Allgemeine Berichte | 06.11.2014

Fritz-Walter-Preis geht an den Grafschafter SV

Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung ermöglichen

Höchste Auszeichnung auf Landesebene für vorbildliche Jugendarbeit

Das sind (fast) alle Nachwuchsakteure, die im Grafschafter SV stolz die Raute auf und in der Brust tragen und in zwölf Teams dem Ball hinterherjagen. Grafschafter SV

Vettelhoven. Ein trister, regnerischer Novembertag. Es ist kurz nach 17 Uhr, die phantastische Sportanlage des Grafschafter SV in Vettelhoven mit einem Natur- und einem Kunstrasenplatz sowie einem nagelneuen Vereinsheim der Extraklasse ist noch verlassen und menschenleer. Eine halbe Stunde später: Jede Menge junger Fußballer beiderlei Geschlechts und aller Altersklassen auf dem Spielfeld, der Parkplatz gefüllt mit Pkws, mit denen die Nachwuchskicker von Eltern, Trainern und Betreuern angekarrt wurden - diesmal nicht, um der Lederkugel hinterher zu jagen, sondern (nur) zu einem Fototermin.

Vorbildliche Nachwuchsarbeit

Dies vorweg: Dem Außenstehenden wird es angesichts des gerade Erlebten warm ums Herz. Ist das, was sich hier abspielt, doch sichtbarer Beleg dafür, dass es in dem mehr als 600 Mitglieder zählenden Verein einfach stimmt, dass hier auf einzigartigen Sportstätten das Leben pulsiert, Gemeinschaft gelebt wird und eine familiäre Atmosphäre herrscht. Nun aber zum Anlass der ungewöhnlichen Menschenansammlung an einem Montagabend: Der Grafschafter SV durfte im Rahmen eines Gala-Abends auf dem Jakobsberg bei Boppard den mit 1.500 Euro dotierten Fritz-Walter-Preis für seine vorbildliche Nachwuchsarbeit in Empfang nehmen. Nach dem Sepp-Herberger-Preis (2002) und einer Top-Platzierung beim DFB-Jugendförderpreis (2010) ist dies nun schon die dritte hochkarätige Auszeichnung für die Fußballer aus der Oberen Grafschaft.

Kontinuität und Eigenständigkeit

Diese Erfolge kommen nicht von selbst. Sie beruhen im Wesentlichen auf Kontinuität und Eigenständigkeit. Stetigkeit wird rund um das Sportzentrum in Vettelhoven großgeschrieben. Vor allem was die Vereinsführung angeht. Was Vorstände in den Gründer- und Aufbaujahren bereits vorgelebt haben, setzt die neue Clubspitze derzeit fort. Seit 2001, als Dieter Schäfer nach langjähriger Tätigkeit als Trainer das Kommando übernahm, arbeitet eine personell wenig veränderte Führungscrew akribisch und dauerhaft daran, mit ständig angepassten und optimierten Bedingungen den Nährboden zu schaffen für eine erfolgreiche Zukunft. Nach und nach trägt die Saat beim GSV erste vielversprechende Früchte. 2009 wurde nach 1973 der zweite Aufstieg der ersten Mannschaft ins Kreisoberhaus gefeiert. Die von Weltmeister Jürgen Kohler trainierte A-Jugend schaffte 2011 den Sprung in die Rheinlandliga. Seit 2013 kicken die B-Junioren erfolgreich in der Bezirksliga.

In allen Klassen aktiv

Besonders stolz ist man beim GSV, zu dessen Einzugsgebiet auch einige Ortschaften aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen gehören, dass man seit mehr als einem Jahrzehnt in allen Altersstufen Jugendmannschaften im Spielbetrieb hat, zum Teil sogar zwei Teams. Und dies alles eigenständig, also ohne eine Spielgemeinschaft eingehen zu müssen. „Dass in den Dörfern um uns herum keine Fußballvereine existieren, kommt uns natürlich dabei zugute“, gibt Geschäftsführer Christoph Schmitt gerne zu. Zu schaffen machte die Konkurrenz am Rhein oder in der Kreisstadt. „Aber inzwischen üben wir Anziehungskraft aus für ambitionierte Nachwuchsspieler - wegen unserer hervorragenden sportlichen Infrastruktur, aber auch wegen des guten Betriebsklimas“, ist Schäfer überzeugt.

Qualifizierte Trainer zu finden, wird immer schwerer

Der Vereinschef hat auch Sorgen, und das in einem Jahr, in dem nach enormen Eigenleistungen (rund 12.000 Stunden), erbracht von einer begrenzten Zahl an Helfern, endlich das neue Vereinsheim seiner Bestimmung übergeben werden konnte. „Es wird immer schwerer, qualifizierte Trainer und Betreuer für unseren Nachwuchs zu finden.“ Der 63-Jährige weiß genau, wovon er redet. Schließlich muss er noch immer herhalten, wenn sich personelle Lücken auftun. So übte er das Amt des Jugendleiters für einige Zeit parallel aus, er widmete sich dem Mädchenfußball und trainiert die B-Juniorinnen und zuletzt übernahm er notgedrungen das Traineramt bei der zweiten Mannschaft, in der auch seine beiden Söhne aktiv sind.

„Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen, ist das erklärte und wichtigste Ziel des Grafschafter SV. Dies ist aber wegen nachlassender Bereitschaft zum Ehrenamt gefährdet“, bedauert der gebürtige Altenahrer. „Helfen Sie mit, dass keine Kinder aufgrund von mangelnder Hingabe nach Hause geschickt werden müssen. Das ist keine schöne Situation für Kinder, Eltern und Trainer.“ Dieser Hilferuf in Mitglieder-Info vom Juli sollte ernst genommen werden. Genauso wie man Wind und Wetter trotzt, um bei einem Fototermin dabei zu sein.

Fritz-Walter-Preis

Die Fritz-Walter-Stiftung verleiht seit einigen Jahren den Fritz-Walter-Preis an je einen Verein der beiden Fußballverbände Südwest und Rheinland. Zu den rheinländischen Preisträgern gehörten bisher FV Rübenach, SV Oberzissen und SV Brück-Dreis. Die Bewerber sollten folgende Aufgaben erfüllen: Umsetzung eines Ziels der Fritz-Walter-Stiftung (z.B. Maßnahmen zur Talentförderung junger Fußballer, Aktivitäten zur Völkerverständigung, Aktionen zur Suchtprävention und Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit), Vorbild im Verein (Vorbilder, die sich auf eine bestimmte Weise engagieren oder in ihrem Tun besonders erfolgreich sind) und Sozialer Tag für Jugendliche (ein Aktionstag für Jugendliche wie zum Beispiel ein Umwelttag oder ein Projekt zur Integration).

Die Fritz Walter-Stiftung fördert seit Jahren gesellschaftlich wertvolle Fußballprojekte.

Die Fritz Walter-Stiftung fördert seit Jahren gesellschaftlich wertvolle Fußballprojekte.

Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung ermöglichen

Das sind (fast) alle Nachwuchsakteure, die im Grafschafter SV stolz die Raute auf und in der Brust tragen und in zwölf Teams dem Ball hinterherjagen. Foto: Grafschafter SV

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