Allgemeine Berichte | 21.11.2018, 09:08 Uhr

Wachtberger Planungsausschuss erteilte Einvernehmen

Kindergarten und seniorengerechtes Wohnen auf der Alten Molkerei

Allerdings noch einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen – Kindergartenkinder sollen über den Bernareggio-Platz fußläufig angeliefert werden

Berkum. „Wir nähern uns einer Kindertagesstätte“, zeigte sich Franz Josef Jäger (CDU), der vertretungsweise den Wachtberger Planungs- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung leitete, zuversichtlich. Doch bei der Beratung über das Bauvorhaben an der „Alten Molkerei“ in Berkum zeigte sich, dass noch einige Stolpersteine wegzuräumen sind, bevor das Projekt in die Tat umgesetzt werden kann.

Auf dem Gelände der Alten Molkerei, das der Limbachstiftung gehört, ist schon seit mehreren Jahren ein Kindergarten geplant, dessen Verwirklichung aber bislang immer an verschiedenen Faktoren gescheitert war. Zuletzt waren im vergangenen Jahr die Verhandlungen mit der Axenfeld-Gesellschaft gescheitert, doch mittlerweile hat die INOWO GmbH & Co. KG aus Meckenheim ihren Hut in den Ring geworfen. Geschäftsführer Norbert Schaffrath stellte die aktuellen Pläne vor, die sich deutlich von den Ursprungsplanungen unterscheiden und daher eine Entscheidung des Gremiums erforderten.

Seniorengerechtes Wohnen mit Tagespflege

Entstehen soll auf der Brachfläche ein seniorengerechtes Wohngebäude mit Tagespflege und Tiefgarage sowie in einem zweiten Gebäude eine Kindertagesstätte für vier Gruppen. Gut 10 Millionen Euro wolle die Bauträgergesellschaft INOWO, die in der Meckenheimer „Sonnenseite“ bereits ein ähnliches Projekt verwirklicht hat, dafür investieren, so Schaffrath. Doch die beiden geplanten Baukörper überschreiten die im Bebauungsplan festgesetzten Baufenster in ganz erheblichem Maße, zudem sind die oberirdischen Stellplätze außerhalb der eigentlich dafür vorgesehenen Flächen geplant.

In dem zur Rathausstraße hin zweigeschossigen Wohngebäudes mit Staffelgeschoss sollen 24 seniorengerechte Wohnungen entstehen, außerdem sollen im Souterrain unterstützende Dienstleistungsbetriebe angesiedelt werden, etwa ein Pflegedienst. Bei einer Länge von 43,50 und einer Breite von 19,50 Metern überschreitet der Baukörper die festgesetzte Baugrenze jedoch auf seiner gesamten Länge um 4,50 Metern. Die deutliche Verbreiterung sei unter anderem deshalb notwendig, so Schaffrath, weil für seniorengerechtes Wohnungen breitere Flure notwendig seien als im herkömmlichen Wohnungsbau. Nach Ansicht der Gemeindeverwaltung sei dies städtebaulich vertretbar, auch weil der Baukörper im Vergleich zu den benachbarten Gebäuden entlang der Rathausstraße zurückspringe.

Zweigeschossiger Kindergarten für vier Gruppen

Im nördlichen Grundstücksbereich ist eine zweigeschossige Kindertagesstätte mit Staffelgeschoss geplant. Hier überschreitet der Baukörper das festgesetzte Baufenster in südlicher Richtung auf einer Länge von 18,73 Metern um sieben Meter. Damit gewinne man eine große zusammenhängende Freifläche für den Aufenthalt der Kindergartenkinder. Da es nach wie vor der planerische Wille die Gemeinde sei, in diesem Bereich eine Kindertagesstätte sowie seniorengerechtes Wohnen zu ermöglichen, zudem das beabsichtigte Vorhaben dem Gemeinwohl diene und ein dringender Bedarf für diese Nutzung bestehe, sehe man die Abweichungen als vertretbar an, so der Erste Beigeordnete Swen Christian.

Auch mit den Parkplätzen hat man keine größeren Probleme in der Gemeindeverwaltung. Neben 24 Tiefgaragenstellplätzen unterhalb des Wohnhauses seien weitere zehn oberirdischen Stellplätze entlang der Straße „Alte Molkerei“ geplant, von denen sieben der Kindertagesstätte zugeordnet wären. Da keine Stellplätze im öffentlichen Raum in Anspruch genommen werden müssen, werde die künftig zu erwartende Verkehrsbelastung unproblematisch gesehen.

Ausschussmitglieder sehen Probleme mit dem Verkehr

Nicht ganz so unproblematisch sahen die Ausschussmitglieder das Projekt, insbesondere mit Blick auf die Anwohner der Straße „Alte Molkerei“. Die befürchten nämlich ein Verkehrschaos, „wenn 60 bis 80 Helikoptereltern ihre Kinder bis in den Kindergarten hineinfahren wollen“, so Thomas Franz (Unser Wachtberg). Oliver Henkel (Grüne) warnte ebenfalls davor, dass die Zufahrt über die Alte Molkerei ein Problem werden könne und plädierte dafür, eine Möglichkeit zu schaffen, die Kinder fußläufig vom Bernareggio-Platz aus zum Kindergarten zu bringen. „Ideal wäre es, wenn es überhaupt keine Möglichkeit gäbe, sein Kind von der Straße Alte Molkerei in den Kindergarten zu bringen.“

Hans-Otto Schacknies (SPD) schlug sogar vor, dass Einvernehmen für die Überschreitung der Baugrenze nur unter der Bedingung zu erteilen, dass die „Anlieferung“ der Kinder nicht über die Alte Molkerei erfolgen dürfe. Außerdem, so Thomas Franz, müssten die Anwohner intensiv in die weiteren Planungen mit einbezogen werden. So beschloss der Ausschuss am Ende mehrheitlich bei einer Gegenstimme von Thomas Franz und einer Enthaltung von Friedrich Oettler (FDP), das Einvernehmen vorbehaltlich einer fußläufigen Zuwegung über den Bernareggio-Platz zu erteilen.

JOST

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