddessen vorlesen. „Ich versuche, die Textstellen aus beliebten Kinderbüchern passend zu den Haltepunkten auszuwählen“, erklärt Gerd Engel, von Beruf Grundschullehrer, Mitglied im Eifelverein und ehrenamtlich für Rheinbach Liest aktiv. „In diesem Jahr waren ausschließlich Neulinge dabei. Deswegen konnte ich teils auf Material zurückgreifen, dass ich in den Vorjahren schon erfolgreich erprobt hatte.“
Los ging es auf der Wiese in der Nähe des Wanderparkplatzes mit dem ersten Band von „Snöfrid aus dem Wiesental“ (Andreas H. Schmachtl). Snöfrid soll Prinzessin Gunilla aus den Fängen der Nordland-Trolle befreien, trifft aber gleich zu Beginn auf eine kleine Nervensäge, die noch nicht mal ihren eigenen Namen kennt. „Das kann ja heiter werden!“, las Engel schmunzelnd und sollte Recht behalten.
Kaum im Wald, an der einzigen nennenswerten Wasserstelle, die Wanderführerin Elsbeth Bois ausfindig machen konnte, fieberten die Vor- und Grundschulkinder mit Ronja Räubertochter mit, die nach Jahren in der dunklen Mattisburg ihre erste Begegnung mit der Natur hat. „…hoch über ihr rauschten die Bäume. Sie guckte hinauf und lachte leise, weil es sie gab“, klingt es in Lindgrens poetischer Szenenbeschreibung und auch die Bäume im Merzbacher Wald rauschten - als hätten sie zugehört. Dreißig Augenpaare blickten stumm nach oben. Ein magischer Moment!
In einer Schutzhütte las Engel dann in „gut gemeintem Kölsch“ aus Rolli Brings Buch von Grimmschen Mundart-Märchen vor. Die Kinder sollten an den kurzen Lesestellen erraten, um welches Märchen es sich handelte. Und siehe da: Ob „Dä Wolf un die sibbe jung Jeißercher“, „Hans em Jlöck“ oder „Et Hännesje und et Grietche“, alle wurden zweifelsfrei erkannt.
Nach weiteren Geschichten-Stopps mit Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ und Pausewangs „Die Räuberschule“ fand man sich im Garten von RL-Mitglied Christiane Stockmanns ein. Der war für den Abend als Lesegarten hergerichtet worden. Einen halbstündigen Regen überbrückten Kinder und Erwachsene mit Brötchen und heißen Würstchen, bevor sie es sich mit den bereitgestellten Büchern beim Lesen und Vorlesen gemütlich machten. Wer wollte, durfte sich am Ende aus den Bücherkisten noch etwas für die Ferien ausleihen. Der Rückweg zum Wanderparkplatz wurde von den ausgeruhten Leseratten dann vorwiegend rennend zurückgelegt. „Die Geschichtenwanderung gehört mittlerweile fest zum Jahresprogramm des Eifelvereins“, bestätigt Elsbeth Bois. „Sogar die Deutsche Wanderjugend interessiert sich für unser Konzept.“ Gerd Engel gefällt daran „die sich gegenseitig befruchtende Verbindung von Wandern, Naturerleben und Literaturgenuss. Der Termin am ersten Sommerferiensamstag und die Vorbereitungen sind für meine Frau und mich schon ein lieb gewonnenes Ferienstartritual“. Weitere Infos zu den Aktivitäten der beiden Vereine unter eifelverein-rheinbach.de sowie rheinbach-liest.de.
Nach dem Regen ließ es sich im Lesegarten gut aushalten.
Wandern und sich auf die nächste Geschichte freuen.
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