Begegnungsfest „Grenzenlos statt kleinkariert“ in Swisttal
Kennenlernen bedeutet verstehen
Flüchtlinge und Einheimische feierten gemeinsam in der Maria-Magdalena-Kirche
Swisttal. Zehn Jahre können eine lange Zeit sein oder auch wieder nicht. Für Karl-Heinz Müller, Vorsitzender des Swisttaler Kinder- und Jugendrings (KJR), und Jürgen Hein vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe sind die Herausforderungen, die eine starke Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in kurzer Zeit mit sich bringen, nichts Neues. Bereits vor zehn Jahren hatte der KJR mit seinem Begegnungsfest „Grenzenlos statt kleinkariert“ die „alteingesessenen“ Swisttaler und die Fremden, die damals aus vielen Krisenregionen in Deutschland Zuflucht suchten, zusammengebracht. „Wenn man sich kennenlernt, versteht man sich viel besser“, erläutert Karl-Heinz Müller, „und das Motto ‚Grenzenlos statt kleinkariert‘ erscheint uns auch heute immer noch passend.“
Rund 50 Asylbewerber waren der Einladung in die Räume der evangelischen Maria-Magdalena-Gemeinde gefolgt, dazu viele Swisttaler, insbesondere auch viele der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich seit Monaten um die Neuankömmlinge kümmern, um ihnen die ersten Schritte in Deutschland zu erleichtern. Ein buntes Programm sollte das gegenseitige Kennenlernen erleichtern. Und was ist besser geeignet, als erst einmal gemeinsam zu singen.
Ein Beispiel für gelungene Integration
Den Auftakt machte der Kinderchor mit Angelika Patalas. Auch Marie Engamenben begeisterte mit ihren Folk- und Gospelliedern. Die Sängerin, gebürtig in Kamerun und aufgewachsen in Bad Godesberg, war gleich ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration. In Köln hat sie eine eigene Gospelschule, und so war es kein Zufall, dass sie neben Songs wie „Krieger des Lichts“ und das weltumspannende „He‘s got the whole World“ darbot, bei dem viele mitsangen. Auch einige kölsche Lieder hatte die Sängerin in ihrem Repertoire, etwa „Unser Stammbaum“ von den Bläck Fööss, bei dem es dann auch gleich die ersten zaghaften Schunkelversuche gab. Auf eine Gage hatte die Sängerin verzichtet. „Wenn ich helfen kann, dass sich die Menschen verstehen lernen, dann komme ich gerne“, erklärte sie.
Ernster wurde es bei dem Vortrag von Heinz Berger aus Buschhoven, der mehr als 20 Jahre lang als Afrikareferent für den Evangelischen Entwicklungsdienst tätig war. Sein kenntnisreicher Vortrag über Eritrea und die dortigen Lebensbedingungen beeindruckte die Besucher. Auch das Thema „Heimat“ wurde in einem Gesprächskreis im Hinblick auf den Verlust der vertrauten Umgebung, das Zurücklassen von Verwandten und Freunden, erörtert.
Deutschkenntnisse als Grundlage der Teilhabe
Jürgen Hein bat die Asylsuchenden dringend, so schnell wie möglich die deutsche Sprache zu erlernen. „Es ist für Sie die Grundlage ihres Lebens hier, erst die Verständigung gibt Ihnen die Möglichkeiten, am alltäglichen Leben hier, ob im Beruf oder in der Freizeit, teilzunehmen. Nutzen Sie jede Möglichkeit der Begegnung, der Information, strengen Sie sich richtig an, dann werden Sie bald Erfolg haben.“ Der erfahrene ehemalige Sozialarbeiter hatte bereits in den 90er-Jahren erste Erfahrungen mit Flüchtlingen gesammelt, er weiß, worauf es ankommt.
Was „Heimat“ bedeutet, brachte die Mundartband „Sibbeschuss“ zum Abschluss noch einmal musikalisch allen Besuchern des Begegnungsfestes nahe. Und bei den Songs „Sing doch eine met“ und „Nemm mich su, wie ich ben“ klappte das Schunkeln schon ganz hervorragend.
Rund 50 Asylbewerber aus 15 Nationen waren zum Begegnungsfest gekommen.
