Allgemeine Berichte | 09.06.2013

Gerhard Lohfink in Maria Laach brachte theologische Sachverhalte auf den Punkt

„Keine theologische Schonkost“

„Keine theologische Schonkost“

Maria Laach. „Glaube - wie geht das?“ lautete der Vortrag von Gerhard Lohfink in der voll besetzten Klosteraula Maria Laach, erster Teil des Laacher Forums extra zum „Jahr des Glaubens“. „Keine theologische Schonkost, sondern theologisches Vollkornbrot“ erwarte die Besucher, so Pater Johannes Naton OSB in seiner herzlichen Begrüßung.

Eintritt in eine lange Geschichte

Der Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität Tübingen ging in die Tiefe, ohne seine Zuhörer zu überfordern. Glaube ist für Gerhard Lohfink der Eintritt in eine lange Geschichte. Gott hat sich der Menschheit immer wieder offenbart und sie über einen langen Weg geführt, angefangen von Abraham bis hin zu Jesus, dem Gipfelpunkt: „Jesus wäre ohne den langen Weg seit Abraham niemals möglich gewesen. Und die Botschaft hätte uns niemals erreicht, wenn die Kirche den Weg nicht weitergegangen wäre. Und ich darf dieser Geschichte angehören, die mit Abraham begonnen hat.“ Damit machte der Referent deutlich, dass der Glaube eine Umwelt braucht, dass es Glauben nicht ohne das Volk Gottes, die Kirche, die Gemeinde geben kann. Kinder brauchen Eltern, Großeltern, Lehrer, Priester, Freunde, Nachbarn, Bücher, um hineinzuwachsen, damit ihr Glaube erwachsen werden kann. Engagiert widersprach der Theologe einer Vorstellung, Kinder könnten sich mit 18 Jahren selbst für oder gegen den Glauben entscheiden und sich eventuell taufen lassen: „Wer den Glauben wegnimmt, nimmt dem Kind die Möglichkeit, den Glauben überhaupt noch wahrzunehmen. Es gibt keine neutrale Erziehung, in der die Fragen des Lebens offen bleiben. Mit jedem Wort, jedem Satz unserer Sprache vermitteln wir unsere Welt, auch wenn wir es nicht wollen. Es gibt keine neutrale Sprache. Wer seinem Kind die Möglichkeit zu glauben entzieht, entzieht ihm die Weite und Freiheit des Glaubens.“ Gleichzeitig darf niemand zum Glauben gezwungen werden. Glauben kann man nur vorleben und dem Kind darf die Wahrheit nicht vorenthalten werden. Gerhard Lohfink: „Wer Jesus nie kennen gelernt hat, wie soll der zum Glauben kommen?“ Glaube fordert das ganze Leben, und er kann auch wieder verloren gehen. Eine Stunde in der Woche für Gott ist zu wenig, denn „Gott gehört das ganze Leben.“ Gegen eine Verdunstung des Glaubens helfe, über den Tag in kurzen Augenblicken „die gute Meinung“ zu erwecken und an Jesus zu denken. Glaube betrifft die ganze Welt, Menschen, Tiere und sogar die unbelebten Dinge wie Gebäude und Landschaften. Alles will von ihm durchformt werden.

Ein Plädoyer für Rituale

In diesem Zusammenhang hielt der Referent ein Plädoyer für Rituale: „Rituale haben eine entscheidende und unaufhebbare Funktion. Sie erleichtern, entlasten und eröffnen die Kommunikation, schenken Halt im Chaos des Lebens, verweisen auf einen tieferen Sinnzusammenhang und darauf, dass der Mensch einen Leib hat.“ Die Beichte, das Fasten, Morgen- und Abendgebete lassen den Glauben sichtbar werden, so Gerhard Lohfink: „In den letzten Jahrzehnten hat sich alles verflüchtigt und wird mit gewissem Hochmut als bloß rituell angesehen. Aber das ist ein Irrtum. Wenn die Christen nicht die Leiblichkeit ihres Glaubens zurückgewinnen, wird das Christentum angesichts des Islams keine Chance haben. Schämen Sie sich also nicht, eine Kniebeuge zu machen. Nehmen Sie Weihwasser. Der Glaube ist konkret und braucht Rituale und Symbole, die uns mit den Gläubigen auf der ganzen Welt verbinden.“ Der Glaube ist zugleich kritisch und emanzipiert. Lohfink kritisierte in diesem Zusammenhang ein permanent schlechtes Reden über Kirche und Bischöfe: „Es ist angenehm, einen Sündenbock zu haben.“ Vielmehr gelte es, kritisch gegenüber den falschen Göttern zu sein, denn „wir werden von Weltanschauungen manipuliert.“

Mit langem Applaus dankten die Zuhörer Prof. Dr. Gerhard Lohfink für diesen hochkarätigen, tiefen Vortrag, den die Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung erst möglich gemacht hatte.

Pater Johannes Naton OSB begrüßt Prof. Dr. Gerhard Lohfink, Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität Tübingen, in der voll besetzten Klosteraula Maria Laach. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Holz Loth-Entsorgung
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Doppelseite PR/Anzeigen
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
SB Standesamt
Anzeige KW 14
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Dauerauftrag 2025
Anzeige "Rund ums Haus"
Koblenz blüht
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Container Anzeige
Stellenanzeige mehrere Stellen
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Anzeige Lange Samstage
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige