Allgemeine Berichte | 16.11.2020

Initiative „Kulturgesichter 056“ macht auf prekäre Lage von Kulturschaffenden aufmerksam

Kampagne will der Veranstaltungsbranche ein Gesicht geben

Die Macher hinter der Aktion „Kulturgesichter 056“ Fotograf Herbert Piel (li.) und Veranstaltungstechniker Michael Enchelmaier. Fotos: CF

Bendorf. Egal ob Sänger, Musiker, Veranstaltungstechniker, Eventmanager oder Konzertveranstalter, sie alle haben seit Beginn der Corona-Pandemie Mitte März kaum eine Möglichkeit ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen und Geld zu verdienen. Keine Frage, die Veranstaltungsbranche hat es besonders hart getroffen weiß auch Veranstaltungstechniker Michael Enchelmaier aus Bendorf: „Die Angst geht in allen Betrieben um. Sie sind alle am kämpfen. Der Eine hat mehr Rücklagen, der Andere übersteht es etwas länger. Aber alle sagen: Wir halten das nicht lange aus!“

Wie viele Menschen auf und abseits der Bühne in der Branche tätig sind, ist manch einem wohl kaum bewusst. Aus diesem Grund hat Michael Enchelmaier sich mit Fotograf Herbert Piel kurzgeschlossen, um eine Kampagne für den Großraum Koblenz ins Leben zu rufen.

„Als selbstständiger Fotograf sind bei mir natürlich auch die Aufträge weggebrochen“, sagt Herbert Piel, der sich dazu bereit erklärte, die Shootings für die Initiative „Kulturgesichter 056“ in der Lagerhalle der EVE-Veranstaltungstechnik in Bendorf durchzuführen.

Das Konzept ist schlicht und einfach: Kulturschaffende werden vor einem schwarzen Hintergrund mit verschränkten Armen und ernstem Gesichtsausdruck fotografiert. Die Porträts in schwarz-weiß unter dem Slogan „Ohne uns ist Stille“, versehen mit dem Namen der Person, der Berufsbezeichnung und der Anzahl der Berufsjahre sollen den zahlreichen bedrohten Existenzen der Veranstaltungsbranche ein Gesicht geben.

Fotos: Herbert Piel

Fotos: Herbert Piel

In den sozialen Netzwerken erreichte die Kulturgesichter-Kampagne in kürzester Zeit hohe Reichweiten, sodass immer wieder neue Termine angeboten werden mussten, um der hohen Nachfrage gerecht werden zu können.

„Unsere Facebook-Seite hat innerhalb von 10 Tagen 113.000 erreichte Personen und 1250 Likes. Das halten wir für eine richtig gute Resonanz“, berichtet Michael Enchelmaier.

Mehrere hundert Menschen aus unterschiedlichsten Sparten haben sich an der Kampagne in Bendorf beteiligt. Manche nahmen dafür sogar Kilometer weite Anreisen in Kauf.

„Wir haben von prominenten Musikern aus der Region bis zu Hobbymusikern wirklich alles dabei. 80 Prozent der Musik- und Kulturbranche im Großraum 56 hat das mittlerweile mitbekommen“, erzählt Herbert Piel.

So beteiligten sich beispielsweise Persönlichkeiten, wie Markus Graf von der LAG Rock & Pop Rheinland-Pfalz e.V., Gitarrist Lulo Reinhardt, Comedian Roberto Capitoni, Regisseur und Produzent Berny Abt, Klubbesitzer Berti Hahn oder auch Sänger Thomas Anders bei den Kulturgesichtern.

„Ich hatte das Gefühl bis zum Spätsommer, das man uns komplett vergessen hat. Wie es jetzt weiter geht, wissen wir nicht. Wir haben den Silberstreif am Horizont, was den Impfstoff betrifft. Ich kann nur hoffen, dass die Kollegen das Durchhaltevermögen haben“, erzählt Thomas Anders im Anschluss an das Fotoshooting. Als Teil der Künstlerfamilie war es für das Ex-„Modern Talking“-Mitglied wichtig, Flagge zu zeigen.

Foto: P!ELmedia

Foto: P!ELmedia

„Ich wünsche mir, dass die Politik schnell reagiert und es die versprochenen Hilfen gibt, unbürokratisch und für alle“, sagt Akkordeonistin Eva Zöllner.

Dieser Forderung kann sich Michael Enchelmaier nur anschließen: „Die 75 Prozent November-Hilfe kann man bis jetzt noch nicht beantragen. Das ist zu langsam! Die Kassen sind leer. Wir gehen zum Jahresende auf existenzielle Bedrohung hin und wenn nicht schnell Gelder fließen, dann haben wir ein Problem.“

Bisher fanden bereits fünf Shooting-Termine statt, ein weiterer Termin steht bereits in den Startlöchern. Die Initiatoren der „Kulturgesichter 056“ achten dabei von Anfang an auf höchste Hygienestandards. Timeslots für jeden Teilnehmer verhindern größere Wartezeiten und Menschenansammlungen vor der Location. Eine Zugangsregelung für alle Teilnehmer und genügend Abstand sowie ständige Belüftung sollen ebenso größtmögliche Sicherheit bieten. Innerhalb von zwei Stunden fotografiert Herbert Piel so ca. 40 Personen für die „Kulturgesichter 056“. Von der Datenschutzerklärung, der Desinfektion bis zur Verabschiedung hat jeder Teilnehmer nur etwa 3 Minuten Zeit. Eine enge Taktung, die sehr gut funktioniert.CF

Bereits mehrere hundert Kulturschaffende wurden von Herbert Piel für die Fotoaktion abgelichtet.

Bereits mehrere hundert Kulturschaffende wurden von Herbert Piel für die Fotoaktion abgelichtet.

Auch Sänger und Musikproduzent Thomas Anders stand vor der Kamera.

Auch Sänger und Musikproduzent Thomas Anders stand vor der Kamera.

Die Macher hinter der Aktion „Kulturgesichter 056“ Fotograf Herbert Piel (li.) und Veranstaltungstechniker Michael Enchelmaier. Fotos: CF

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