Gerhard Lohfink in Maria Laach brachte theologische Sachverhalte auf den Punkt
„Keine theologische Schonkost“
Maria Laach. „Glaube - wie geht das?“ lautete der Vortrag von Gerhard Lohfink in der voll besetzten Klosteraula Maria Laach, erster Teil des Laacher Forums extra zum „Jahr des Glaubens“. „Keine theologische Schonkost, sondern theologisches Vollkornbrot“ erwarte die Besucher, so Pater Johannes Naton OSB in seiner herzlichen Begrüßung.
Eintritt in eine lange Geschichte
Der Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität Tübingen ging in die Tiefe, ohne seine Zuhörer zu überfordern. Glaube ist für Gerhard Lohfink der Eintritt in eine lange Geschichte. Gott hat sich der Menschheit immer wieder offenbart und sie über einen langen Weg geführt, angefangen von Abraham bis hin zu Jesus, dem Gipfelpunkt: „Jesus wäre ohne den langen Weg seit Abraham niemals möglich gewesen. Und die Botschaft hätte uns niemals erreicht, wenn die Kirche den Weg nicht weitergegangen wäre. Und ich darf dieser Geschichte angehören, die mit Abraham begonnen hat.“ Damit machte der Referent deutlich, dass der Glaube eine Umwelt braucht, dass es Glauben nicht ohne das Volk Gottes, die Kirche, die Gemeinde geben kann. Kinder brauchen Eltern, Großeltern, Lehrer, Priester, Freunde, Nachbarn, Bücher, um hineinzuwachsen, damit ihr Glaube erwachsen werden kann. Engagiert widersprach der Theologe einer Vorstellung, Kinder könnten sich mit 18 Jahren selbst für oder gegen den Glauben entscheiden und sich eventuell taufen lassen: „Wer den Glauben wegnimmt, nimmt dem Kind die Möglichkeit, den Glauben überhaupt noch wahrzunehmen. Es gibt keine neutrale Erziehung, in der die Fragen des Lebens offen bleiben. Mit jedem Wort, jedem Satz unserer Sprache vermitteln wir unsere Welt, auch wenn wir es nicht wollen. Es gibt keine neutrale Sprache. Wer seinem Kind die Möglichkeit zu glauben entzieht, entzieht ihm die Weite und Freiheit des Glaubens.“ Gleichzeitig darf niemand zum Glauben gezwungen werden. Glauben kann man nur vorleben und dem Kind darf die Wahrheit nicht vorenthalten werden. Gerhard Lohfink: „Wer Jesus nie kennen gelernt hat, wie soll der zum Glauben kommen?“ Glaube fordert das ganze Leben, und er kann auch wieder verloren gehen. Eine Stunde in der Woche für Gott ist zu wenig, denn „Gott gehört das ganze Leben.“ Gegen eine Verdunstung des Glaubens helfe, über den Tag in kurzen Augenblicken „die gute Meinung“ zu erwecken und an Jesus zu denken. Glaube betrifft die ganze Welt, Menschen, Tiere und sogar die unbelebten Dinge wie Gebäude und Landschaften. Alles will von ihm durchformt werden.
Ein Plädoyer für Rituale
In diesem Zusammenhang hielt der Referent ein Plädoyer für Rituale: „Rituale haben eine entscheidende und unaufhebbare Funktion. Sie erleichtern, entlasten und eröffnen die Kommunikation, schenken Halt im Chaos des Lebens, verweisen auf einen tieferen Sinnzusammenhang und darauf, dass der Mensch einen Leib hat.“ Die Beichte, das Fasten, Morgen- und Abendgebete lassen den Glauben sichtbar werden, so Gerhard Lohfink: „In den letzten Jahrzehnten hat sich alles verflüchtigt und wird mit gewissem Hochmut als bloß rituell angesehen. Aber das ist ein Irrtum. Wenn die Christen nicht die Leiblichkeit ihres Glaubens zurückgewinnen, wird das Christentum angesichts des Islams keine Chance haben. Schämen Sie sich also nicht, eine Kniebeuge zu machen. Nehmen Sie Weihwasser. Der Glaube ist konkret und braucht Rituale und Symbole, die uns mit den Gläubigen auf der ganzen Welt verbinden.“ Der Glaube ist zugleich kritisch und emanzipiert. Lohfink kritisierte in diesem Zusammenhang ein permanent schlechtes Reden über Kirche und Bischöfe: „Es ist angenehm, einen Sündenbock zu haben.“ Vielmehr gelte es, kritisch gegenüber den falschen Göttern zu sein, denn „wir werden von Weltanschauungen manipuliert.“
Mit langem Applaus dankten die Zuhörer Prof. Dr. Gerhard Lohfink für diesen hochkarätigen, tiefen Vortrag, den die Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung erst möglich gemacht hatte.
Pater Johannes Naton OSB begrüßt Prof. Dr. Gerhard Lohfink, Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität Tübingen, in der voll besetzten Klosteraula Maria Laach. Foto: privat
