Allgemeine Berichte | 03.02.2026, 08:29 Uhr

Tierschutzbund fordert pferdefreie Umzüge in der fünften Jahreszeit

Karnevalsumzüge mit oder ohne Pferde?

Pferde im Kölner Rosenmontagszug ziehen eine Kutsche entlang der von Menschen gesäumte Zugstrecke.Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.
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Region. Der Deutsche Tierschutzbund fordert Städte, Veranstalter und Festkomitees auf, bei Karnevalsumzügen auf Pferde zu verzichten. Die Tiere geraten im Trubel schnell unter Stress: Lärm, Menschenmengen und ständig wechselnde Reize können Fluchtreaktionen auslösen. Das birgt Risiken für die Tiere und für die Menschen am Zugweg. Unfälle mit Pferdekutschen in der Vergangenheit zeigen die Gefahr deutlich.

„Karnevalsumzüge schaffen Situationen, die für Pferde unvorhersehbar sind. Gedränge, laute Musik oder ein plötzlicher Griff ans Tier können ausreichen, damit ein Pferd scheut, anzieht oder durchgeht. Das gefährdet alle, die danebenstehen oder mitlaufen“, sagt Andrea Mihali, Expertin für Pferde beim Deutschen Tierschutzbund.

Viele Umzüge führen durch enge Innenstädte, begleitet von Rufen aus der Menge, Trommeln und Musik. Kostüme, Fahnen und Konfetti verändern ständig das Bild. Dazu kommen Gerüche, etwa durch Rauch, Alkohol oder Essen. Auch für trainierte Pferde ist diese Vielzahl an Reizen herausfordernd. Ausweichen ist für die Pferde in solchen Momenten nicht möglich.

Leitlinien und Training lösen das Grundproblem nicht

In Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf verweisen Befürworter von Umzügen mit Pferden auf die im Jahr 2022 eingeführten Leitlinien des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. Diese sehen unter anderem mehrere Punkte an der Zugsstrecke vor, an denen Pferde bei Bedarf aus dem Umzug genommen werden können.

Zudem sollen die Pferde regelmäßig auf ihren Einsatz vorbereitet werden – zum Beispiel, indem sie an bestimmte Reize wie Wurfmaterial, Lärm oder Flatterbänder gewöhnt werden. Doch auch diese Maßnahmen ändern nichts an der Tierschutzproblematik. Menschenmengen bleiben unberechenbar. In diesem Falle existiert kein vernünftiger Grund, die Pferde solchen stressigen Erfahrungen auszusetzen.

Stress zeigt sich nicht immer sofort

Ob ein Pferd überfordert ist, lässt sich nicht immer zuverlässig erkennen. Die Tiere können zunächst noch äußerlich ruhig wirken, obwohl sie bereits unter starker Anspannung stehen. Im Trubel können die feinen Signale eines Pferdes leicht übersehen werden. Verantwortliche müssen in Sekunden entscheiden, ob ein Tier noch kontrollierbar bleibt, während der Umzug weiterläuft.

Grundsätzlich braucht Karneval keine Tiere: Musikzüge, Fußgruppen, Tanzformationen und Wagen sorgen auch ohne Pferde für Stimmung. Städte wie Bonn zeigen bereits, dass pferdefreie Umzüge funktionieren. Der Deutsche Tierschutzbund ruft dazu auf, Pferde aus den Zugplänen zu streichen. So lassen sich Unfallrisiken senken und Tiere vor vermeidbaren Extremsituationen schützen, die allein der Unterhaltung dienen.

Pressemitteilung Deutscher Tierschutzbund e.V.

Auch Reiter auf Pferden sind im Kölner Rosenmontagszug im Einsatz.

Auch Reiter auf Pferden sind im Kölner Rosenmontagszug im Einsatz.

Pferde im Kölner Rosenmontagszug ziehen eine Kutsche entlang der von Menschen gesäumte Zugstrecke. Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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