Kinderprojekt „Lapislazuli“ des Caritasverbandes Rhein-Mosel-Ahr vorgestellt
„Kein Wort über den Elch“
Unterstützung für Kinder sucht- und/oder psychisch kranker Eltern
Mayen. In einer Schulklasse von ca. 30 Kindern haben statistisch gesehen drei Kinder einen sucht- und/ oder psychisch erkrankten Elternteil (Vgl. Nacoa Deutschland). Hierdurch wird klar, dass es keinesfalls ungewöhnlich ist in einer Familie mit psychischer Erkrankung und/oder Suchtbelastung aufzuwachsen. Im Mehrgenerationenhaus St. Matthias in Mayen beim Caritasverband Rhein-Mosel Ahr e.V. wurde jetzt das Kinderprojekt „Lapislazuli“ für Kinder sucht- und/oder psychisch kranker Eltern der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Projektleiterinnen sind Aurélie Lehmann und Lea Eder. Seitens der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle für Abhängige der Caritas Mayen wird das Projekt durch Natalie Pauls, Dipl. Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin, unterstützt. In einer kleinen Geschichte verglichen Lea Eder und Aurélie Lehmann Sucht und psychische Erkrankung mit einem Elch im Wohnzimmer, der Zuhause immer mehr Raum einnimmt. Hier gilt die geheime Regel: „Kein Wort über den Elch“. Und obwohl die Kinder sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist, dürfen sie nicht darüber sprechen: Es ist ein „Familiengeheimnis“ und ein gesellschaftliches Tabu. Die Kinder empfinden Schuldgefühle, Ohnmacht, Wut, Traurigkeit, Verzweiflung, Schmerz und Angst, Gefühle die sie nicht zeigen dürfen und können. „Wir wollen über den Elch sprechen“ so Caritas-Geschäftsführer Werner Steffens, der sich bei der Eröffnungsveranstaltung im Café CaTI über viele Interessierte freute, mit dabei auch Vertreter unterschiedlicher Institution und Kooperationspartner der Region. Gefördert wird das Projekt von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland Pfalz e.V. und von der Kreissparkasse Mayen. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts, so Natalie Pauls, „ leben in Deutschland 6,6 Millionen Kinder in alkoholbelasteten Familien“. Riskanten Alkoholkonsum bzw. regelmäßiges Rauschtrinken gibt es - entgegen der gängigen Vorstellung - vor allem in Familien mit „mittlerem und hohem sozialen Status“. Die Belastung der Kinder sucht- und/oder psychisch kranker Eltern wird, so Natalie Pauls, in der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Ingrid Klee, Sozialarbeiterin an der Rhein-Mosel-Fachklinik (RMF), stellte außerdem fest, dass bisher in der Region noch nicht viel für diese Personengruppe geschaffen wurde: „Mit Freude habe ich das Projekt der beiden Gruppenleiterinnen zur Kenntnis genommen. Toll, dass Aurélie Lehmann und Lea Eder das umsetzen“.
Projekt „Lapislazuli“ für junge Schulkinder
Das Projekt „Lapislazuli“ richtet sich an junge Schulkinder, wobei ein wöchentliches Gruppenangebot und bei Bedarf Einzelgespräche stattfinden. Natalie Pauls: „Die Gruppenstunden sind nicht therapeutisch, vielmehr steht die emotionale Entlastung im Vordergrund. Wir möchten das Ganze offen gestalten und in erster Linie den Kindern Raum bieten Kind zu sein.“. Ausflüge, Kunstangebote, Spiel und Spaß sind wesentliche Bestandteile des Kinderprojektes. Bei Bedarf soll ein Fahrdienst den Kindern im ländlichen Raum ein Kommen zu den Treffen ermöglichen. Die Katholische Familienbildungsstätte Mayen stellt für die Durchführung der Kindergruppe tolle Räumlichkeiten bereit. Das Projekt ist ein offenes und kostenloses Angebot und beginnt am 14. November 2016 um 16:00 Uhr.
Weitere Informationen und Anmeldung: Natalie Pauls, Tel. (0 26 51) 98 69-134, E-Mail pauls-n@caritas-mayen.de, www.caritas-mayen.de.
Phillip Pilcher, Gesang, und Arthur Haag, Piano (Bildmitte / v.li.) machten die Eröffnungsveranstaltung auch zu einem musikalischen Erlebnis. (v.li.) Neben Ingrid Klee (RMF) stehen die beiden Projektleiterinnen Lea Eder und Aurélie Lehmann sowie Natalie Pauls von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle für Abhängige der Caritas. (v.re.) Caritasgeschäftsführer Werner Steffens, Beata Schäper, Kunsttherapeutin der Caritas, und Gabriele Meurer von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle für Abhängige der Caritas.Foto: E.T. Müller
