Pfarrei St. Mauritius Kärlich feierte ihre erste urkundliche Erwähnung vor 800 Jahren
„Kirche gemeinsam erleben“
Mülheim-Kärlich. „Wir haben uns in den letzten Jahren selten so häufig getroffen“, berichtete Hermann-Josef Schmidt als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates beim Festakt zum 800-jährigen Jubiläum der Pfarrei in der Kurfürstenhalle. Wie er gemeinsam mit seinen Mitstreitern zu später Stunde feststellen konnte, hatte sich die Mühe zur Vorbereitung des großen Ereignisses am Wochenende gelohnt. Sowohl von den Besuchern des feierlichen Gottesdienstes als auch von den Gästen des anschließenden Festakts gab es durchweg nur positive Resonanzen: Nicht nur der Ehrengast Bischof Dr. Stephan Ackermann, sondern vor allem die engagierte Pfarrgemeinde St. Mauritius Kärlich hinterließ einen durchweg guten Eindruck, der die katholischen Christen trotz der derzeitigen Diskussionen um die Synode optimistisch in die Zukunft blicken lässt.
Die katholische Pfarrkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, schließlich ist es nicht alltäglich, dass ein Bischof bei einem Gottesdienst anwesend ist. Anstelle des leider kurzfristig erkrankten Dechanten Michael Rams begrüßte Pfarrer Günther Vogel den Trierer Bischof als Ehrengast. Dieser betonte zunächst in seiner kurzen Ansprache, dass die Kärlicher Pfarrei die erste urkundliche Erwähnung feiere, aber mit Sicherheit bereits vor dem Jahr 1217 vor Ort eine christliche Gemeinde bestand. Der Gottesdienst wurde durch den Bischof Dr. Stephan Ackermann, Pfarrer Günther Vogel, Pfarrer Thomas Gerber und Pfarrer i.R. Norbert Kohns gemeinsam zelebriert, wobei den Geistlichen eine beeindruckend hohe Anzahl von Messdienern behilflich war. Auch die Fahnen-Abordnungen der örtlichen Vereine hatten sich in der Nähe des Altars positioniert. Der Kirchenchor Cäcilia hatte sich bestens für den großen Tag vorbereitet und beeindruckte mit seinem Gesang die Kirchenbesucher. Auch die Organistin Dr. Ute Mittelberg überzeugte mit ihrer Musik und sorgte für einen besonders festlichen Rahmen.
Bischof Dr. Stephan Ackermann beeindruckte mit Festpredigt
Bischof Dr. Stephan Ackermann verstand es in der Predigt gekonnt, nicht nur der Pfarrei mit herzlichen Worten zu dem besonderen Jubiläum zu gratulieren. Mit nachdenklichen Worten ging er offensiv auf die derzeit bestehenden Sorgen und Ängste der Katholiken im Hinblick auf die Synode ein. „800 Jahre, da darf man jubeln und dankbar sein. Große Veränderungen stehen an, auch was die Landschaft der Pfarreien in unserem Bistum betrifft. Vielleicht hat daher der ein oder andere gedacht: 800 Jahre muss man feiern, wer weiß, was es in den nächsten Jahren noch zu feiern gibt“, so der Bischof, der betonte, dass Angst jedoch keine christliche Grundhaltung sei. „Wir dürfen es nicht verschweigen, dass sich das Leben in den Pfarreien zurückgezogen hat. Die Aufgaben verteilen sich auf immer weniger Schultern. Kirche verändert sich!“, so Dr. Stephan Ackermann. Der Bischof erläuterte, dass in der Vergangenheit kirchliche Veränderungen häufig die Folge von Kriegen oder Revolutionen gewesen seien. Die nun erforderlichen Veränderungen seien friedlich aus der eigenen Struktur entwickelt worden, was bemerkenswert sei. „Ihrer Festschrift habe ich entnommen, dass die Pfarrei Kärlich in der Vergangenheit auch rund 20 Jahre dem Bistum Aachen zugeordnet war. Also werden Sie auch die neuen Herausforderungen meistern“, scherzte der Bischof, der für den weiteren Weg des Bistums Trier warb.
Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmer in Begleitung der Rheinischen Musikfreunde aus Kettig mit einem Festzug zur Kurfürstenhalle. Eine schöne Geste der Stadt Mülheim-Kärlich war die Beleuchtung des erst vor wenigen Tagen angebrachten Kunstwerks an der Grundschule Christophorus. Mit dem Lied „Meine Zeit“ eröffnete der Chor „pianoforte“ unter der Leitung von Torsten Schambortski den rund zweistündigen Festakt in der Kurfürstenhalle. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Hermann Josef Schmidt wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass der Festakt der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen im Jubiläumsjahr sei, zu denen u.a. auch das Stadtfest gehört. Nicole Steffgen-Mannheim, die gemeinsam mit dem PGR-Vorsitzenden durch das Programm führte, ergänzte, dass in diesem Jahr auch der Kirchenchor sein 275-jähriges Bestehen sowie der Männerchor Mülheim-Kärlich sein zehnjähriges Jubiläum feiern können. Pfarrer Günter Vogel dankte in seinem Grußwort nicht nur dem Orga-Team der Jubiläumsfeierlichkeiten, sondern auch den vielen Menschen, die sich in der Vergangenheit ehren- und hauptamtlich für die Pfarrgemeinde engagiert haben. Thomas Przybylla, 1. Beigeordneter der VG Weißenthurm, betonte in seinem Grußwort, dass es in der Verbandsgemeinde Weißenthurm selbstverständlich sei, dass Kommunen und Kirche zusammenarbeiten. Zugleich betonte er, dass die Kirche für die Bewahrung der Grundwerte eintrete. Stadtbürgermeister Uli Klöckner ging in seinem Grußwort auf die lange Geschichte der Kärlicher Pfarrei ein: „Wir sollten alle dankbar sein, dass wir in der heutigen Zeit leben und nicht mit den täglichen Problemen kämpfen müssen, die frühere Generationen hatten. Aber genau darin liegt auch ein Problem: Wenn es den Menschen schlecht geht, dann stehen sie der Kirche erfahrungsgemäß etwas näher“, so das Stadtoberhaupt.
„Kirche gemeinsam erleben“, so lautet das Motto, welches sich in dem eigens gestalteten Logo für das Jubiläumsjahr wiederfindet. Entworfen wurde dieses von Horst Hohn, der im Rahmen seiner Ansprache auch auf die weiteren grafischen Details seines Entwurfs einging. Das Logo zeigt in der Mitte die markante Giebelfassade der Kärlicher Pfarrkirche St. Mauritius. Sehenswert war auch der Film, der viele Fotografien der letzten Jahrzehnte enthielt. Als bei einer Aufnahme auch die – leider bereits verstorbene – Küsterin Gabriele Haupt zu sehen war, applaudierten viele Gäste in der Halle spontan. Dass man sich in Kärlich auch intensiv mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigt, bewies die Gemeindereferentin Monika Schneider. Sie fasste die Ergebnisse eines Workshops mit jungen Erwachsenen zusammen. Viel zu lachen gab es beim Vortrag, der von der Katholischen Frauengemeinschaft von Kärlich präsentiert wurde. Die Gruppe, die viele Jahre mit heiteren Sketchen Veranstaltungen bereicherte, hat sich leider vor rund anderthalb Jahren zurückgezogen. Eigens für das Jubiläumsfest zeigte sie jedoch einen Vortrag mit dem Namen „Die Kirchenorgel“. Einer der Höhepunkte der Jubiläumsfeierlichkeiten war die Präsentation der 2. Auflage der Broschüre „Pfarrkirche und Pfarrei St. Mauritius Kärlich“, die eigens für die 800-Jahr-Feier ergänzt und aktualisiert wurde. Verantwortlich für das Werk sind Franz-Josef Risse und Lothar Spurzen, die vom Publikum für ihre Arbeit den verdienten Applaus erhielten.
GH
