Arbeitsagentur gibt aktuelle Zahlen für den Landkreis Mayen-Koblenz bekannt
Keine Angst vorm kleinen Sommerloch
Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin eines der wichtigsten Themen – 599 offene Lehrstellen für 397 Bewerber
Koblenz. Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen in und um Koblenz nur noch geringfügig gesunken: Zurzeit zählen die Statistiker in der Stadt 3286 arbeitslose Frauen und Männer, das sind 35 weniger als Ende Mai und 178 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote bleibt mit 5,3 Prozent stabil, vor einem Jahr lag sie bei 5,6 Prozent. Im Landkreis gelten derzeit 3619 Menschen als arbeitslos – vier weniger als im Mai und 136 weniger als im Juni 2018. Die Arbeitslosenquote liegt wie im Vormonat bei 3,1 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei 3,2 Prozent.
„Zwar ist das in und um Koblenz und Mayen bislang kaum spürbar, aber der Arbeitsmarkt rutscht zurzeit ins kleine Sommerloch“, erklärt Frank Schmidt, der Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, und spielt damit auf ein jährlich wiederkehrendes Phänomen an: Kurz vor den Sommerferien beenden viele junge Leute ihre Ausbil-dung. Wer nicht übernommen wird, nicht sofort eine Anschlussbeschäftigung findet oder auf den Beginn eines Studiums wartet, meldet sich in der Regel erst einmal arbeitslos.
„Im Spätsommer oder im Herbst, wenn sie eine neue Stelle antreten oder das Semester beginnt, sind diese Menschen aber auch wieder aus der Statistik verschwunden. Sie sind sozusagen ein durchlaufender Posten, erhöhen die Arbeitslosigkeit aber nicht dauerhaft.“ Für diese Einschätzung spricht auch die nach wie vor hohe Zahl der offenen Stellen, die zurzeit in Koblenz bei 1917 und im Landkreis bei 2657 liegt. „Für gut ausgebildete Berufsanfänger gibt es zurzeit keine Probleme, eine Beschäftigung zu finden“, ist Schmidt überzeugt.
Ein Blick auf die beiden Rechtskreise des Sozialgesetzbuches (SGB), die sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit befassen, zeigt, dass die Situation zwischen Kunden des Jobcenters (SBG II) und der Arbeitsagentur (SGB III) zumindest im Kreis Mayen-Koblenz sehr ausgewogen ist. Dort werden zurzeit 1815 Arbeitslose dem SGB III zugeordnet, sind also meist noch nicht länger als ein Jahr arbeitslos und über die Arbeitslosenversicherung abgesichert. Dem SGB II werden 1804 Arbeitslose zugeordnet. Im Mai waren im SGB III 60 Personen weniger und im SGB II 64 Personen mehr gemeldet. Vor einem Jahr waren es im SGB III 54 Personen weniger und im SGB II 190 mehr.
In Koblenz sind hingegen, wie in den meisten größeren deutschen Städten, deutlich mehr Menschen nach SGB II abgesichert und auf Grundsicherung angewiesen. En-de Juni wurden dort 2225 Frauen und Männer registriert, 46 weniger als im Mai und 254 weniger als vor einem Jahr. Über die Arbeitslosenversicherung und damit nach SGB III wurden Ende Juni 1061 Personen betreut – elf mehr als im Mai und 76 mehr als vor einem Jahr.
Eines der wichtigsten Themen im Alltag der Arbeitsagentur ist zu Sommerbeginn aber nach wie vor der Ausbildungsmarkt. Von den 1048 Jugendlichen, die sich seit vergangenen Oktober aus dem Landkreis bei der Berufsberatung meldeten, um sich bei der Suche nach einer Ausbildung helfen zu lassen, gelten derzeit noch 397 als unversorgt. Ihnen stehen 599 offene Lehrstellen gegenüber, gemeldet worden waren ursprünglich 1267. Damit kommen aktuell auf jeden noch unversorgten Bewerber rund eineinhalb Ausbildungsstellen.
Ähnlich sieht es in Koblenz aus: Von 734 gemeldeten Bewerbern sind offiziell noch 302 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, von 1271 angebotenen Ausbil-dungsstellen sind noch 483 zu haben. Auf jeden Bewerber kommen damit rein rechnerisch noch 1,6 Lehrstellen.
Ein Missverhältnis, das nach Ansicht von Schmidt gleich mehrere Tendenzen widerspiegelt. „Zum einen ist natürlich schon lange bekannt, dass die Zahl der Schul-abgänger zurückgeht – und dass dies Folgen für den Ausbildungs- und den Arbeitsmarkt haben wird. Verstärkt wird diese Entwicklung aber dadurch, dass junge Leute es heute oft nicht allzu eilig haben, ins Berufsleben zu starten. Nach ihrem ersten Abschluss gehen sie lieber noch auf eine andere Schule oder studieren.“
Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden, betont er. „Allerdings stellen wir gleichzeitig fest, dass immer mehr junge Leute ihr Studium abbrechen, weil sie ir-gendwann feststellen, dass sie mit ihrer Wahl unglücklich sind. Andere verlängern ihre Schulzeit um viele Jahre, ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen. Das kostet nicht zuletzt die jungen Menschen selbst viel Lebenszeit, die sie später nur schwer aufholen können.“
Denn letztlich müsse der unvermeidliche Prozess ja ohnehin durchlaufen werden: „Jeder und jede Jugendliche muss sich irgendwann damit auseinandersetzen, welcher Beruf sie oder ihn durchs Leben begleiten soll. Das ist eine ungeheuer wichtige Frage, deren Beantwortung Zeit, Informationen und in den meisten Fällen auch Beratung bedarf, denn der Arbeitsmarkt ist vielfältig wie nie und auch noch einem perma-nenten Wandel unterworfen.“
Die Berufsberatung könne da gute Dienste leisten – und das auch noch völlig kostenlos. „Wenn dann am Ende herauskommt, dass ein Studium genau das Richtige ist, ist das ja toll. Aber manchmal liegen die Talente eines jungen Menschen eher beim Handwerklichen oder etwa beim Organisieren – und es gibt für alle Bedürfnisse tolle Ausbildungsberufe, in denen jeder äußerst erfolgreich sein kann, wenn er mit Engagement und Freude bei der Sache ist.“
Allen jungen Leuten, die in diesem Sommer die Schule verlassen und noch keine klare Vorstellung haben, wie es nun weitergehen soll, rät Schmidt dringend, sich schnellstmöglich mit der Berufsberatung in Verbindung zu setzen. „Noch ist alles möglich. Aber wer den Einstieg verpasst, muss meist ein ganzes Jahr warten, bevor er eine neue Chance bekommt.“
Kontaktadressen
Kontakt zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit über die kostenlose Servicenummer (08 00) 4 55 55 00. In den Agenturen in Koblenz (Rudolf-Virchow-Straße 5) und Mayen (Katzenberger Weg 31-33) können Jugendliche jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr ohne Termin bei den Berufsberaterinnen und Berufsberatern vorsprechen.