Allgemeine Berichte | 29.05.2019, 13:08 Uhr

Evangelischer Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

Kindergrundsicherung und weitere Maßnahmen gegen Kinderarmut gefordert

Frühjahrssynode traf sich in Bonn-Bad Godesberg

Bonn-Bad Godesberg. Mit deutlichen Worten setzt sich die Kreissynode Bad Godesberg-Voreifel für die Bekämpfung der Kinderarmut ein. In einer gemeinsamen Erklärung fordert die Synode des Evangelischen Kirchenkreises fühlbar größere Anstrengungen gegen die wachsende Kinderarmut auch in Bad Godesberg und der Voreifel. In Bonn und Euskirchen ist davon jedes fünfte Kind betroffen (Bonn: 20,7 Prozent; Euskirchen: 18,4 Prozent). In Meckenheim sind es 15,8 Prozent aller Mädchen und Jungen unter fünfzehn Jahren, so Superintendent Mathias Mölleken, selbst Pfarrer in Meckenheim.

In der Bundesrepublik seien drei Millionen Kinder von Armut betroffen, „obwohl wir ein reiches Land sind“.

Kindergrundsicherung gefordert

Die Protestanten fordern ein grundlegendes Umdenken in Kirche, Politik und Gesellschaft. Konkret setzen sie vor allem auf die Einführung einer Kindergrundsicherung. Sie solle die bisherigen Leistungen wie Kindergeld, Kinderzuschlag, Sozialgeld oder Unterhaltsvorschuss ablösen. Experten beziffern die Höhe des notwendigen Existenzminimums auf monatlich 619 Euro für alle Kinder. Familien müssten die materiellen Voraussetzungen erhalten, damit ihre Kinder teilhaben können an gesunder Entwicklung und guter Bildung, betonte der Bonner Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher am Samstag auf der Kreissynode in Bad Godesberg.

Von der Hand in den Mund

In lebhaften und sehr informativen Gesprächen mit Mitarbeitenden der Diakonie in Euskirchen und Bonn sowie des Godesheims wurde deutlich, wie schwer es Menschen haben, aus der „Hartz IV-Spirale“ wieder herauszukommen. „Es herrscht ein Leben von der Hand in den Mund“, rechnete Reinhard Jansen vom Diakonischen Werk Bonn und Region in einer der vier Arbeitsgruppen vor. Obwohl 33 Prozent der Betroffenen erwerbstätig seien, sichere ihre Arbeit nicht das Existenzminimum. Das gilt vor allem für Alleinerziehende und ihre Kinder.

Kinder besser fördern

Die Synode fordert zudem, Kindertageseinrichtungen und Schulen räumlich und personell besser auszustatten. Dafür sollten „deutlich mehr Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer und andere Fachkräfte ausgebildet und eingestellt werden“. Alle Bildungseinrichtungen sollen zudem konsequent auf die Förderung der von Armut betroffenen Kinder ausgerichtet werden, heißt es. Die öffentliche Hand müsse die Gesundheitsvorsorge in Schulen und Einrichtungen verbessern. Es gelte außerdem die Familien zu stärken und bei der Erziehung der Kinder zu unterstützen. Ganz ähnlich hatte sich bereits die Bonner Synode im Herbst vergangenen Jahres geäußert.

In Wort und Tat einmischen

„Es sind die Kinder, die am meisten leiden“, betonte Dr. Klaus Graf in seiner Predigt zum Beginn der Synode. Der Geschäftsführer der Axenfeld Gesellschaft und Leiter der Jugendhilfe Godesheim kritisierte die „zementierte Perspektivlosigkeit schon kleinster Kinder“. Die weitere Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich sei zu überwinden. „Wir müssen unser Engagement verstärken und uns in Wort und Tat für das benachteiligte Kind einmischen.

“dann machen wir etwas falsch“

Grußworte sprachen der neue Bad Godesberger Bezirksbürgermeister Christoph Jansen und Landeskirchenrätin Iris Döring. Jansen machte deutlich, wie wichtig ihm die Zusammenarbeit mit den Kirchen ist. Ihr Engagement trügen zum Zusammenhalt und zur Integration bei. Mit Blick auf das Synodenthema betonte er: Wenn es in einer Stadt wie Bonn nicht gelänge, die Zahl der Kinder, die von Armut betroffen sind zu senken, „dann machen wir etwas falsch“. Döring überbrachte Grüße der rheinischen Kirchenleitung und dankte der Synode, dass sie sich dieses wichtigen Zukunftsthemas annehme.

Gewählt

Magdalena Winchenbach-Georgi (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg) wird neues stellvertretendes Mitglied im Kreissynodalvorstand. Zuvor hatte Wolfgang Budinger (Wachtberg) sein Amt aus beruflichen Gründen niedergelegt. Winchenbach-Georgi ist zudem neue Vorsitzende Fachausschusses für Frauen. Stellvertreterin wird Heike Suhr aus Meckenheim. Zum Vorsitzenden des Finanzausschusses wählte die Synode Frank Bartholomeyczik, ebenfalls aus Meckenheim. Die Stellvertretung übernimmt Alexander Beaumont (Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg). In den Finanz-Ausschuss wurde Frank Brockmann (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg) nachgewählt, in den Fachausschuss für Kinder und Jugend Marianne Prall aus Bad Münstereifel.

Abschied

Mit viel Applaus und einem Lied verabschiedeten die Synodalen die langjährige Büroleiterin der Superintendentur, Brigitte Barnikol-Körner. Sie hatte fast 20 Jahre an dieser Stelle für den Kirchenkreis gearbeitet. Bemerkenswert, mit viel Herzblut, Humor und Leidenschaft habe sie durch ihre Denkanstöße das kirchliche Handeln vorangebracht, so Superintendent Mathias Mölleken.

Die Synode traf sich im Historischen Gemeindesaal der Erlöser-Kirchengemeinde in Bad Godesberg. Die öffentliche Tagung begann mit einem Gottesdienst.

Pressemitteilung Ev. Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

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